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Konzertkritik: Buchbinder in der Tonhalle mit Rhythmus, Puls und Ruhe

Rudolf Buchbinder spielt in der Tonhalle St.Gallen Beethovens «Appassionata», schickt Bach voraus und schafft mit Schuberts letzter Klaviersonate einen stimmungsvollen Ausklang.
Rolf App
Der Pianist Rudolf Buchbinder. (Bild: Marco Borggreve)

Der Pianist Rudolf Buchbinder. (Bild: Marco Borggreve)

Je älter er wird, umso anspruchsvoller findet der Pianist Rudolf Buchbinder seine Auftritte. Es sind nicht die technischen Anforderungen, die ihm zu schaffen machen. Auch das Notengedächtnis funktioniert tipptopp, und die Finger des 71-Jährigen versehen bewundernswert perfekt ihren Dienst.

Er schreibt dies auch der Tatsache zu, dass er nicht so viel übt und lieber Erstausgaben studiert oder sich in die Literatur versenkt. Solche Zurückhaltung schont die Gelenke. Es ist das Musikalische, das ihn fordert. «Es ist der Anspruch an mich selbst», sagt er am Donnerstagabend im Anschluss an ­einen Klavierabend im Foyer der Tonhalle St. Gallen.

Bach hat Swing und Beethoven Kraft

Viele Zuhörer sind da geblieben, um Buchbinders ebenso erhellenden wie unterhaltsamen Exkursen zuzuhören. Sie bekommen dort auch Erklärungen zu dem, was sie zuvor gehört haben: Johann Sebastian Bachs prachtvolle Englische Suite Nr. 3 g-Moll, Ludwig van Beethovens abgründige Klaviersonate Nr.23 f-Moll op. 57, die «Appassionata», und Franz Schuberts letzte Klavier­sonate B-Dur D 960.

Bach habe Swing, sagt Buchbinder. Man kann es gut hören in der mit perlendem Schwung ­gespielten Englischen Suite, mit einer Sarabande als elegischem Ruhepunkt in der Mitte. Beethovens Appassionata, deren Titel ein geschäftstüchtiger Verleger ersonnen hat, kommt unruhig-drohend daher, das Andante con moto wirkt stellenweise eher nüchtern als entrückt – was aber gut passt zu Rudolf Buchbinders klarer Strukturierung verpflichteter Interpretation.

«Mit dem Alter wird man freier»

Rhythmus und Puls spielen in diesem ersten Teil des Abends eine wichtige Rolle, Buchbinder variiert das Tempo und schafft so Überraschungsmomente. Beethoven selber habe acht, zehn Mal das Tempo gewechselt innerhalb eines Satzes, erklärt er im Nachgespräch. «Wir getrauen uns das heute nur nicht mehr. Aber mit dem Alter wird man freier.»

Schubert ist ein ganz anderer Fall. Er kommt vom Gesang her, und «cantabile» spielt Buchbinder denn auch die B-Dur-Sonate mit ihren Klangschattierungen und filigranen Feinstrukturen.

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