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RÄTSEL: Zeitvertreib mit 16 Buchstaben:

Vor hundert Jahren erschien zum ersten Mal ein Kreuzworträtsel. Und bis heute haben sie nichts von ihrem Reiz verloren. Auch wenn die Konkurrenz grösser wird.
Michael Graber
Unbestritten in den höchsten Ligen des Denksports: das Kreuzworträtsel-Lösen. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Unbestritten in den höchsten Ligen des Denksports: das Kreuzworträtsel-Lösen. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Kennen Sie einen russischen Fluss? Und wie sieht es aus mit einem Gebirge in Spanien? Oder eine Stadt in Weissrussland? Ziemlich sicher. Und nicht unbedingt weil Sie das in der Schule mal gelernt haben (oder wie steht es mittlerweile mit der Vektorgeometrie?), sondern weil Sie es dutzendfach in kleine Kästchen eingetragen haben. In Kreuzworträtsel. Und wenn man am Morgen mal im Zug fährt, muss man keine Angst haben, dass die Wikipedia-Generation die klassische «Kreuzworträtsel-Allgemeinbildung» verliert.

Der «Ob» bei der Premiere

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es erst gerade einmal hundert Jahre her ist, seit das erste dieser Kreuzworträtsel in einer Zeitung erschien – am 21. Dezember 1913 in der Weihnachtsbeilage der «New York World». Unter dem Titel «Fun’s Word-Cross Puzzle» (siehe kleines Bild) hatte der Journalist Arthur Wynne, inspiriert von einem Wortspiel aus seiner Kindheit, ein Rätsel kreiert. Darin mussten die Leser Worte ertüfteln, die eher simpler Natur waren. Auch der berühmte russische Fluss mit zwei Buchstaben hatte darin bereits seinen ersten Auftritt.

Wie oft der «Ob» seither in leere Kästchen geschrieben wurde, lässt sich kaum abschätzen. Er dürfte aber nicht zuletzt wegen der Kreuzworträtsel der mit Abstand bekannteste Fluss in Russland sein (und mal ganz im Ernst, kommt Ihnen auf die Schnelle noch ein anderer in den Sinn?). Das aber natürlich weniger wegen seiner Schönheit, seiner Bedeutung oder seiner Länge, sondern vor allem, weil die Buchstabenkombination «Ob» halt wirklich ideal in ein Rätsel passt.

Fünf Millionen Stunden

Ideal schien das Rätsel auch in die Zeit zu passen. Innerhalb weniger Jahre grassierte vor allem in Amerika ein regelrechtes Rätsel-Fieber – nach Europa kamen die Rätsel erst mit einigem Verzug. Bis heute schätzen Experten, dass alleine die Amerikaner pro Tag fünf Millionen Stunden mit Kreuzworträtseln verbringen. Hochgerechnet auf eine Person, entspricht das insgesamt einer Zeit von über 570 Jahren. Was vielleicht auch ein bisschen den volkswirtschaftlichen Schaden illustriert, den Kreuzworträtsel verursachen können – es soll ja Leute geben, die nicht nur in ihrer Freizeit Rätsel lösen.

Nicht direkt Einfluss auf die Volkswirtschaft, aber doch immerhin auf das eigene Portemonnaie hatte eine Entscheidung von Erfinder Arthur Wynne. Er unterliess es, seine Erfindung patentieren zu lassen. So konnte er zwar ob des Erfolgs staunen, den «sein» Kreuzworträtsel rund um den Globus feiert, finanziell daran beteiligt war er aber nicht. Vielleicht aber war das wiederum ein Geheimnis des Erfolgs: So konnten andere Zeitungen ohne lästige Lizenzzahlungen ihre eigenen Rätsel herstellen und drucken.

