Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

RAP: Eminem hat Angst, es nicht mehr draufzuhaben

Eminem gibt auf seinem ersten Album seit vier Jahren mal den Wutbürger – und schlägt musikalisch konzept- wie auch mutlos um sich. Nur wenn er persönlich wird, kann das Album punkten.
Steffen Rüth
Will relevant bleiben und verrennt sich dabei: Rapper Eminem. (Bild: pd)

Will relevant bleiben und verrennt sich dabei: Rapper Eminem. (Bild: pd)

Eminem hat ein Problem. Donald Trump mag ihn. 2004 hatte der heutige Präsident der USA über Eminems Alter Ego Slim Shady gesagt: «Er ist ein Gewinner. Er hat Köpfchen, er hat Eier, und er hat die Stimme von Donald Trump.» Seither versucht Eminem das Stigma des Trump-Günstlings abzuschütteln. Gewisse Parallelen zwischen den beiden lassen sich ja durchaus ziehen. Eminem, der mit etwa 175 Millionen verkaufter Alben erfolgreichste Rapper aller Zeiten, begründete seine Karriere in den späten Neunzigern auch auf hasserfüllt, gewaltverherrlichend, frauen- und schwulenfeindlich interpretierbaren Tiraden wie der Stalkerhymne «Stan». Eminem inszenierte sich als Wutbürger, lang bevor das Wort erfunden wurde. Seine Fans sind bis heute überwiegend weiss und überproportional in ländlichen Gebieten anzutreffen.

Doch damit soll nun Schluss sein. Im Oktober veröffentlichte Eminem, sozusagen als Startschuss für sein neues Album den Song «The Storm». Viereinhalb Minuten lang tritt er Trump verbal in die Tonne, geisselt die Neonaziausschreitungen von Charlottesville und den geplanten Mauerbau. Am Ende rappt er, dass sich seine Fans zu entscheiden hätten, auf wessen Seite sie stünden.

In diesem Stile geht es auf «Revival» weiter. Eminem rappt sich regelrecht wund gegen Trump, was bisweilen etwas redundant und ermüdend wirkt. Fast schon ist es ein Muster auf diesem ausufernden Album: Die Absicht ist gut, die Umsetzung hinkt häufig hinterher. Aus «Like Home», einem Duett mit Alicia Keys, hätte Grosses werden können. Doch der Song will einfach nicht richtig zünden. Ähnlich war es schon bei «Walk On Water», der ersten Vorabsingle. Eminem rappt über seine Angst, es nicht mehr drauf zu haben, Beyoncé singt dazu einen melodramatisch aufgeblasenen Refrain, das passt nicht zusammen. Dass Eminem sich stark unter Druck setzt, kommerziell relevant zu bleiben, schadet «Revival» künstlerisch. Neben Keys und Beyoncé tauchen Pink und Ed Sheeran auf dem Album auf. Das klingt nett, aber will Eminem jetzt etwa nett klingen? Anscheinend schon. «Ich wollte ein Album machen, auf dem für jeden etwas dabei ist», sagte er im Interview mit seinem Freund Elton John. Dass Eminem sowohl «Zombie» von den Cranberries als auch Joan Jetts «I Love Rock ’n’ Roll» sampelt, sorgt immerhin für Auflockerung und Abwechslung.

Weit entfernt von der früheren Brillanz

Seine stärksten Momente hat das Album, wenn es sich weder mit Donald Trump herumschlägt noch auf Popstarschützenhilfe setzt: Im packenden «Believe» möchte man Eminems Frage «Do you still believe in me?» glatt bejahen. «Revival» ist zwar weit entfernt von früherer Brillanz und Schärfe. Aber ein Desaster ist das Album nicht. Sondern der Versuch eines 45-jährigen Weltstars zu sehen, wo er in Zeiten wie diesen bleibt.

Steffen Rüth

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.