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RIETBERG ZÜRICH: Direktor: «Osiris ist die aufwendigste und teuerste Ausstellung, die wir je gezeigt haben»

Die Leidensgeschichte des ägyptischen Gottes Osiris ist wohl die bewegendste der Antike. Seine Spuren sind in zwei versunkenen Städten im Mittelmeer zu finden, wie das Museum Rietberg in Zürich zeigt.
«Der menschlichste aller Götter»: Osiris als Bronze-Statuette neben einem Teil einer Barke in der Bucht von Abukir bei Alexandria. (Bild: PD)

«Der menschlichste aller Götter»: Osiris als Bronze-Statuette neben einem Teil einer Barke in der Bucht von Abukir bei Alexandria. (Bild: PD)

Tonnenschwer sind gewisse Exponate dieser grossen Ausstellung im Museum Rietberg. Eine Herausforderung, wie Kurator Axel Langer erzählt. Denn wie einen zweieinhalb Tonnen schweren Stier aus schwarzem Marmor mit einem Lift transportieren, der nur zwei Tonnen tragen darf? «Dazu kommen noch eineinhalb Tonnen für die Männer und die Werkzeuge, die mit dem Stier nach oben müssen. Das macht zusammen vier Tonnen.»

Mit Hilfe des Liftherstellers ist der Apisstier Millimeter um Millimeter mit dem Lift angehoben worden und schliesslich an den richtigen Ort gelangt – nur eines dieser beeindruckenden 250 Exponate, die in der Ausstellung «Osiris – Das versunkene Geheimnis Ägyptens» zu sehen sind. Eine Ausstellung, die vorher in Paris und zuletzt in London präsentiert worden ist.

«Sie ist die aufwendigste und teuerste Ausstellung, die wir je gezeigt haben», sagt Albert Lutz, Direktor des Museums Rietberg. «Osiris ist jene Gottheit im alten Ägypten, auf die sich die Pharaonen berufen haben», erzählt Lutz weiter. Das Museum biete damit Einblick bis in die Spätzeit des ägyptischen Reiches, in der sich die Kulturen am Ufer des Nils und Mittelmeers mit der Ausdehnung des Römischen Reichs vermischt hätten. Zu sehen ist das anhand der im Mittelmeer vor Alexandria versunkenen Städte Kanopus und Thonis-Hera­kleion. «Bis ins 4. Jahrhundert nach Christus waren das bedeutende Handelsstädte», sagt Lutz.

Bedeutender Wallfahrts- und Vergnügungsort

Kanopus war über einen Kanal mit Alexandria verbunden und Wallfahrts- wie auch Vergnügungsort, der im ganzen Mittelmeerraum bekannt war. Doch die beiden Städte waren auf Sand gebaut, und das in einer Region, die heftigen geologischen Bewegungen unterworfen ist. So versank das Küstengebiet in den Fluten, die Erdkruste gab langsam nach unter dem Gewicht der Gebäude. Erdbeben und Sturmfluten besiegelten im 8. Jahrhundert den Untergang von Thonis-Herakleion und Kanopus.

Mit den Städten verschwanden auch all die kolossalen Meisterwerke aus den antiken Städten, die vor allem dem Gott Osiris huldigten. Der Mythos erzählt, wie Osiris vom Himmel, der Göttin Nur, und der Erde, dem Gott Geb, gezeugt wurde und das irdische Königreich zum Erbe erhielt. Osiris lehrte die Menschen Viehzucht und Ackerbau, gab ihnen Gesetze und brachte ihnen die Zivilisation. Doch Undank war schon damals der Welten Lohn. Osiris fiel dem Verrat seines Bruders Seth zum Opfer, der ihn in den Tod schickte. Sein Körper wurde zerstückelt und über ganz Ägypten verstreut. Doch seine Schwester und Ehefrau Isis suchte alle Einzelteile seiner Leiche und setzte den Körper von Osiris wieder zusammen. Die Technik der Mumifizierung war erfunden.

Doch dieser Mumie hauchten die Frauen wieder Leben ein. Osiris triumphierte über den Tod und brachte der Menschheit das Versprechen ewigen Lebens. Er wurde Herrscher über die Nachwelt und Richter der Verstorbenen. Sein Sohn Horus, der Falke, rächte sich an den Peinigern seines Vaters und wurde König von Ägypten und Vorbild der Pharaonen.

Die mythische Erzählung von Isis und Osiris wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. vom griechischen Autor Plutarch aufgezeichnet, nachdem sie seit Beginn der ägyptischen Geschichte ausgeschmückt worden war. Der Höhepunkt dieses Osiris-Mythos, die Auferstehung des Gottes, stellt ein Modell dar, das für die Konfrontation mit dem Tod seine eigene Lösung gefunden hat. Darauf beruht jede Religion, die dadurch eine beispielhafte Gesellschaftsordnung schafft. In Ägypten entstand so eine moralische und intellektuelle Struktur für die ägyptische Gesellschaft, die dem Menschen seinen Platz zuwies. Um diesen zu sichern, waren bestimmte Rituale erforderlich, welche den Göttern huldigten.

Spuren dieser Rituale, dieser religiösen Festlichkeiten, versanken mit den Städten Kanopus und Thonis-Herakleion auf dem Meeresboden und blieben dort viele Jahrhunderte. Seit zwanzig Jahren taucht der französische Unterwasserarchäologe Franck Goddio mit seinem Team des Europäischen Instituts für Unterwasserarchäologie danach.

Erstmals ausserhalb von Ägypten

Stolz zeigt Goddio auf dem Rundgang durch die in drei Etappen gegliederte Ausstellung die Resultate seiner vielen Tauchgänge und der schwierigen Bergung aus dem Meer in der Bucht von Abukir. «1997 haben wir mit Tauchen begonnen, und jedes Jahr haben wir unbekannte Schätze entdeckt», sagt Goddio. Die versunkenen Städte waren mit einem Kanal verbunden, auf dem in Barken religiöse Prozessionen stattgefunden haben. Eine solche hat Goddio gefunden und geborgen, wie die fünf Meter hohe Statue von Osiris und solche von Pharaonen und Königinnen. Neben den 250 Exponaten aus dem Wasser stammen 40 Ausstellungsstücke aus Museen in Kairo und Alexandria, von denen etliche zum ersten Mal ausserhalb von Ägypten gezeigt werden.

Bruno Knellwolf

kultur@luzernerzeitung.ch

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