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ROCK: Count Gabba: «Es geht nicht ohne Musik»

Aus dem Adligen ist ein Cowboy geworden: Der Luzerner Count Gabba rockt countryesk durch zehn Titel. Gut gelaunt und mit Drive.
Count Gabba (Zweiter von rechts) sagt: «Jetzt ist es eigentlich geiler, als man es sich je vorstellen konnte.» (Bild: PD)

Count Gabba (Zweiter von rechts) sagt: «Jetzt ist es eigentlich geiler, als man es sich je vorstellen konnte.» (Bild: PD)

Pirmin Bossart

Der Luzerner Tobi Gaberthuel gehört langsam, aber sicher zu den Urgesteinen der neueren Luzerner Rockszene. Mit 16 begann er, Bass zu spielen, heute ist er 45 und Vater von zwei kleinen Kindern. Das verändert das Leben – und die Musik. Früher spielte er mit Vorliebe harten Rock, allen voran mit Meyer, die über zehn Jahre ihr gut bretterndes Unwesen trieben.

Cash & Co.

2009 inkarnierte er sich als Count Gabba, setzte sich den Zylinder eines transsylvanischen Cowboys auf und verpasste seinem Sound einen Americana- und Country-geschwängerten Touch. Vielleicht ein erstes Zeichen von Altersmilde, aber sicher auch ein Schritt hin zur Musik, die er immer gemocht hatte.

«Ich habe schon Johnny Cash gehört, als man dafür schief angeschaut wurde», sagt Gabba beim Cola im «Parterre». Also lange bevor der Reverend-Barde mit seinen von Rick Rubin produzierten American Recordings zum Liebling auch der Indie-Szene wurde. Er schätzt auch The Beatles oder Bob Dylan, die Ra­mones und den Punk. Zurzeit hat er gerade eine Willie-Nelson-Phase. Aber der Bodensatz Country war immer da. Jetzt ist er neu aufgebrochen.

Auf «The Dance Decade» kommt Count Gabba mit einem Zehner-Bündel von Songs, die leicht von der Hand gehen. Dass sie aufmüpfiger und lebhafter denn je geraten sind, erstaunt ihn selber. «Nach dem zweiten Album und einigen Konzerten ist nicht mehr viel gelaufen. In der Band war es nicht klar, wie es weitergehen sollte. Zurück blieben nur noch Bassist Claudio Strebel und ich.» Wie sollte es weitergehen? Dazu kam, dass sich seine Prioritäten als frischgebackener Vater sowieso verschoben.

Gute Gitarre

Der Umschwung kam, als Claudio Strobel eines Tages vorschlug, mal mit dem Gitarristen Felix Brühwiler und Schlagzeuger Tom Schenker zu jammen. «Es war mir schon beim ersten Mal klar, dass das super würde», erinnert sich Gabba. Die Musiker verstanden sich, hatten Spass, und auch der Sound wurde zupackender. Dass auf dem neuen Album mehr Rock ’n’ Roll drin ist, hat sehr mit den Musikern zu tun und wie sie die Songs angingen.

Gitarrist Felix Brühwiler prägt das Album und gibt ihm mit seinen auch mal schön ausufernden Soli einen leichtfüssigen Rock-Charakter. Er ist, wie Strebel, Jazzschule-Abgänger und widmete sich eine Zeit lang auch dem Flamenco. Heute unterrichtet er an Musikschulen, spielt mit Pink Bliss (Pop/Rock), Swing de Paris (Gypsy-Jazz), im Claudia-Muff-Quartett (neue Volksmusik) und im 21st Century Orchestra. Schlagzeuger Tom Schenker klopft schlicht und kraftvoll. Gabbas Stimme und seine Artikulation bringen das Angeraute und Aufmüpfige in die Songs.

«Komm, lass uns der Realität in die Augen schauen, wir sind ziemlich durchschnittlich», resümiert der Eröffnungssong «Pretty Mediocre» die Befindlichkeit aus einem Mittvierziger-Leben. «Bis 35 hast du vielleicht noch das Gefühl, du könntest Astronaut werden oder dass sonst ein grosses Ding passiert. Aber dann realisiert du irgendwann, dass es zum Nobelpreis wohl doch nicht mehr reicht und du eigentlich ziemlich durchschnittlich bist.» Gabba möchte dem nicht Midlife-Crisis sagen. «Es hat auch etwas Schönes. Ein gewisser Stress ist vorbei und hat etwas Neuem Platz gemacht.»

Tiefpunkt und Aufbruch

Das ist auf dem Album spürbar. Die Stimmung ist heiter, der Flow rollt, die Texte sind locker und optimistisch. Das erste Album mit dem bezeichnenden Titel «The Lady’s Gone. The Song Remains» hatte noch andere Stimmungen zu verarbeiten, und sein Nachfolger «Country Noir» war entsprechend bestrebt, zumindest die Attitude zu halten. In den letzten zwei Jahren war Gabba an zwei Alben mit der Open Minded Riot Crew aus dem Umfeld der Luzerner Fussball-Fanszene beteiligt. Und jetzt «The Dance Decade», das aus einem Leben erzählt, in man sich eingerichtet hat und es so gut findet.

Vielleicht habe es diesen Tiefpunkt vor zwei Jahren gebraucht, sagt Gabba, «um jetzt wieder voll da zu sein». Mit den Musikern sei ein neuer Drive entstanden. «Das hat für mich die Energie zurückgebracht, ich habe neue Lust be­kommen. Jetzt ist es eigentlich geiler, als man es sich je vorstellen konnte.» Die Musik hat er nie aufgegeben, «es geht nicht ohne», sagt der Sänger und Bassist.

Lieber im Saloon

Anders als auf den ersten zwei Alben, die kurz nacheinander erschienen, sind die zehn neuen Songs über eine Zeit von fünf Jahren entstanden. Sie gehen sofort ins Ohr und sind aus dem Holz von Cowboys, die vermutlich lieber im Saloon an der Theke Audienz halten, als auf den Weiden das Vieh zusammenzutreiben. Das zeigen sie nicht zuletzt mit ihrem edlen Western-Outfit, in dem sie auch von der Bühne rocken.

Count Gabba: The Dance Decade (Vinyl/CD, Little Jig)
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Plattentaufe: 6. November, 21 Uhr, Schüür, Luzern

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