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ROCK: Bereit für den Wiederaufstieg

Der Ruhm der frühen Glanzzeiten war bereits dabei zu verblassen. Mit neuem Album und neuem Sänger gelingt es Blink-182, das eigene Erbe aufzupolieren.
Steffen Rüth
Matt Skiba (links) ist neu bei Blink-182. Er ergänzt das Trio mit Mark Hoppus und Travis Barker (rechts). (Bild: PD/Willie Toledo)

Matt Skiba (links) ist neu bei Blink-182. Er ergänzt das Trio mit Mark Hoppus und Travis Barker (rechts). (Bild: PD/Willie Toledo)

Steffen Rüth

Das Ambiente, in dem wir Bassist/ Sänger Mark Hoppus sowie den neuen Sänger und Gitarristen Matt Skiba treffen, ist so wenig Punk-tauglich wie nur möglich. Savoy Hotel, London, schon der Name lässt einen an alte Lords, feine Damen und vor der Eingangstür wartende Rolls-Royce denken, und exakt so ist es dort auch. Hoppus (44) und Skiba (40) sitzen mittendrin, in einem dunkel vertäfelten Raum, feixend. «Punk ist immer das, was man daraus macht», merkt Hoppus an, und sein Kompagnon ergänzt mit einem Augenzwinkern, dass man ja auch in einem Luxushotel tüchtig Rock ’n’ Roll veranstalten könne.

«Ein echter Neubeginn»

Aber nicht an diesem Freitagmittag. Die Rocker sind gerade noch etwas abgeschlafft, sie trinken Tee und gucken aus sehr kleinen Augen. Abends zuvor waren sie bei der Preisverleihung eines britischen Rockmagazins die Ehrengäste, und sie bekamen, man höre und staune, den «Icon Award» überreicht.

Blink-182, diese Spasspunks aus den späten Neunzigern, die vor 24 Jahren in San Diego zusammenkamen und wenige Jahre später mit ihren spätpubertären Songs wie «What’s My Age Again?» und den ultraerfolgreichen Alben «Enema Of The State» (1999) sowie «Take Off Your Pants And Jacket» (2001) neben Green Day an der Spitze des Punk-Pop-Booms standen, sind also jetzt offiziell alt, zumindest: Ikonen. «Dabei fühlen wir uns in Wirklichkeit ganz enorm munter und motiviert», so Hoppus, «denn das, was wir im Moment erleben dürfen, ist ein echter Neubeginn.»

«California» heisst das neue Album des Trios, dessen Schlagzeuger Travis Barker seit einem 2008 mit Glück überlebten Kleinflugzeugunglück nicht mehr fliegt und somit auch nicht mit in London weilt. Es ist die erste Studioplatte nach fünfjähriger Albumpause und überhaupt erst die zweite seit 2003. «Wir sind überzeugt, dass wir lange nicht mehr so gut waren wie jetzt», schwärmt Mark Hoppus von sich selbst, und womöglich liegt der Mann richtig.

Erwachsene Texte

Aus dem Alter für Albernheiten sind die Männer, die ja auch damals schon substanzieller sein konnten als ihr Ruf («Stay Together For The Kids» war eine superbe Punkballade), bis auf ein, zwei Minimomente raus, sie spielen stattdessen kernigen bis mitreissenden Punkrock mit ernsten, erwachsenen Texten («Rabbit Hole») und ein paar echt griffigen Gesangsmelodien («She’s Out Of Her Mind»). Entscheidend für den Wiederaufstieg der zwischenzeitlich doch ziemlich gerupft erscheinenden Blink-182 ist neben der Wahl des Punk-Cracks John Feldmann als neuem Produzenten vor allem das (neuerliche) Ende des Hickhacks mit Ex-Sänger Tom DeLonge.

Mal stieg der aus, dann wieder ein, dann wieder aus, das Theater zog sich jahrelang hin, bis Hoppus und Barker 2015 den Schlussstrich zogen. Mark Hoppus: «Alles deutet darauf hin, dass die Trennung diesmal wirklich Bestand haben wird.» Mit Matt Skiba, dem Frontmann der Punkrockband Alkaline Trio, hat man ohnehin den idealen Nachfolger gefunden. «Ich habe so wahnsinnig Bock auf diese Band, dass ich mich beinahe wieder wie ein Teenager fühle.» Und das ist bei aller neuen Reife sicher nicht die schlechteste Voraussetzung.

Blink-182: California (BMG)

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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