Angekettete Lexika

Das Rätselfieber führte in den Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts mitunter zu bizarren Szenen. In den amerikanischen Eisenbahnen wurden Nachschlagewerke aufgelegt, weil so viele Passagiere über ihren Kreuzworträtseln brüteten. Da diese Nachschlagewerke aber gerne von den Rätselfreunden einfach mitgenommen wurden, wurden sie gar mit Ketten angemacht, und es bildeten sich regelrechte Schlangen vor den Lexika.

Mittlerweile zwar digital verfügbar sind Lexika aber immer noch eine gute Hilfe für Kreuzworträtsel. Weil anders als bei den meisten anderen Rätseln, die in Tageszeitungen erscheinen, kommt man den Kreuzworträtseln nicht alleine mit Logik bei. Ein Sudoku mag zwar bei entsprechendem Schwierigkeitsgrad auch eine satte Herausforderung sein – es bleibt aber eine reine Logikaufgabe. Allgemeinwissen wird nicht belohnt – oder bei besonders knackigen Rätseln auch das Textverständnis nicht.

Neben den herkömmlichen Rätseln, die mittlerweile auch per gut gefütterter Computer-Datenbank generiert werden, haben sich auch richtig vertrackte Kreuzworträtsel entwickelt. Da hat der Gelegenheitsrätsler meist keine Chance – erst durch mehrmaliges Versuchen kommt man dem Muster hinter den Fragen auf die Spur. In der Schweiz bekannt ist vor allem das Rätsel des «Magazins» von Trudy Müller-Bosshard. Für ihre Rätsel gibt es auch extra einen Blog, auf dem sich ihre Fans austauschen (kreuzwort.blogspot.ch). Die Fragen lauten dann zum Beispiel: «Und legt immer noch einen Zahn zu, beim Profitieren von der Knappheit der Anderen.» (Lösung: Kredithai)

Autor auch für Hollywood

Je vielschichtiger und schwieriger die Fragen, desto grösser meist auch der Kreis der Fans. Kein Wunder werden die Macher zuweilen richtig berühmt. So hat etwa Will Shortz, der derzeit für die «New York Times» das legendäre Kreuzworträtsel macht, zum 50. Geburtstag eine persönliche Gratulation von Bill Clinton erhalten und durfte auch Rätsel für Hollywoodfilme entwerfen. Andere Rätsel-Autoren flüchten sich in die Anonymität und publizieren nur unter einem Pseudonym oder unter einem Kürzel – wohl weil sie Angst haben vor nächtlichen Anrufen von Rätselfreunden, die an einer ihrer Fragen verzweifeln. So kennt man den Autor des beliebtesten deutschen Kreuzworträtsels, «Um die Ecke gedacht» aus der «Zeit», nur unter «Eckstein». Was ihn trösten dürfte: Seine Bezüge wird das wohl nicht tangieren – seine Rätsel sind für viele Leser einer der Hauptgründe, die Wochenzeitung zu kaufen.

Aber nicht nur die komplizierten Rätsel haben eine grosse Fangemeinde. Auch jene grossen Preisrätsel unserer Zeitung haben immer noch einen enormen Rücklauf. Bis zu 8000 Personen senden jeweils das Lösungswort ein – wenn man bedenkt, wie viele das Rätsel lösen, das Lösungswort aber nicht einsenden, ist das eine mehr als nur beachtliche Quote. Bei anderen Wettbewerben (bei denen man aber nicht mehr machen muss, als einfach anzurufen) liegt die Quote übrigens deutlich tiefer.

Etwas zu schaffen macht dem Kreuzworträtsel aber die Flut von anderen Rätseln. All die Sudokus und Bimarus und wie sie alle heissen, erfreuen sich ebenfalls immer grösserer Beliebtheit. Ganz verdrängen werden sie das Kreuzworträtsel zumindest sicherlich vorläufig aber nie. Und wenn es dann ganz hart auf hart kommt, startet der Tourismusverein der russischen Region «Ob» vielleicht eine gross angelegte Gegenkampagne. Schliesslich kommen sie nie günstiger zu besserer Werbung.

Einige populäre Rätsel finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

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