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ROCK: Der alte Mann und der Zorn

Neil Young (69) sang in den letzten Jahren gegen den Irak-Krieg für das idyllische Leben auf dem Lande. In dem Konzeptalbum «The Monsanto Years» kämpft er nun gegen die mächtigen Agrarkonzerne.
Roh, hypnotisch und vor allem angriffig klingen die neuen Songs von Hippielegende Neil Young. (Bild: Key)

Roh, hypnotisch und vor allem angriffig klingen die neuen Songs von Hippielegende Neil Young. (Bild: Key)

Eine Hörprobe finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/bonus

Olaf Neumann

Vor vielen Jahren, als die Amerikaner Vietnam bombardierten, als in Deutschland die RAF gegründet wurde und Dieter Thomas Heck die Hitparade moderierte, als Willy Brandt noch regierte und Udo Jürgens für die Fernsehlotterie «Ein Platz an der Sonne» sang, als Jim Morrison und Jimi Hendrix noch lebten und Helene Fischer noch nicht geboren war, da wurde Neil Young zu einem bedeutenden Protestsänger.

«Ohio» als Hymne der Gegenkultur

Am 4. Juli 1970 feuerte die Nationalgarde in Kent (Ohio) 67-mal auf unbewaffnete, gegen den US-Militäreinsatz in Kambodscha protestierende Studenten. Dabei wurden vier Personen getötet. Neil Young schrieb den Song «Ohio». Dieser beschwört die gruselige Atmosphäre, die Empörung und den Schock nach den Schüssen in Kent. Besonders eindringlich die Zeile «Four dead in Ohio», die ständig wiederholt wird. Young nahm den Song umgehend mit seiner extrem erfolgreichen Gruppe Crosby, Stills, Nash & Young auf. «Ohio» wurde nicht nur ein Charterfolg, sondern auch zu einer Hymne der Gegenkultur.

Heute lebt der in Kanada geborene Neil Young mit der Schauspielerin und Aktivistin Daryl Hannah noch immer in Kalifornien in einer idyllischen Kleinstadt bei San Francisco. Er trägt sein Haar trotz seiner fast 70 Jahre lang wie zu den besten Hippiezeiten, auch wenn es immer schütterer wird. Er ist nach wie vor ehrgeizig und nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Missstände in seiner Heimat geht. Er engagiert sich seit Jahren für die Umweltpolitik, hat eine Firma für Ökoautos gegründet und unterstützt familiär geführte landwirtschaftliche Betriebe.

Auch Starbucks im Visier

Gegenwärtig zieht der Rockstar gegen den Konzern Monsanto in den Kampf, der unter anderem Herbizide und Saatgut herstellt und gentechnisch modifizierte Organismen verwendet. Auch die Kaffeekette Starbucks ist ihm ein Dorn im Auge, seit sie sich gemeinsam mit Monsanto und anderen Nahrungsmittelgiganten zur Grocery Manufacturers Association (GMA) zusammengeschlossen hat. Das sind aus Youngs Sicht die Bösen.

Die Guten verortet er in dem kleinen, ländlichen US-Bundesstaat Vermont, der von sich behauptet, Amerikas beste Lebensqualität zu bieten. Vermont hat als erster Staat ein Gesetz verabschiedet, das ab 2016 vorschreibt, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu kennzeichnen. Damit Dutzende andere Staaten diesem Beispiel folgen, will Young sicherstellen, dass Vermonts Gesetz stabil ist. Denn die GMA und andere Nahrungsmittelgiganten wollen es anfechten. Der Sänger ruft zum Boykott von Starbucks auf und fordert das Unternehmen dazu auf, die GMA zu verlassen. Starbucks antwortete, man hätte keine offizielle Position punkto Kennzeichnungspflicht gentechnisch veränderter Lebensmittel und würde sich auch nicht an der Klage gegen Vermont beteiligen. Nichtsdestotrotz will der Rockstar sich nicht mehr jeden Morgen bei Starbucks anstellen und sich seinen Latte kaufen, wie er es angeblich immer getan hat.

Allein mit Klampfe

Nun könnte man meinen, die Musik ist bei solch einem Projekt zweitrangig, sie tritt hinter den Text zurück. Was aber macht die Faszination dieses klingenden politischen Statements eines Alt-68ers aus? Young, schrullig wie er ist, hat die Songs einmal mehr in kürzester Zeit geschrieben und innerhalb einer einzigen Nacht zunächst ganz allein mit seiner Klampfe aufgenommen. Dann ging er ins Studio, spielte dort vierzig Songs ein, von denen es neun auf die Platte schafften. Sie tragen für sich selbst sprechende Titel wie «Rules Of Change», «Monsanto Years» und «Workin’ Man» und kommen streckenweise völlig ohne störende Poesie aus. Der Gesang auf diesem rauen Konzeptalbum ist oft mehrstimmig, die Grooves sind lässig und hypnotisch. Es wummert und scheppert, knarzt und fiept. Zuweilen hat man das Gefühl, eine Live-Session zu hören. Neil Young & Promise Of The Real spielen Musik für diesen Moment, voller Leidenschaft, Wut und Sehnsucht.

Promise Of The Real ist die Band von Micah (25) und Lukas Nelson (26). Vater dieser Jünglinge ist die 81-jährige Country-Legende Willie Nelson. Neil Young nennt die Brüder «die Kids», er ist für sie «Onkel Neil». Die erste Single des Albums heisst «A Rockstar Bucks A Coffee Shop». Zu Deutsch: «Ein Rockstar widersetzt sich einer Kaffeekette.»

Neil Young und Promise Of The Real: The Monsanto Years (Warner).•••••

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