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REGION: Er holt die Stars ans «Heitere»

Ausverkauft: 36 000 Zuschauer feiern am Open Air in Zofingen. Möglich macht es Christoph Bill. Dieses Jahr hat er ein Jubiläum – mit uns spricht der Organisator über das Geheimnis seines Erfolgs.
Christian Hodel
Das Heitere-Publikum beim Auftritt von «Hecht». (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Das Heitere-Publikum beim Auftritt von «Hecht». (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Christian Hodel

Das Telefon klingelt. «Was kann ich für dich tun?», fragt Christoph Bill (45). Der Anrufer erzählt von fehlendem Equipment für Sido – dem deutschen Rapper, der am Freitag am Heitere Open Air einen Auftritt hatte. «Ich kümmere mich darum», sagt Bill und legt sein Smartphone zur Seite. Eine Minute später wird es wieder klingeln.

Gagenbudget: 1,3 Millionen Franken

Es ist Donnerstagmorgen, Bill sitzt auf einer Festbank im Festgelände, klebt unaufhörlich am Hörer, gibt seiner Crew Anweisungen, beantwortet Fragen und nippt zwischendurch an einem Espresso. Es war eine lange Nacht für den Festivalleiter. Die «Magic Night», quasi die Hauptprobe für das dreitägige Heitere Open Air in Zofingen, ging über die Bühne. 5800 Zuschauer kamen, um Musikgruppen wie Texas oder The Original Blues Brothers Band zu hören. Neuer Rekord.

Was Christoph Bill in die Hände nimmt, scheint zu gelingen. Der Hauptanlass ist ausverkauft – seit Wochen, seit Monaten. So wie immer in den vergangenen Jahren. Und dies, obwohl ein richtiger Headliner, ein internationaler Musiker mit wirklich grossem Namen, im Programmheft fehlt. «Das mit den grossen Namen ist so eine Sache», sagt Bill. «Wir versuchen nicht, einen Headliner zu haben, sondern setzen auf ein breites Spektrum für ein breites Publikum.» Zudem gebe es heutzutage immer weniger Musiker, die über Jahre hinweg wirklich erfolgreich seien und quasi als Koryphäen gelten. Und ja, so Bill weiter, natürlich spiele auch das Geld eine Rolle. 1,3 Millionen Franken beträgt das Budget für die Künstlergagen. Wolle man einen Superstar verpflichten, wäre ein relativ grosser Teil des Geldes bereits für diesen weg. Dennoch: Immer wieder ist es Bill seit seinem Antritt als Festivalleiter 2001 gelungen, internationale Stars nach Zofingen zu holen. Den vor anderthalb Jahren verstorbenen Joe Cocker zum Beispiel, Jimmy Cliff oder Pink. Wie macht er das?

Ein gutes Händchen bewiesen

«Echte Superstars zu holen, ist meist ein Glücksfall.» Nicht nur Geld spiele eine Rolle, sondern vor allem auch, ob das Datum in den Tourneekalender des Künstlers passt. «Vielfach haben wir namhafte Musiker verpflichtet, bevor sie zu einer richtig grossen Nummer wurden.» Und das kann schnell gehen im Showbusiness. Wer vor einem Jahr etwa den spanisch-deutschen Popsänger Álvaro Soler für einen Auftritt unter Vertrag nahm, bewies ein gutes Händchen. Mit seinem aktuellen Song führte er in den vergangenen Wochen die Schweizer Hitparade an – im Moment ist er auf Platz zwei. Christoph Bill hatte dieses «gute Händchen». Álvaro Soler spielt heute Nachmittag vor 12 000 Zuschauern in Zofingen. Stunden und fünf Künstler später wird die 26. Austragung des Heitere Open Airs Geschichte sein – das Jubiläum von Christoph Bill auch.

Nur die erste Austragung des «Heitere» hat Bill verpasst. Das Festivalgelände war damals einen Bruchteil so gross wie heute. 3000 Zuschauer kamen. Heute sind es 36 000 Besucher an drei Tagen. Christoph Bill arbeitete sich in den vergangenen 25 Jahren hoch: Anfänglich baute er zwischen den Auftritten das Bühnenequipment um, später leitete er das Ressort Infrastruktur, heute das gesamte Festival. Ein Fulltimejob ist das. Bill führt die Heitere Events AG, die neben dem Festival auf dem Zofinger Hausberg auch andere Anlässe organisiert und Material für Veranstaltungen vermietet. Rund 70 Prozent seiner Arbeitszeit investiert der Organisator aber ins Open Air. Den Lohn für seine Arbeit sieht er erst, wenn der Anlass über die Bühne gegangen ist. «Natürlich birgt das ein gewisses Risiko», sagt Bill, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Jeder Vertrag mit den Gastrobetrieben oder Musikern geht über sein Pult. Rund 300 Helfer, die alle im Stundenlohn angestellt sind, verpflichtet er. Und bei Fragen wenden sich die meisten an ihn. «Wohin sollen wir mit dem übrig gebliebenen Holz?», fragt ein Helfer an diesem Donnerstagmorgen. Bill kümmert sich auch darum. Es sei besser, wenn ein kleines Team den Überblick habe. So sei auch klar, wer verantwortlich ist, wenn was schiefgehe. Und dies kann immer wieder passieren. Musiker sagen kurzfristig ab, sind krank oder sonst irgendwie verhindert. «Bis jetzt haben wir immer eine Lösung oder einen Ersatz gefunden.»

Schon an der Planung für 2017

Doch was macht den Erfolg des «Heitere» aus? Bill überlegt und sagt schliesslich, es sei die Mischung. «Wir haben faire Preise, ein zentral gelegenes und gut eingerichtetes Gelände, ein vielfältiges Programm – und irgendwie sind wir, so glaube ich, immer am Boden geblieben.» Nie seien überdimensionierte Gagen an Musiker bezahlt worden. «Aber das Business ist schon härter geworden.» Sowohl national als auch international gebe es immer mehr Festivals. «Den Erfolg zu halten, das ist nicht einfach. Man muss stets am Ball bleiben.» Nach vorne schauen, weitergehen. Während die Besucher auf dem «Heitere» den Moment geniessen, plant Bill schon an der Zukunft. Nach dem «Heitere» ist eben vor dem «Heitere».

Manchmal aber nimmt sich auch der Organisator eine kleine Auszeit. Er sucht sich auf dem Festgelände eine ruhige Nische, ganz alleine für sich und lauscht der Musik. «Dann nehme ich mir einen Song raus und geniesse den Moment.» Zumindest solange, bis sein Handy wieder klingelt.

Impressionen: Mehr Bilder finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/bilder

Auch dieses Jahr haben Bands, wie etwa «Hecht», das Publikum in den Bann gezogen. (Bild: Eveline Beerkirche / Neue LZ)

Auch dieses Jahr haben Bands, wie etwa «Hecht», das Publikum in den Bann gezogen. (Bild: Eveline Beerkirche / Neue LZ)

In besonderer Erinnerung ist ihm der Auftritt von Joe Cocker 2002. (Bild: PD (Gary))

In besonderer Erinnerung ist ihm der Auftritt von Joe Cocker 2002. (Bild: PD (Gary))

Für einmal ist Christoph Bill, der Organisator des Heitere, im Mittelpunkt. (Bild: Eveline Bachmann / Neue LZ)

Für einmal ist Christoph Bill, der Organisator des Heitere, im Mittelpunkt. (Bild: Eveline Bachmann / Neue LZ)

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