ROCK: Die «Lieblingskids» sind zurück

Das lange Warten auf die hat sie nicht zermürbt: Selbstbewusst und mit neuen Ideen sind 7 Dollar Taxi mit ihrem dritten Album im Pop-Zirkus zurück.

Pirmin Bossart
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Immer noch jung, immer noch gut: 7 Dollar Taxi aus Luzern. (Bild: PD/Ralph Kühne)

Immer noch jung, immer noch gut: 7 Dollar Taxi aus Luzern. (Bild: PD/Ralph Kühne)

Sie waren die Lieblingskids, als Luzern noch eine Rock-City geheissen wurde. Ihre frischen knappen Songs, die Bühnenpräsenz und die Energie machten 7 Dollar Taxi zum heissen Tipp für alle, die gute Popmusik zur Lebensqualität zählen und es einer Band gönnen würden, endlich mal über die engeren Grenzen hinaus bekannt zu werden.

Doch was heisst da «waren» und «machten»? Sie sind da, frisch und auch ein bisschen unforcierter, und machen ihre Popsongs, in denen neuerdings Keyboards und Minimoog mit oszillieren.

Markantere Stimme

Der erste Klang des Albums ist ein Piano, und das ist schon mal ein irritierender Auftakt für die Gitarren-(Brit)Popband, die 7 Dollar Taxi jahrelang gewesen sind. Der Opener «Anything Anything» brodelt vergnügt und Sänger Tizian dehnt die Silben. «Postcard from St. Barbara» ist der Song, der in einer Nacht im Studio entstanden ist. «Future U» haut gut rein. Der Sound ist dicht, der Song erhebt seine Schwingen und wird zum Disco-Stampfer, der Schlagzeuger legt sich ins Zeug. Auf «The End» schält sich aus dem Synthesizer-Intro ein catchy Popsong heraus.

Was bald auffällt, ist die prägnante und markant in den Vordergrund gemischte Stimme von Tizian von Arx, die stärker verschiedene Lagen variieren und richtig aufblühen kann. Das macht 7 Dollar Taxi noch definitiver zur Popband. «Ich habe stimmlich, aber auch vom Song schreiben und Arrangieren her viel gelernt mit meinem Soloalbum One Lucky Sperm», sagt Tizian. Die wichtigste Erkenntnis, die jetzt auch bei 7 Dollar Taxi zum Tragen kommt: «Die Songs mehr atmen lassen.»

Zuerst das Soundbild

Das Album wurden im wesentlichen während zweier Wochen live im Soundfarm Studio (Marco Jencarelli) eingespielt. Dann nahm sich Tizian von Arx in längeren Nachtschichten Zeit, die Stimme auszutesten, die richtige Attitude zu finden, neue Facetten herauszuholen. Jetzt kann er auch mal in tieferen Lagen singen, ohne gleich von Gitarrenschichten wie früher neutralisiert zu werden. Gitarrist Christoph Zurflüh bekräftigt: «Wir wollten der Stimme mehr Raum geben, und damit auch dem Song.»

Neu war auch die Herangehensweise für die Albumproduktion. Statt – wie vielfach üblich – im Studio herum zu pröbeln und mehrere Varianten aufzunehmen, wurde von Anfang festgelegt, wie das Album zu klingen hatte. Das Soundbild rückte in den Mittelpunkt. Das erforderte Auseinandersetzung und Vorbereitung, bevor dann die Aufnahmen sehr gut einstudiert mit der nötigen Energie eingespielt wurden.

«Wir wollten uns weiter entwickeln und hatten auch Lust auf eine neue Instrumentierung», sagt Zurflüh. Keyboard, Minimoog und ein paar Effektgeräte wurden angeschafft – und ein Ludwig Schlagzeug.

«Der old School Vintage Sound war ein Kern. Darum herum bauten wir die Songs.» Tizian hat das Album mitproduziert. Seit über zwei Jahren arbeitet er als Junior-Produzent bei Marco Jencarelli. Das Soundbild haben die beiden zusammen entworfen. «Marco war derjenige, der uns ab und zu bremsen musste und mit seiner Erfahrung ein sehr guter Berater war.»

«Local Frog» erinnert von ferne an ihren grössten Hit «Sputnik und Laika», der die Band insbesondere auch in der Westschweiz populär gemacht hat. Mooglinien schmürzeln durch die Lüfte und der Sänger singt mit cooler Inbrunst «deeper, deeper and deeper». Auf «Beg for Mercy» geben sie Schub, wechseln zwischen klar zentrierten Strophen und einem jaulenden Refrain. «Daily Routine» ist die erste Single. Tizian sinniert darauf über den Sinn des Musikmachens in angespannten Zeiten. Auch andere Texte speisen sich aus Autobiografischem, hadern und frohlocken, quer durch Emotionen und Beziehungen.

Song mit Rap

Eine Überraschung ist «A Night like this», auf den sich Pablo Vögtli (Japrazz) in tightem Flow und mit sexy getünchten Rap-Vocals einmischt. Und die bluesrockige Gitarre, die kurz diesen Hip Hop-Pop infiltriert, wird von Marco Jencarelli himself beigesteuert. «The End (of a long night)» ist ein schnittiger Burner mit einem dieser Refrains, wie sie 7 Dollar Taxi wohl schon als Kids inhaliert haben.

Piano und Synthesizer machen das Klangbild irgendwie frecher und flapsiger, aber auch mainstreamiger. Backgroundgesänge zieren die Strophen, die alten Pfade des knapp zugespitzten Songs werden auch mal verlassen, um etwas druckvoller zu schwelgen oder das Formelhafte mit ein paar Soundgimmicks aufzumischen. Aber die Grundstruktur ist einfach gehalten. «Die Live-Performance ist unser Erfolgsfaktor. Die Leute spüren uns.»

Ex-Teenies

Dazu passt, dass die Band mit dem Album eben kein Studioprodukt züchten wollte. «Wir können die Songs mit Gitarre am Lagerfeuer, aber auch mit dem vollen Sound des Albums live über die Bühne bringen», sagt Zurflüh. Damit es technisch besser zu handhaben ist, wird der Musiker Ralph Zöllig (Keyboards) 7 Dollar Taxi auf der Live-Tour begleiten.

Die Band kommt einem fast etwas ausgehungert vor. Das vermittelt dieses Album, und das ist ein gutes Zeichen. Man spürt die Spielfreude, die sich offenbaren will. Man ahnt den Willen, es wieder zu zeigen. Man hört die Energie, die sie noch nie verloren haben. Und man entdeckt, dass diese ehemalige Teenieband nicht nur dran bleiben will, sondern auch viel dafür tut.

Und gewinnt.

7 Dollar Taxi: Anything Anything (Claxmusic Records/Irascible), Plattentaufe: Samstag, 1. Februar, 20.00, Schüür Luzern.•••••