ROCK: Adams kehrt zum Rock zurück

Fans der ersten Stunde können sich freuen: Bryan Adams entdeckt endlich die harten Gitarren wieder. Auch dank der Rückkehr zu altbekannten Helfern.

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Bryan Adams lässt es wieder krachen. (Bild: Getty)

Bryan Adams lässt es wieder krachen. (Bild: Getty)

Auf seinem neuen Album lässt es Bryan Adams endlich wieder krachen: «Es gehört auf jeden Fall unter die Top 3 meiner härtesten Alben», sagt der kana­dische Sänger und Gitarrist über sein am Freitag erscheinendes Werk «Get Up!», das erste Album mit neuen eigenen Songs seit sieben Jahren.

«Gut so!», werden Rockfans ausrufen. In deren Herzen hatte sich der zierliche Mann mit der markanten heiseren Stimme in den frühen 80ern mit den beiden Klassiker-Alben «Cuts Like A Knife» und «Reckless» gespielt. Im folgenden Jahrzehnt erspielte sich Adams mit eher seichten Balladen und Filmmusiken wie «All For Love», «Please Forgive Me» und «Have You Ever Really Loved A Woman?» Chartserfolge – aber auch den Ruf eines Schnulzensängers. Mit «Get Up!» kehrt Adams hörbar zu seinen Wurzeln zurück: «If I m gonna go down, I gonna go down rockin’», singt Adams in «Go Down Rockin’».

Im Song «Thunderbolt» quieken und fauchen die Gitarren. «‹Thunderbolt› sollte ursprünglich der Albumtitel lauten», sagt der Musiker.

Mit den Wilburys «verwandt»

Doch schwingt Adams auf «Get Up!» nicht nur den Donnerkeil: Ein flotter Country-Boogie wie der Opener «You Belong To Me» oder das von Handclaps getriebene «Thats Rock And Roll» könnten auch von den Traveling Wilburys sein – der Supergroup mit Bob Dylan, George Harrison, Roy Orbison, Tom Petty und Jeff Lynne.

Dass sich mancher Song so anhört, ist kein Wunder, denn Lynne ist Produzent von «Get Up!». «Wenn jemand sagt, diesen oder jenen Song hätten auch Tom Petty oder Roy Orbison singen können, nehme ich das als Kompliment», kommentiert Adams diesen Höreindruck.

«Einfach so passiert»

Adams neues Album markiert nicht nur die Rückbesinnung auf alte Tugenden, sondern auch die vollgültige Rückkehr seines alten Kompositionspartners Jim Vallance. Zusammen schrieb das Duo einige von Adams bekanntesten Songs wie «Straight From The Heart» oder «Summer Of ’69».

«Es ist einfach so passiert», sagt Adams. «Wir haben nicht darüber geredet, eine Platte zu machen, wir haben nicht über Geld geredet, es gab keine Verhandlungen und keine Anwälte. Wir haben einfach Songs geschrieben, und nach fünfzehn Monaten hatten wir ein Album.»

Kritik an Streaming

Musikalisch mag Bryan Adams eher rückgewandt sein, der technischen Entwicklung und deren Auswirkungen auf das Musikgeschäft ist er sich sehr bewusst. Er hält etwa nichts von Streaming-Diensten wie Pandora oder Spotify: «Ich habe ungefähr zwanzig Alben veröffentlicht und ungefähr 700 Millionen Klicks auf Youtube. Und raten Sie mal, was meine Erlöse aus dem weltweiten Streaming der Jahre 2010 bis 2014 waren: 2500 Dollar!»

Felix Mescoli, dpa

Bryan Adams: Get Up! (Polydor/Universal)