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Rex, du hast die Zähne schön

Der neue «Jurassic World»-Film erzählt wenig Neues – hat aber trotzdem mehr Biss als seine Vorgänger. Denn Regisseur J. A. Bayona nimmt das «Frankenstein»-Motiv der «Jurassic»-Filme als Erster richtig ernst. So klaustrophobisch und gruselig waren diese Filme noch nie.
Lory Roebuck
Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard) müssen die letzten Dinosaurier vor dem Aussterben bewahren. (Bild: Universal)

Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard) müssen die letzten Dinosaurier vor dem Aussterben bewahren. (Bild: Universal)

Mensch, du lernst es wohl nie. Da hat der knurrige Armeeoffizier gerade zwei Betäubungspfeile abgefeuert, schon nähert er sich der furchteinflössenden Kreatur mit seiner Zange. Ein weiterer Saurierzahn soll zu seiner Sammlung stossen. Doch dieses Mal klemmt etwas. Und halt, schläft dieser Dino oder tut er nur so? Wer mit den Gesetzmässigkeiten klassischer Filmdramaturgie vertraut ist, ahnt bereits, was als Nächstes passiert.

Auf den ersten Blick hat der neue ­Kinofilm «Jurassic World: Fallen Kingdom» nicht viel mehr zu bieten als seine vier Vorgängerfilme. Auch jetzt streifen allerhand gefrässige Riesenechsen auf der Isla Nublar umher. Auch jetzt kehren wieder Menschengruppen auf die Pazifikinsel zurück, obwohl bislang jeder Versuch, die dank Gentechnologie zum Leben erweckten Dinosaurier dort als Touristenattraktion zu vermarkten, in einer Katastrophe mit hoher menschlicher Opferzahl mündete.

Diese gigantische Unvernunft ist natürlich die Grundbedingung dafür, dass die Filmserie beliebig lange weiterlaufen kann. Denn das heutige Kinopublikum steht offenbar auf Dinosaurier, das legen die Einnahmen des letzten «Jurassic World»-Films nahe, der im Sommer 2015 den finanziell erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinlegte und schliesslich mehr als das Zehnfache seiner Herstellungskosten einspielte.

Den Dinosauriern droht ein zweites Massensterben

Was ist das Erfolgsrezept? Galt Steven Spielbergs ursprünglicher Film «Jurassic Park» 1993 noch als Meilenstein der Computertricktechnik, floppten die beiden Fortsetzungen «The Lost World» (1997) und «Jurassic Park III» (2001) dagegen erst bei den Kritikern und dann auch an den Kassen.

Der riesige Erfolg von «Jurassic World» über ein Jahrzehnt später kam überraschend und hatte vermutlich zwei Gründe: Zum einen weckte Hauptdarsteller Chris Pratt puncto Charisma und Humor gute Erinnerungen an ehemalige Actionstars wie Harrison Ford; zum anderen war vermutlich selbst den jungen Kinozuschauern des Download- und Streamingzeitalters bewusst geworden, dass Dinos auf der grossen Kinoleinwand einfach am meisten Eindruck machen.

Auch der Spanier J. A. Bayona, der für «Jurassic World: Fallen Kingdom» den Regieposten vom Amerikaner Colin Trevorrow übernahm, hat nun einen Film gedreht, der auf dem Fernseher oder Tablet verschwendet wäre. Er tat das sogar in einem merklich breiteren Bildformat als seine Vorgänger, um, wie er sagt, möglichst viele Dinosaurier in die gleiche Einstellung packen zu können.

Ein furioses Endzeitspektakel voller panisch umherstampfender Dinosaurier

Und es gibt bei Bayona mehr Dinosaurier als in allen anderen «Jurassic»-Filmen zusammen. Der Clou: Weil der Vulkan auf Isla Nublar wieder aktiv ist, droht ihnen ein zweites Massensterben.

Chris Pratt alias Velociraptoren-Züchter Owen will das verhindern. Also reist er mit einer privaten Milizarmee, die insgeheim natürlich viel unheilvollere Absichten verfolgt, auf die Insel. Bayona inszeniert die Evakuierungsmission als furioses Endzeitspektakel voller panisch umherstampfenden Sauriern, alles verschlingenden Lavamassen und vom Himmel regnenden Feuerbällen.

So klaustrophobisch und gruselig waren diese Filme noch nie

Wer ins Kino geht, um zwei Stunden lang sein Hirn abzuschalten und tief im Sessel zu kauern, ist hier gut bedient. Erst recht in der zweiten Filmhälfte, die in einem altehrwürdigen Anwesen auf dem Festland spielt, wo die Dinosaurier an die Meistbietenden versteigert werden sollen.

Inhaltlich erzählt «Jurassic World: Fallen Kingdom» wenig Neues, Spass macht der Film trotzdem. Die Fähigkeiten von Horrospezialist A. J. Bayone kommen voll zur Geltung. (Bild: Universal)

Inhaltlich erzählt «Jurassic World: Fallen Kingdom» wenig Neues, Spass macht der Film trotzdem. Die Fähigkeiten von Horrospezialist A. J. Bayone kommen voll zur Geltung. (Bild: Universal)

Natürlich ist darunter wieder ein ­besonders mörderisches Exemplar, das einer perversen genetischen Verquickung entsprungen ist und das es nicht lange in seinem Käfig hält.

Inhaltlich erzählt «Jurassic World: Fallen Kingdom» wenig Neues, Spass macht der Film trotzdem. Denn die Fähigkeiten von Horrorspezialist Bayona («The Orphanage») kommen in der gotischen Villa voll zur Geltung. So klaustrophobisch und gruselig waren diese Filme noch nie. Bayona nimmt die «Frankenstein»-Allegorie, die den «Jurassic»-Filmen innewohnt, als Erster richtig ernst – und verleiht ihr ganz neuen Biss. Da hat also doch einer was gelernt.

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