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RAP: Auf dem Bau fliessen Verse

Mit seinem neuen Album setzt der Dietiker Rapper Xen Massstäbe in Sachen Mundart-Rap. Und das, obwohl er sich ständig wiederholt.
Adrian Schraeder
Mundart-Rapper Shkelzen Kastrati alias Xen. (Bild: PD)

Mundart-Rapper Shkelzen Kastrati alias Xen. (Bild: PD)

Adrian Schraeder

Rapper spucken grosse Töne. Das Wichtigmachen ist Teil des Wettbewerbsgedankens im Hip-Hop. Dass dabei die Gefahr besteht, sich weit über seine Fähigkeiten aufzuplustern, ist logisch. Nicht so bei Shkelzen Kastrati, 27, Rapper aus Dietikon bei Zürich, besser bekannt unter dem Künstlernamen Xen (sprich: Tzään). Jeder Ton auf seinem neuen Album «Dämone» klingt nach einer Notwendigkeit. Dabei hat das, was er erzählt, kaum Newswert. Im Gegenteil: Man glaubt eher, Hip-Hop-Klischees zu hören. Er beschwört den Zusammenhalt mit seinen Freunden und Weg­gefährten, er redet davon, Un­abhängigkeit und finanziellen Wohlstand zu erlangen, spricht vom Weg, den er bereits zurückgelegt hat, beschreibt den Zustand, in dem er Musik macht. Mehr ist da nicht.

Täglich um halb sechs auf die Baustelle

Es ist hochstehendes Kunsthandwerk, das sich seit seinem Début­album «Ich gäge mich» von 2015 noch stark weiterentwickelt hat. Damals verkaufte er 8000 Einheiten. Eine enorme Zahl im aktuellen Musikmarkt. Der Erfolg trug ihm eine Nomination für die Swiss Music Awards 2016 ein. Sogar im Kosovo wurde berichtet, was seinen Vater dazu bewog, das seltsame Hobby seines Sohnes etwas anders zu taxieren.

Trotzdem sieht die Realität für den aktuell technisch besten Rapper der Schweiz immer noch anders aus, als man es sich für ­einen Star vorstellt: Jeden Morgen zwischen halb fünf und halb sechs klingelt zu Hause in Berikon im Kanton Aargau, wo der Dietiker mittlerweile wohnt, der Wecker. Dann geht’s ab auf die Baustelle, schleppen, schuften. Xen arbeitet hundert Prozent als Lüftungsmonteur. Er trägt Verantwortung für eine Familie, vor wenigen Monaten kam sein Sohn Aaron zur Welt. Doch auch auf dem Bau fliessen die Verse. Gerade dadurch werden sie inspiriert: «Ich han immer welle Cash mache, ich han immer welle Cash mache, immer wider mit dä Gang», rappt Xen im Song «Cash mit de Gang», nachdem die Synthesizer düstere Schwingungen vorausgeschickt haben. Langweilig könnte das sein. Richtig ätzend. Ist es aber nicht. Es ist ein beschwörender Strom von Worten, der dringlich vorgetragen und elegant gelenkt wird.

Und auch wenn er das Ganze mal etwas lockerer angeht, wie das im sechsten und letzten Stück «Keini neui Kollege» der Fall ist, verliert er nie die Dominanz. Es ist sein vorläufiges Meisterstück. Mühelos passt er den Satzbau der Musik an, beschleunigt, bremst ab, findet immer wieder auf andere Weise zu der Aussage: Ich muss mich bei niemandem anbiedern, um so rappen zu können und Erfolg zu haben.

Sich «Dämone» anzuhören, ist wie ein Rap-Lehrbuch zu studieren. Seine Musik ist purer Frustabbau. Ein Kampf mit den inneren Dämonen. Die Stücke klingen unmittelbar, sind mit grosser Mehrheit düster, schneidend, apokalyptisch. Die Beats klingen nach modernem Rap: melodiös, sphärisch, nie überladen, nehmen aktuelle Trap-Elemente auf, und kommen ganz ohne Samples aus. Wenn er auf seinem nächsten Album das Geschichtenerzählen wieder aufnimmt, steht einer grossen Zukunft nichts im Wege.

Xen: Dämone. Physical Shock/Universal

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