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RIGI KULM: Geistesblitze über der Königin der Berge

«Warum wir besser nie über dem Berg sind.» Mit dieser Aussage lockte am Freitag jene Veranstaltung, bei der Philosoph Ludwig Hasler und Akkordeonist Hans Hassler aufeinandertrafen.
Hans Hassler (72) interpretierte die philosophischen Worte seines Fastnamensvetters mit musikalischen Mitteln. (Bild: Bernhard Fuchs/PD (2012))

Hans Hassler (72) interpretierte die philosophischen Worte seines Fastnamensvetters mit musikalischen Mitteln. (Bild: Bernhard Fuchs/PD (2012))

Wir könnten uns Sisyphus wie Albert Camus als glücklichen Menschen vorstellen, gab Ludwig Hasler als Hinweis auf den Weg. «Denn der Stein ist mein Stein. Ich bin Autor meiner ‹vergeblicheren› Anläufe. Der Mensch als glücklicher Rolling Stone ...»

So machte ich mich in Wanderschuhen von Weggis auf nach Rigi Kulm. Mein Brocken: der Rucksack, den man an der Tal­station hätte abgeben können, in dem sich aber mein Equipment befindet. Die Sonne drückt zusätzlich auf den Rücken. Immerhin führt der Weg durch duftende Waldpassagen und unter dem magischen Felsentor hindurch. Pause beim Festpark auf Rigi Staffel, wo Kaffee im Wildblumengarten serviert wird.

«Genug vom tödlichen Einerlei im Paradies»

Dunkle Wolken ziehen auf – passend zum Ereignis im Rigi-Kulm-Hotel. Mit einer Veranstaltungsreihe will die engagierte Gast­geberin Renate Käppeli die «Kulm-Kultur» neu «besingen». Dass sie darunter neben Sonnenschein auch Blitz und Donner versteht, zeigt das heutige Programm: der Philosoph und Vortragsreisende Ludwig Hasler im Wechselspiel mit dem Akkordeonvirtuosen Hans Hassler.

«Ist oben anzukommen ein wirklicher Traum?», fragt Ludwig Hasler im Festsaal auf 1800 Höhenmetern die anwesenden 38 Frauen und Männer. An internationalen Kongressen spricht er auch vor 2000 Managern. «Ist reibungslose Existenz wünschbar, oder entspricht diese dem Retrowunsch ‹zurück ins Paradies›?», regt er weiter an. «Dort waren wir ja mal. Ich bin Eva dankbar, dass sie rauswollte. Sie liess sich verführen, biss in den Apfel. Warum? Weil sie genug hatte vom tödlichen Einerlei.»

Was meint Hans Hassler dazu? Staunend sitzt er daneben, den imposanten weissen Bart auf dem prächtigen schwarzen Akkordeon parkiert. Man stellt sich den «Schweizer Godfather des freien Volks- und Jazzakkordeons» (SRF) in jener Filmszene vor, als er sich im wilden Rhythmus auf schwindelerregender Höhe bewegte.

«Sind wir die Krone der Schöpfung?», wirft Ludwig Hasler in die Runde. Oder: «Ist ein Mensch je fertig?!» Er könne nie fertig sein, solange er lebe. Die Existenz zwischen Ist und Seinkönnen sei das, was den Menschen gegenüber der Maschine auszeichne. Sinn sei, sich nicht ausreden zu lassen, dass das Leben noch ganz anders sein könnte: reicher, schöner, raffinierter, vielleicht grausamer.

Akkordeon geht in die Tiefe und in die Weite

«Wie tönt denn das?», spielt er Hans Hassler nach einer guten Viertelstunde zu. Dieser erforscht sogleich aus wenigen Tönen ein mögliches Territorium, hebt ab, geht in die Tiefe, weitet den Raum, testet die Resonanz. Unterschiedliche Rhythmen treffen oder prallen aufeinander und nehmen ihren Lauf.

Kann ich diesen Stein allein den Berg hochrollen?», fragt Hasler. Die Ermutigung durch andere könne beim Emporstolpern auf der Evolutionsleiter entscheidend sein. «Denn was passiert, wenn der Blick eines anderen Menschen mich mag? Ich verwandle mich!» Der Blick des anderen könne in einem Menschen etwas entdecken, woran dieser noch gar nicht gedacht habe. So könnten wir uns wechselweise in Hochform bringen, die Welt ringsum lustiger und reicher machen.

Stille im Saal. Draussen donnert’s und stürmt’s. Hans Hasslers Akkordeon beginnt, metallisch zu dröhnen. Eisige Töne steigen empor, blicken umher, beginnen zu spazieren, fast zu hüpfen. Ein vielschichtiges Ganzes erobert den Saal. Man möchte dem Improvisationskünstler noch viel länger zuhören. Alles scheint gerade zu entstehen.

Die letzte Zahnradbahn mit Anschlussmöglichkeiten fährt um 20 Uhr. Für jene Besucher, die nicht runter müssen oder wollen, entfaltet sich am Morgen das einmalige Bergpanorama. «Rings die Herrlichkeit der Welt», schrieb Goethe 1775 in sein Tagebuch. Spektakulär führt die Zahnradbahn ins Tal. An 86 Milliarden Neuronen im Hirn erinnerte Ludwig Hasler. Diese sollten genug Verbindungen und Möglichkeiten schaffen, auf immer andere Art jenen Berg hochzukommen, an dem man gerade zu tun habe.

Edith Arnold

kultur@luzernerzeitung.ch

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