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REUSSBÜHL: Interkulturelle Boygroup

Ein Weihnachtskonzert für alle: Ein Projekt der Kanti Reussbühl führte mit einem Araber, einem Israeli und einem Mönch die Religionen und Kulturen gemäss Lessings Ringparabel zusammen
Urs Mattenberger
Der Araber Wael Sami Elkholy, Pater Benedikt Locher vom Kloster Einsiedeln und der Israeli Omer Nevo beim gemeinsamen Auftritt mit Chor und Orchester der Kanti Reussbühl. (Bild: Pius Amrein (Reussbühl, 14.12. 2017))

Der Araber Wael Sami Elkholy, Pater Benedikt Locher vom Kloster Einsiedeln und der Israeli Omer Nevo beim gemeinsamen Auftritt mit Chor und Orchester der Kanti Reussbühl. (Bild: Pius Amrein (Reussbühl, 14.12. 2017))

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Musikalisch findet Weihnachten in Luzern bereits an diesem Wochenende statt – mit vier ausverkauften Christmas-Konzerten allein im KKL. Aber nicht nur die Fülle an vorweihnächtlichen Veranstaltungen belegt die Popularität dieses christlichen Feiertags, sondern auch die Tatsache, dass am Weihnachtsabend selber ­kein einziges Konzert stattfindet. Während Karfreitag ohne eine Passion von Bach undenkbar ist, bleibt Weihnachten auch als Familienfest in besonderem Masse heilig.

Kommt hinzu, dass Weihnachtskonzerte in der Form wie im musikalischen Niveau ein breites Spektrum abdecken. Es reicht von Mitmachkonzerten bis zu Hochglanz-Vorzeigeproduktionen im KKL, wo dieses Jahr als Höhepunkt Händels «Messias» mit dem King’s Consort erklingt, bevor das Bach-Ensemble mit Bachs «Weihnachtsoratorium» den Schlusspunkt markiert.

Ringparabel: Weihnachtsfest mit drei Söhnen

Dazwischen angesiedelt war am Donnerstag ein Weihnachtskonzert mit dem Chor und Orchester der Kanti Reussbühl, das unter der Leitung von Rolf Stucki einen spannenden eigenen Weg ging. Mutig war das Konzept insofern, als es den Fokus von der Krippe wegrückte. Stattdessen hörte man in der Pfarrkirche Reussbühl eine Geschichte, die die Hoffnung auf Frieden, Liebe und Erlösung, die wir mit Weihnachten verbinden, ins Allgemeine wendet.

Schüler rezitierten in verteilten Rollen die Ringparabel von Gotthold Ephraim Lessing: Ein Gleichnis für die Gleichwertigkeit von Christen- und Judentum sowie des Islam, in dem ein Vater für seine drei Söhne vom einzig wahren Ring zwei Duplikate herstellen lässt, sodass alle drei voneinander nicht zu unterscheiden sind. Die Pointe der Geschichte ist, dass jeder Sohn durch gütiges Handeln beweisen soll, dass sein Ring die Kraft des Originals besitze.

Die Pointe der Aufführung war, dass auf der Bühne gleichsam drei Söhne der jeweiligen Religionen auf der Bühne präsent waren. Der arabische Sänger und Lautenspieler Wael Sami Elkholy, der israelische Sänger und ­Gitarrist Omer Nevo und Pater Benedikt Locher vom Kloster Engelberg.

Natürlich war das musikalische Konzept darauf angelegt, jedem der drei Musiker gerecht zu werden. Als musikalische Klammer und Grundlage dienten Stücke, die archaisch-feierlich oder mit fröhlichem Drive an musikalische Urgründe rührten. Sie zeigten nicht nur das eindrückliche Niveau des jugendlichen Chors und Orchesters, sondern machten Wurzeln hörbar, aus denen die Traditionen der drei Solisten herauswuchsen.

Jugendliche rütteln wach

So fügte sich Wael Sami Elkholy mit der filigranen Virtuosität seiner Laute faszinierend ein in eine instrumentale Canzona von Fres­cobaldi. Pater Benedikt Locher verband seinen gregorianischen Choral mit den Männerstimmen des Chors zu Gesängen, die an die Mehrstimmigkeit in uralten Volksmusiken erinnerten. Und die Schalom-Lieder des israelischen Gitarristen rissen nicht nur den Chor mit, sondern waren fast schon einen Einladung zum Mitsingen des Publikums.

Da stellte sich in der Kirche ein Gemeinschaftsgefühl ein, wie man es von Lagerfeuern oder eben von Weihnachten kennt. Für Spannung bei so viel fröhlich-besinnlicher Eintracht sorgte zum einen die Geschichte. Die jugendlichen Darsteller des Nathan und des «Muselmanns», der den Weisen mit der Frage nach der wahren Religion provoziert, waren hinter dem Chor so an Rednerpulten postiert, dass der Eindruck eines Tribunals entstand. Und als sich beide mit der Richterin von der Vorlage lösten und ein engagiertes Statement für Frieden und Freiheit über Religions- und andere Grenzen hinweg abgaben, wurde man vom Elan der drei Jugendlichen (Lynn Gassmann, Fabian Rüegg, Felix Sigrist) regelrecht wachgerüttelt.

Ekstase gegen Wohlklang

Etwas Besseres kann einem an einem Weihnachtskonzert eigentlich nicht passieren. Kam hinzu, dass auch die Musik solche Momente der Irritation bot. Dazu gehörte schon der Gegensatz der ekstatischen Gesänge von Wael Sami Elkholy zum balsamischen Wohlklang des Paters. Dazu gehörte aber auch der gemeinsame Auftritt aller drei Sänger gegen Schluss: Man hörte eine Art Boy-Group, deren Individualitäten nicht wirklich zusammenfanden und die die Gegensätze und die Eintracht zwischen den unterschiedlichen Traditionen schillernd in der Schwebe hielt.

Den Schlusspunkt setzte deshalb der Schlusschor: Als im «Stern von Bethlehem» die volle Kirche mitsang, fühlte man tief gerührt: Weihnachten kommt!

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