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Der neue Disney-Trickfilm: Ralphs Freundin ist viel interessanter

Disneys neuster, Oscar-nominierter Animationsfilm führt die Computerspiel-Veteranen aus ­ «Ralph reicht’s» in gefährliche Datenstrudel: «Chaos im Netz». Cinderella kommt auch vor – und stellt etwas Ungeheuerliches an.
Daniel Kothenschulte
Ralph und seine neue beste Freundin Vanellope suchen Lenkradersatz für die Rennspielheldin. Wo? Im Internet! (Bild: Disney)

Ralph und seine neue beste Freundin Vanellope suchen Lenkradersatz für die Rennspielheldin. Wo? Im Internet! (Bild: Disney)

Disneys grosse Animationsfilme führen uns an Orte, die anderweitig kaum begehbar wären: in Schneewittchens Märchenwald, durch ein Kaninchenloch ins Wunderland oder ins Innere eines vergessenen Computerspiels.

Sechs Jahre nach «Wreck-It Ralph» flackert noch immer das Neonlicht über den betagten Automaten einer Vorortspielhalle. Spielheld Ralph, der im ersten Teil seinen Frust über die ewige Schurkenrolle auslebte, hat seinen Frieden und eine beste Freundin gefunden – die Rennspiel-Heldin Vanellope.

Das Internet, eine ­Kommerz-Metropolis?

Der kindliche Riese, der in der lustigsten Szene des letzten Films noch eine Gruppentherapie der «Anonymen Spieleschurken» durchstand, könnte kaum glücklicher sein. Von Disney-hafter Unschuld ist seine Beziehung zum niedlichen Punkgirl hinter dem Lenkrad. Zugleich führen uns die Filmemacher Rich Moore und Phil Johnston aber auch in eine durchaus erwachsene Beziehungskrise. Während der gutmütige Ralph das Leben in denkbar festen Bahnen geniesst, sind selbige für die abenteuerlustige Vanellope nur noch ermüdend. Beherzt schleicht sich Ralph in ihren Rennspiel-Computer und gräbt ihr eine neue Strecke.

Dann aber geht das Lenkrad zu Bruch. Ersatz für das betagte Teil können beide nur an einem ihnen bis dahin unbekannten Ort auftreiben – dem Internet. Tatsächlich hat der Betreiber der alten Spielhalle gerade erst einen Router installiert, und so rutschen beide durch den Anschluss in ein digitales Wunderland. Im Film gleicht es einer glitzernden Metropole, schillernd wie New Yorks stets belebter Time Square.

Ist das wirklich das Bild, das wir uns vom Internet machen müssen? Eine Kommerz- und Entertainment-Metropolis? «Wir hatten auch andere, abstraktere Entwürfe», erklärt Filmemacher Rich Moore im Interview. «Eine Cloud-Welt, ein Geflecht aus Datenströmen und einen grossen Fluss, der über die Ufer tritt. Erst nach einem Jahr haben wir uns für diese Vision entschieden, weil sie zeigt, wie jeder Nutzer daran partizipiert.»

Wiedersehen mit ­Disney-Prinzessinnen

Man kann durchaus erschrecken vor dieser Vision des World Wide Web, in dem Markennamen wie Google und Amazon auf mächtigen Wolkenkratzern strahlen. Und natürlich Ebay, wo die Internet-Novizen Ralph und Vanellope das begehrte Lenkrad auch sofort ersteigern – für 27 001 Dollar. Die herkulische Aufgabe, das Geld aufzutreiben, wird sie in den folgenden anderthalb Stunden in Höhen und Tiefen des digitalen Lebens führen: Ralph wird zum Youtube-Star, bald aber auch mit bösen Kommentaren überschüttet. Und Vanellope, die bei weitem interessantere Figur, erlebt ihre Erwachsenwerdung in einer kommunikativeren Gamer-Welt, die nur online möglich ist. Bald rast sie über von Nutzern generierte Strecken in eine Subkultur der grenzenlosen Freiheit, aus der sie auch der liebste Ralph nicht mehr zurückholen kann. Es hat sich einiges getan bei Disney: Nicht nur findet das Studio zu einer seiner liebenswertesten Heldinnen, das Glück liegt auch nicht mehr in der Zweisamkeit im heimischen Schloss – sondern in der Selbstbestimmtheit abseits des Mainstreams.

Die schönste Szene des Films verschafft dann sogar Disneys versammelter Prinzessinnen-Clique zwischen «Schneewittchen» und «Frozen» einen Auftritt. Im virtuellen Wohnzimmer einer Fanseite namens «Oh My Disney» sitzen sie da beieinander und wünschen sich nichts sehnlicher, als mal T-Shirt und Sneakers zu tragen. In einem dramatischen Augenblick springt auch Cinderella über ihren Schatten, zertrümmert den gläsernen Schuh und benutzt ihn als Waffe. Kaum zu glauben, dass Disneys Chefetage das durchgehen liess. «Man hat uns wirklich keine Schwierigkeiten gemacht», beteuern die Filmemacher nicht ohne Stolz. «Wir sagen ja auch nicht, dass es die echten Prinzessinnen sind.» Es ist schon kompliziert, dieses Internet. Wer könnte es schon wie Ralph und Vanellope in einem Tag begreifen?

Hinweis

«Ralph Breaks The Internet» läuft morgen in unseren Kinos an.

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