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RANFT-SUITE: «Kinder finden: Da läuft ja was!»

Der Obwaldner Christoph Blum macht Schüler zu Komponisten: Ihre Aufnahmen aus der Natur im Ranft sind Teil seiner Suite, die das Luzerner Sinfonieorchester zum Bruder-Klaus-Jubiläum beisteuert.
Katharina Talmann
Macht Jugendliche zu Solisten: Christoph Blum. (Bild: Boris Bürgisser (10. Januar 2017))

Macht Jugendliche zu Solisten: Christoph Blum. (Bild: Boris Bürgisser (10. Januar 2017))

Katharina Talmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Obwaldner Komponist Christoph Blum erhielt vom Luzerner Sinfonieorchester (LSO) und vom Kanton Obwalden einen Kompositionsauftrag zum Bruder-Klaus-Jubiläum. Seine «Ranft-Suite» wird am 12. März, am «Entdeckertag» des LSO, im KKL uraufgeführt.

Christoph Blum, Ihre «Ranft-Suite» wird zum 600-Jahr- Jubiläum von Bruder Klaus uraufgeführt. Was bedeutet diese Figur für Sie?

Als Kind war ich öfters im Ranft. Ich habe noch immer die kindlich-naive Vorstellung vom bärtigen Mann, der in diesem Tobel auf dem Stein geschlafen hat. Für die «Ranft-Suite» war Bruder Klaus für mich zwar der Ausgangspunkt, um den Prozess ins Rollen zu bringen. Aber es geht mir bei diesem Projekt mehr um die Vermittlung musikalischer Ideen.

Muss man als junger Komponist heutzutage diesen Vermittlungsanspruch hegen?

Für mich wird er je länger, desto wichtiger, weil ich es extrem bereichernd finde, mit der «Basis» zu arbeiten. Damit meine ich nicht nur Kinder, sondern das Publikum insgesamt, das interessierte wie das uninteressierte.

Für die «Ranft-Suite» haben Schüler aus dem Kanton Obwalden im Ranft Klänge eingefangen. Sind Sie mit ihnen durch den Schnee gestapft, ausgerüstet mit einem Aufnahmegerät?

Das Projekt ist inspiriert von Tod Machovers «Sinfonie für Luzern» am Lucerne Festival 2015. Die Musikvermittlerin des Kantons Obwalden wünschte sich zum Thema «Bruder Klaus» ein ähnliches Mitmachprojekt. Im August 2016 fuhr ich erstmals mit den Schulklassen in den Ranft, wo der Musikwagen des Luzerner Sinfonieorchesters während zweier Wochen aufgestellt wurde. Da haben wir uns gefragt: Was ist Klang? Wie kann man ihn ordnen, gestalten, wahrnehmen? Die Schüler haben dann tatsächlich mit Aufnahmegeräten Natur­geräusche aufgenommen, aber auch Klänge, die sie selber hergestellt haben: Die Kinder werden zu Komponisten.

Was ist für Sie Klang?

Ich halte es mit John Cage. Er sagt: Klang ist dann interessant, wenn man sich auf ihn konzentriert. Andernfalls wird er zur Belästigung. Klang ist ja grundsätzlich alles, was das Ohr anregt. Mich fasziniert auch jener Klang, den ich nicht einordnen kann, wo meine Fantasie zu sprudeln beginnt. Dazu gehören die Aufnahmen der Schüler, die ich für die «Ranft-Suite» verwende.

Die «Ranft-Suite» wird ein Orchesterstück. Werden diese Aufnahmen von Instrumenten imitiert, oder machen Kinder auf der Bühne die Sounds?

Das war eine der frühesten Ideen für mein Stück: Ich wollte die Kinder auf der Bühne haben. Das Stück hat fünf Sätze. Der erste und der fünfte sind eine Art Concerto grosso für Orchester, die Kinder sind auf dem ersten Balkon rund um den Saal platziert. Diese Sätze sind meine persönliche Christoph-Musik, in die ich Ideen der Aufnahmen einfliessen lasse. Der zweite und vierte Satz sind Aufnahmen der Kinder, die ich zu filmischen Tapes zusammenschneide. Der mittlere Satz, ein Klangteppich, ist die kompositorische Knacknuss: Zwei Kinder gehen mit einem Mikrofon durch das Orchester und verstärken jeweils die Stimme, auf die sie «zeigen». Diese Stimmen leuchten aus dem Gesamtklang heraus – die Kinder werden zu Solisten!

Das ist eine Visualisierung dessen, was die Kinder in der Natur gemacht haben ...

Darin liegt für mich der Vermittlungsansatz. Der erste Satz ist die Neue Musik im besten – oder im schlechtesten – Sinn, diese typische seltsame Musik. Im zweiten Satz merkt man: Moment, das kam ja aus den Aufnahmen, die ich gerade höre!

Der «Entdeckertag» im März wird als Familientag propagiert. Wie familientauglich ist Neue Musik?

Als ich gestern in mein Heimatdorf fuhr, hatte ich das Gefühl: Mit diesem Stück werde ich die Leute niemals erreichen. Aber heute verschwand dieses Gefühl. Bei den Kindern kann eine Faszination für Neue Musik ausgelöst werden. Spontan glaube ich, dass es eine Generationenlücke gibt. Dass die Eltern vielleicht sagen werden: «Hm ...» Die Kinder aber finden: «Da läuft ja was!»

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