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«RING»: Packend wie der reinste Opernkrimi

Fulminanter Auftakt zum Megaprojekt dieses Sommers: Jonathan Nott drängte in «Rheingold» konzertant zu grossen Operneffekten.
Fritz Schaub
Handfester Kampf um Ring und Macht: Jonathan Nott zwischen Johannes Martin Kränzle als Alberich (links) und Albert Dohmen als Wotan. (Bild LF/Priska Ketterer)

Handfester Kampf um Ring und Macht: Jonathan Nott zwischen Johannes Martin Kränzle als Alberich (links) und Albert Dohmen als Wotan. (Bild LF/Priska Ketterer)

«Bei der Wiedergabe von Wagners ‹Rheingold› mit den Bamberger Symphonikern unter Jonathan Nott fehlte nur eines: die Szene», schrieb unsere Zeitung 2007. Bereits damals führte Nott mit demselben Orchester im KKL den Vorabend zu Richard Wagners Bühnenfestspiel «Der Ring des Nibelungen» auf, aber nachher war Schluss.

Am Freitag nun ist es wirklich der Vorabend zum grossen Showdown. Gestern ging es weiter mit der «Walküre», bis kommenden Mittwoch wird erstmals der vollständige «Ring» in Luzern, wo wesentliche Teile dieses Mammutwerks entstanden, erklungen sein. Und man bekam am Freitag im ausverkauften Konzertsaal eine Ahnung, welch dramatische Energien und aufwühlende Ereignisse dieser «Ring» noch in sich birgt.

So sehr man Jonathan Nott mit instrumentaler Musik verbindet, er versteht sein Opernhandwerk und lässt sich keinen Effekt entgehen, wenn er sich bietet – bis hin zur Entfesselung der Nibelungen und zum nicht so ganz krönenden Einzug der Götter in Walhall. Gerade im «Rheingold» gibt es viele grosse Operneffekte. Betrug, Totschlag, Ausbeutung, krumme Geschäfte – alles ist da, was uns die moderne Welt an Verbrechen bietet, und das, obwohl die Handlung unter Göttern, Halbgöttern, Riesen und Zwergen spielt.

Farbendramaturgie

Dank seiner unverminderten Aktualität wird dieser Stoff, ungeachtet aller Schwierigkeiten, noch und noch auf die Bühne gebracht, so in diesem Wagner-Jubiläumsjahr auch wieder im Festspielhaus Bayreuth, für das der «Ring» konzipiert wurde. Mit welch katastrophalem Ergebnis in szenischer Hinsicht, konnte man lesen und hören.

Also doch besser eine rein konzertante Wiedergabe wie jetzt in Luzern? Ja und nein. Ein Werk wie «Rheingold» rein konzertant aufzuführen, mit Solisten, die steif vor dem Orchester stehen, ist gar nicht möglich angesichts der orchestralen Dramatik und der sängerischen Eskapaden der dargestellten Figuren. Und in der Tat liessen es die Protagonisten im KKL nicht beim blossen Singen bewenden (Spielleitung: Doris Sophia Heinrichsen).

Ein wirkungsvolles dramaturgisches Element ergab sich schon durch die Farben der Kleidung: Wotan, die Riesen und Zwerge ganz in Schwarz, Fricka in Rot, Freia in Grün, Loge in Schwarz mit roter Krawatte, Erda wieder ganz in Schwarz. Spärlicher blieben die Lichteffekte mit blau ausgeleuchteter Podium-Rückwand für das Rheinwasser, mit Gelb für das Gold. Ein grosser Vorteil war die Leinwand-Projektion des Textes.

Einer hatte diese kaum nötig, so messerscharf war von Beginn an seine Diktion: der Alberich des klangmächtig auftrumpfenden Johannes Martin Kränzle. Er war vielleicht, hervorragend sekundiert vom Drahtzieher Loge (ungewohnt Adrian Eröd als Bariton), mit seiner wendigen Art der Angelpunkt von Notts Dirigat, das nach dem aus der Tiefe aufsteigenden Orchestervorspiel ganz auf vorwärtsdrängende Kraft und zugespitzte Höhepunkte ausgerichtet war – dies unter Wahrung eines hohen Masses an klanglicher Transparenz.

Klagegesang aus der Echokammer

Die neue Wagnersänger-Generation verkörperte durch ihre attraktive Erscheinung und den gar nicht keifenden Gesang Elisabeth Kulman (Fricka), während Albert Dohmen für den jungen Wotan nicht die Idealbesetzung war. Christa Mayer als Erda und Christoph Stephinger als Fasolt beeindruckten wie schon 2007 stark. Einen mehr unter dem Joch seines Bruders Alberich leidenden als tückischen Mime gab Peter Galliard. Von den weiteren Neulingen fiel keiner ab, aber auch nicht besonders auf.

Noch ein Wort zu den Rheintöchtern (Martina Welschenbach, Ulrike Helzel, und Viktoria Vizin). Am Anfang dominierten sie an der Rampe fast zu stark. Umso magischer und unheimlicher dann der Klagegesang aus der Echokammer am Schluss mit der Bitte, das Rheingold zurückzugeben, das am Ursprung allen Unheils steht. Es gab verdient langen Applaus und viele Bravos.

Hinweis

Liveübertragung auf Radio SRF 2: 2. September «Siegfried», 4. September «Götterdämmerung».

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