Lesetipps Krimi: Ermittlungen in der Fremde

In Nicolás Obregóns neuem Roman muss der japanische Komissar Iwata einen grausamen Mordfall lösen, während ein Barcelona-Krimi in die 1950er-Jahre entführt.

Arno Renggli/Sybille Peine (dpa)
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Ritualmorde in Tokio sorgen für Spannung

Den vorliegenden «japanischen» Krimi hat der in London lebende Spanier Nicolás Obregón verfasst. Seit der Kindheit ist er von Japan fasziniert und hat das Land für Reportagen oft bereist. Sein Erstling ist hochspannend. Kommissar Iwata, aus einer Kleinstadt nach Tokio versetzt, wird mit dem Mord an einer Familie konfrontiert. Grausige rituelle Spuren und das Zeichen einer schwarzen Sonne deuten auf ­einen Serienmörder, der prompt nochmals zuschlägt. Rätselhaft ist auch der kürzliche Suizid von Iwatas sehr einflussreichem Vorgänger. Die Hinweise führen Iwata in ein Labyrinth aus trügerischen und gefährlichen Fährten.

Die Story ist gut, der Spannungsbogen hält bis zum Ende, auch wenn die Auflösung einige kleine Fragezeichen hinterlässt. Und Tokio als Schauplatz fasziniert. Besonders packend aber ist die Hauptfigur. Iwata ist ein Einzelgänger, der an seinen eigenen Abgründen und Obsessionen beinahe zerbricht, dann aber doch noch zu Hochform aufläuft. Er wird auch im nächsten Roman Obregóns die Hauptrolle spielen.

Nicolás Obregón: Der Schatten der schwarzen Sonne. Goldmann, 470 S., Fr. 24.–

Barcelona in düsteren Zeiten der Diktatur

Der Barcelona-Krimi «Auf der anderen Seite der Ramblas» zeigt die spanische Gesellschaft in den 1950er-Jahren: Die Stadt war damals ganz anders als die bunte, selbstbewusste Metropole von heute. Barcelona litt besonders unter der Franco-Diktatur; die Bewohner bekamen zu spüren, dass sie im Bürgerkrieg auf der falschen Seite gestanden hatten.

Das deutsch-katalanische Autorinnen-Duo Rosa Ribas und Sabine Hofmann legt seinen dritten Barcelona-Krimi vor. Ana Martí, Reporterin für eine Frauenzeitschrift, bildet mit Inspektor Castro, einem Macho alten Schlages, ein ungleiches Ermittlerpaar. Der Mord an einem US-Matrosen wird für sie zur grossen Herausforderung, zumal das amerikanische Militär sich nur ungern in die Karten schauen lässt. Derweil Ana herausfindet, dass in einer Nähwerkstatt für Mütter Schlimmes passiert. Die beiden Handlungsstränge enthüllen ein komplexes Beziehungsgeflecht und werden erst ganz am Ende in einem furiosen, überraschenden Finale zusammengeführt.

Rosa Ribas/Sabine Hofmann: Auf der anderen Seite der Ramblas. Kindler, 352 S., Fr. 30.–