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Rebellische Kinder sind Autorin Tabea Steiner sympathisch

Bisher fiel Tabea Steiner als Gründerin von Literaturfestivals auf. Nun hat die Schweizer Autorin ihren ersten Roman veröffentlicht. Mit «Balg» plädiert sie gegen Konformität.
Céline Graf
Tabea Steiner (37) erzählt im Roman «Balg» sensibel von einer schwierigen Kindheit. (Bild: Markus Forte)

Tabea Steiner (37) erzählt im Roman «Balg» sensibel von einer schwierigen Kindheit. (Bild: Markus Forte)

«Welches Tier würdet ihr zum König der Welt wählen?», fragte Tabea Steiner einmal eine Schulklasse. Die Kinder einigten sich auf eine Schildkröte. Diese regiere zwar langsamer, wisse aber dank ihres hohen Alters viel mehr über die Welt. Da kann der Löwe einpacken. «Das war so eine überraschende Antwort, ich wäre nie darauf gekommen», sagt Steiner.

Die 37-jährige Primarlehrerin und Autorin hat beim Luzerner Kleinverlag Edition Bücherlese soeben ihren ersten Roman veröffentlicht. In «Balg» durchbohrt auch der Junge Timon mit seinem offenen kindlichen Blick oft schonungslos die Normen und Ordnungen der Erwachsenen. «Es machte am meisten Spass, aus ­Timons Sicht zu erzählen», sagt Steiner. Die Geschichte wechselt zwischen den Innenperspektiven der verschiedenen Hauptfiguren hin und her.

Blühende Apfelbäume, strenge Freikirchen

Wie Timon ist Tabea Steiner, die heute in Zürich lebt, in einem Dorf aufgewachsen. Altishausen bei Kemmental im Thurgau liegt ein paar Kilometer vom Bodensee entfernt. Für Ferien geht sie gern aufs Land zurück, aber gewohnt hat sie dort seit der Kindheit nicht mehr. «Auch wenn die Apfelbäume wirklich schön ­blühen», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Altishausen ist schuld daran, dass sie die Literatur früh entdeckt hat. Ihre Familie war Mitglied einer Freikirche, die fast alles verbietet: Fernsehen, Kino, selbst Radio und Zirkus. Nur Bücher nicht.

«Natürlich förderte aber gerade das Lesen mein kritisches Denken.»

Als Mädchen nervte es sie, dass sie Kleidervorschriften bekam und die Jungs nicht. «Ich glaube, deshalb sind mir heute rebellische Kinder sympathisch.» Die Geschichte von «Balg» sei allerdings erfunden. Den Anfang bildete die Figur eines einsamen Mannes, der sein ganzes Leben im Dorf verbracht hat. Daraus wurde Timons engste Bezugsperson Valentin.

Beim Schreiben des Erstlings, den sie während des Masters in Bern begann, liess sich Tabea Steiner Zeit. «Mir war es sehr wichtig, dass die Figuren und die Handlung glaubwürdig wirken», sagt sie. Zudem war sie neben dem Germanistik- und Geschichtestudieren mit dem Aufbau von zwei Literaturfestivals beschäftigt. Das Literaare in Thun und das Aprillen in Bern leitet und programmiert sie weiterhin mit. Mit «Balg» wird sie heuer selbst eingeladen, unter anderem an die Leipziger Buchmesse und die ­Solothurner Literaturtage.

Verein feministischer Autorinnen gegründet

Tabea Steiner gehört zu einer aufstrebenden Generation von Schweizer Autorinnen, die sich einmischen und engagieren. Mit sechs Kolleginnen wie Gianna Molinari oder Julia Weber hat sie vergangenes Jahr den feministischen Autorinnenverein «Rauf» gegründet. In ihren Aktionen machen sie auf Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern im Literaturbetrieb aufmerksam. Etwa mit Artikeln in der Fabrikzeitung über «alte Meisterinnen» wie Else Lasker-Schüler:

«Weil viel häufiger Jubiläen von Schriftstellern gefeiert werden.»

Immer umgeben von neuen Büchern, fragte sie sich manchmal: «Braucht es mein Buch da auch noch?» Dann aber beschloss sie: «Auf eins mehr oder weniger kommt es nicht an.» Sehr wohl, denn «Balg» hat zur Gegenwart einiges zu sagen. Es lässt sich als Plädoyer gegen destruktive Konformität, Sprachlosigkeit und Überforderung lesen. Das Gegenmittel: Mut, Solidarität und Verständigung.

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