ROCK: Der Musiker der zweitausend Lieder

Der Seetaler Paul Etterlin (53) ist seit Jahrzehnten auf der Rock- und Pop-Piste. Seine Vielseitigkeit als Gitarrist und Sänger macht ihn begehrt – auch in ganz anderen Genres.

Pirmin Bossart
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Ein Mann, eine Gitarre: der Seetaler Musiker Paul Etterlin. (Bild: PD)

Ein Mann, eine Gitarre: der Seetaler Musiker Paul Etterlin. (Bild: PD)

«Calling From Memphis» heisst das aktuelle Album von Paul Etterlin. Memphis ist die Heimstätte von Elvis, hier arbeiteten B. B. King und andere Bluesgrössen. Vertraute Musik für Etterlin. «Memphis Tennessee» hiess auch ein Hit von Chuck Berry, der Etterlin als Jugendlichen zum Gitarrespielen gebracht hat. «Chuck Berry war mein Idol, neben Jimi Hendrix und The Kinks. Das war der Sound, mit dem ich aufgewachsen bin.»

Das neue Album ist weit weg von diesem Elementar-Vokabular. Etterlin liebt den runden, gut produzierten, nach den gängigen Schematas arrangierten Poprock der melodischen Schule, der gut im Ohr liegt und auch im Radio gespielt wird. Ein direkter Bezug zu The Kinks ist aber vorhanden: Gleich der erste Song «Lola On My Mind» ist eine Hommage an den Kinks-Song «Lola», der in den Hitparaden war, als Etterlin beschloss, Musiker zu werden.

Kisha im Hintergrund

Es sind flotte Nummern, mit denen Etterlin seine Musikalität ausleben und auch seine gute Stimme immer passend einbringen kann. Die meisten Instrumente hat er selber im eigenen Studio eingespielt, auf «Michelangelo» singt Kisha im Duett. Auf andern Tracks ist sie als Backgroundsängerin zu hören. Das Album hat einen vollen Sound und eine sanft rockige Note.

Live wird dies ganz anders sein. «Meine Konzerte sind meistens akustisch. Ich habe sieben bis acht Gitarren bei mir, die ich einsetze.» Im Luzerner «Stadtkeller» wird Etterlin in der kommenden Woche mit dem zweiten Gitarristen Patrick Grob und dem Perkussionisten Dany Schnyder auftreten.

Ein Lehrer-Musiker

Etterlin ist ein typischer Lehrer-Musiker. Nach der Ausbildung zum Primarlehrer am Semi Hitzkirch studierte er am Konservatorium Luzern klassische Gitarre. Später absolvierte er Meisterkurse, Workshops und einen Nachdiplomkurs Musik.

Inzwischen ist er längst auch selber Lehrer, mit einem 60-Prozent-Pensum an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Luzern. Die restliche Zeit verbringt er hauptsächlich mit Musikproduzieren. Songs schreiben, Bands gründen, ein eigenes Studio einrichten, verschiedenste Gitarren und Saiteninstrumente spielen, Studiojobs ausführen oder an Arrangements feilen: Bei aller Pädagogik war es doch sein Tatendrang, der ihn zum Musiker machte, der er heute ist. Während der Kanti spielte er in einer Schülerband. 1984 gründete er die Pop-Rock-Band Wild Hearts, 2000 startete er mit Angelheart, daneben kamen und gingen diverse Projekte, seit 2007 arbeitet er auch mit BündnerflAisch. Seine Erfolge hat Paul Etterlin einheimsen können, wenn auch nicht als rockender Bühnenstar in Amerika, sondern im gutschweizerischen Servelat-Promi-Pop-Umfeld. Wiederholt trat er mit seinen Bands und Projekten in TV-Sendungen, an Festivals und Events auf.

Mit der Single «Ulässig» (BündnerflAisch) war er in der Hitparade, 2010 schrieb er mit «The Time Is Now» den offiziellen Olympia-Song des Schweizer Teams für Vancouver. Auch seine neue Single läuft schon sehr gut am Radio, eine zweite wird demnächst nachgeschoben.

Was Etterlin musikalisch macht, ist weit weg von angesagten Indie-Bands, wie sie in der alternativen Rock-Szene diskutiert werden. Dafür gehört er zu jenen, die, auch wenn sie nicht in den Medien gehypt werden, musikalisch wohl mehr Erfolg haben und davon leben können als manche Band, die sich das wünschen würde.

So ist Etterlin auf CDs von Francine Jordi, Maja Brunner, Steini, die Paldauer oder Ötzi vertreten. Üble Sachen halt, wie manch alternativer Szenegänger hämisch bemerken würde. Etterlin kennt das, im weitesten Sinne auch von seiner Szene her. «Viele Leute können sich nicht vorstellen, dass ich für Schlageraufnahmen spiele und handkehrum meine eigenen Songs erarbeiten kann.» Er habe keine Probleme damit und mache das sogar gerne, «und das nicht nur aus Gründen des Broterwerbs».

«Ich habe Ideen»

Seine Vielseitigkeit und sein Talent, auch andere Saiteninstrumente spielen und einsetzen zu können, machen ihn für Studiojobs begehrt. «Ich habe Ideen, kann relativ schnell reagieren und vielleicht auch mal was mit der klassischen Gitarre oder einer Ukulele einbringen.»

Als Musiker ist er inzwischen auf insgesamt 1500 bis 2000 Titeln zu hören. Kürzlich hat er aufgrund der Daten von Swissperform (Gesellschaft für Leistungsrechte von Schweizer Interpreten) ausgerechnet, wie viel er 2010 insgesamt mit seiner Gitarre oder seinem Gesang am Radio vertreten war: Nonstop gesendet, hätte man 4 Tage, 4 Stunden und 14 Minuten Paul-Etterlin-Musik hören können.

HINWEIS

Paul Etterlin: Calling From Memphis (EAP Productions). Live: Donnerstag, 28. Februar, 20.30 Uhr, Stadtkeller Luzern

Wir verlosen 5-mal 2 Tickets für das Konzert von Paul Etterlin am 28. Februar im Stadtkeller Luzern. Wählen Sie heute die Telefonnummer 0901 83 30 23 (Fr. 1.– pro Anruf, Festnetztarif) oder nehmen Sie teil auf www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe.

Hörproben aus Paul Etterlins aktuellem Album finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bonus