Ausstellung in Luzern: Realität malerisch umsetzen

Vor 40 Jahren hat sich Lorenz Huber der Malerei verschrieben. Sein umfangreiches Schaffen wird jetzt in der Kornschütte gezeigt.

Giulia Bernardi
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Der Künstler Lorenz Huber in seiner Ausstellung in der Kornschütte Luzern.

Der Künstler Lorenz Huber in seiner Ausstellung in der Kornschütte Luzern.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 16. Januar 2020)

«Ich bin Plein-Air-Maler», sagt Lorenz Huber. Sein Blick ist aufmerksam, seine Sätze kurz und präzise. «Man muss die Kälte spüren, die Stimmung im Freien.» Der eisige Wind auf dem Brisenberg, die Ruhe vor dem Sonnenaufgang am Vierwaldstättersee. Jene Landschaften bringt er mit warmen und kalten Farben auf die Leinwand, wobei ihre Gegensätzlichkeit die Stimmung erzeugt: das warme Gelb der aufgehenden Sonne, das sich langsam mit dem kühlen Hellblau des Himmels vermengt.

Lorenz Huber wirkt konzentriert. Während er erzählt, schaut er auf eines seiner Bilder, gedankenversunken, als ob er in seine eigene Landschaft eingetaucht wäre, in die Erinnerung an jenen Tag, an dem er sie auf die Leinwand brachte. «Meine Arbeit ist viel mit Warten verbunden.» Warten auf die passenden Lichtverhältnisse, die guten Wetterbedingungen. Das brauche viel Geduld. «Als ich die Kunstgewerbeschule in Basel besuchte, sagte mein Lehrer immer: ‹Ihr müsst lernen hinzuschauen, euch Zeit zu nehmen›. Dieser Satz ist mir bis heute geblieben.»

«Fotorealismus interessiert mich nicht»

Bis zu 100 Stunden arbeitet Lorenz Huber an einem seiner grossformatigen Bilder, die er meist in Öl oder Pastell anfertigt. Solange, bis es stimmt, bis sich nicht nur eine Umgebung, sondern eine Stimmung auf der Leinwand manifestiert. «Ich möchte die Realität malerisch umsetzen, Fotorealismus interessiert mich nicht.»

Das, was man oft für selbstverständlich hält, war es für Lorenz Huber lange nicht. Aufgrund einer schweren Nierenerkrankung, die er mit 19 Jahren erlitt, wurde seine Sehfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Schon damals hatte er sich der Malerei gewidmet, malte Landschaften, Porträts und Stillleben, besuchte die Ecole des Arts et Métier in Vevey. Als sich seine Sicht zunehmend verschlechterte, musste er sich von dem entfernen, was ihn schon als Kind fasziniert hatte: die Natur, das Licht, eine flüchtige Stimmung auf der Leinwand festhalten.

Nach zwei erfolgreichen Augenoperationen begann er in den Achtzigerjahren wieder zu malen. Und das tut er noch heute: Mit seinen 68 Jahren ist Lorenz Huber noch immer in der Natur unterwegs. Selbst im Winter bei Minusgraden bleibt er nicht im Atelier, sondern schnappt sich Leinwand und Staffelei und begibt sich auf den nächsten Berg.

«Sobald es Farbe in der Tube gab, begannen die Künstlerinnen und Künstler im Freien zu malen», sagt Huber. «Das geschah vor allem während dem Impressionismus. Man muss vor Ort sein, um die Farben der Natur wahrzunehmen, dass Schatten nicht nur dunkel, Licht nicht nur hell, sondern farbig ist.» Dabei erwähnt er Maler wie Paul Cézanne, die ihn während seines Studiums am Kunstseminar Luzern begleiteten.

Zeit und Zuwendung

Bei Lorenz Huber malt das Licht mit. «Es verändert sich ständig, lässt etwas, das man schon tausendmal gesehen hat, immer wieder anders erscheinen», sagt er. «Doch die Unterschiede auch wahrzunehmen, das braucht viel Zeit und Zuwendung. Man denkt schnell mal: ‹Ich weiss doch, wie man Wasser malt›. Doch nimmt man diese Haltung ein, vergisst man, richtig hinzuschauen.»

Über die Jahre hat sich der Maler immer mehr den See- und Berglandschaften der Schweiz gewidmet. Denn genau an diesen Orten spiegelt sich das Licht in Wasser und Schnee und hüllt die Umgebung immer wieder in ein neues Gewand.

Die Ausstellung «Wasser und Licht» in der Kornschütte Luzern, Kornmarkt 3, ist bis 2. Februar zu sehen.