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PUNKROCK: Billy Talent: «Jeder bastelt sich seine Blase»

Billy Talent liefern harte Musik mit krachenden Gitarren. Diesmal haben sie aber auch eine Menge über Politik zu sagen.
Interview Steffen Rüth
Billy Talent sind eine der wenigen rockigen Bands, die auch die grossen Hallen füllen. (Bild: PD)

Billy Talent sind eine der wenigen rockigen Bands, die auch die grossen Hallen füllen. (Bild: PD)

Interview Steffen Rüth

Die Kanadier von Billy Talent sind längst eine Institution des modernen Punkrock, und niemand dürfte überrascht sein, wenn sich ihr fünftes Album «Afraid Of Heights» direkt auf Platz eins der Charts einfinden würde. Trotzdem spielen Billy Talent auf dem neuesten Werk nicht einfach ihren üblichen Stiefel runter, sondern überzeugen mit Überraschungen: mit ausgesprochen ernsten Inhalten. Wir unterhielten uns mit Sänger Benjamin Kowalewicz und Gitarrist/Produzent Ian D’Sa (beide 40).

«Afraid Of Heights» ist ein selbst für eure Verhältnisse lautes und hartes Album. Was war euer Ansatz?

Ian D’Sa: Vor allem wollten wir eine Platte machen, die hammerheftig ist und richtig Krach schlägt. Aus verschiedenen Gründen, etwa einem Wechsel im Management, sind wir etwas aufgehalten worden und hatten zwischen dem letzten Album und dem neuen vier anstatt der sonst traditionellen drei Jahre Pause. Also war uns klar, dass wir mit ein paar Hymnen, mit ein paar richtig grossen Songs, aber auch mit ein paar Denkanstössen zurückkommen wollten.

Welche Denkanstösse sind das?

D’Sa: Das klingt jetzt etwas hochtrabend, aber das ganze Album sollte unser Manifest gegen die Angst werden. Im Titelsong «Afraid Of Heights» geht es zunächst einmal darum, sich mit Haut und Haar zu einer Liebesbeziehung zu bekennen, das Gefühl der Liebe zuzulassen, eben keine Angst vor zu viel Nähe zu haben. Daraus entwickelte sich das Grundthema, das sich durch viele der Songs zieht: Wir sagen, dass man keine Angst haben sollte, vor was auch immer.

Leicht gesagt. Viele Menschen scheinen heute ängstlicher zu sein als je zuvor.

Kowalewicz: Ja, da ist etwas dran. Durch reale Tragödien, aber auch die Hysterie vieler Medien werden Ängste hochgeschaukelt. Ich habe mich letztens noch mit einem Freund darüber unterhalten, dass die Leute immer mehr in ihren jeweiligen Milieus bleiben und sich meist nur noch mit Menschen abgeben, die so denken und ticken wie sie selbst. So bastelt sich jeder seine Blase, seine eigene kleine Welt, die er nur noch unwillig verlässt, weil er ausserhalb nur noch Bedrohungen erkennt.

Billy-Talent-Songs galten immer als positiv und voller Hoffnung, das war quasi euer Mantra. Hat euch der Optimismus verlassen?

Kowalewicz: Nein, der Optimismus ist uns nicht verloren gegangen. Manchmal aber, als wir an den neuen Songs arbeiteten, dachten wir schon «Mensch, wir brauchen noch ein paar aufmunternde Happy-End-Songs, sonst wird das alles zu dunkel hier». Es ist grundsätzlich einfacher, einen negativen, düsteren Song zu schreiben als einen hoffnungsvollen. Aber es ist uns immer noch wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger als früher, dass wir eine Kopf-hoch-Stimmung verbreiten. Wir sind grundsätzlich Jungs, die zuversichtlich und mit Freude durchs Leben gehen.

So wie in «Louder Than The DJ». Ist das eine laute Kampfansage der Rock ’n’ Roller an die Dance-Music-Macher?

Kowalewicz: Ja, aber eine sehr ironische. Es ist durchaus eine Art Manifest von Billy Talent, dass wir sagen, wir wollen die Rockmusik am Leben halten und unterstützen. Aber natürlich haben wir nichts gegen DJs, die machen einen tollen Job. Skrillex ist ein guter Bekannter von uns, wir wären überhaupt nicht abgeneigt, einen Song mit ihm zu machen, wenn es sich ergibt. Wir haben auch schon mit vielen dieser Jungs auf Festivals zusammen gespielt.

Ist die Rockmusik vom Aussterben bedroht?

Kowalewicz: Sie hat in den vergangenen Jahren einen Bedeutungsverlust erlebt. Rock steht nicht mehr so im Zentrum wie früher. Zwar sind Rock- und Metal-Festivals im Schnitt immer noch besser besucht als EDM-Festivals, doch wir werden mittelfristig ein Problem bekommen, weil es einfach nicht genug Headliner gibt. Die wenigsten wollen jedes Jahr aufs Neue Metallica oder meinetwegen Billy Talent sehen. Da wächst im Moment nicht viel nach. Irgendwann wird es dann ein Loch geben, und die Leute erschrecken.

D’Sa: Vielleicht ist das dann der Moment, in dem ein neuer Boom beginnt. Kurz bevor wir 1993 mit Billy Talent anfingen, war es ganz ähnlich. Rock galt als out, was im Radio lief, konnte ich mir nicht anhören, lieber hörte ich die Platten meines älteren Bruders, Led Zeppelin, Pink Floyd und so. Auch heute entdecken die Jugendlichen im Netz Bands wie Black Sabbath und sind begeistert.

Billy Talent: Afraid Of Heights (Warner)

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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