ROCK: Schlanker Sound mit Schub

Wieder veröffentlicht ein Luzerner Trio ein feines Debütalbum: Weekend Phantom machen transparenten Indie Pop, mit einer Prise Surf im Sound.

Pirmin Bossart
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Weekend Phantom sind Christian Fries, Markus Ineichen und Markus Aregger (von links). (Bild: PD/Silvio Zeder)

Weekend Phantom sind Christian Fries, Markus Ineichen und Markus Aregger (von links). (Bild: PD/Silvio Zeder)

Wir treffen Markus Aregger am frühen Morgen im Bahnhof Luzern. Kusi ist Sänger bei Weekend Phantom. Ein starker Sänger. Nicht viele Bands haben solche Stimmen. Dieses beruhigende, fast abgeklärte Timbre, das sich weder schönfärberisch noch exaltiert in Szene setzt, sondern dem Song dient, ihm ein Krönchen aufsetzt. Dazu eine Band, auf Gitarre, Bass und Schlagzeug reduziert, die sich knapp und wohlgeformt hält.

Aus dem Bauch

Die zehn Songs auf ihrem Album «Dot» beschreiben ein Indie-Pop-Universum, dessen Wurzeln auf Ende der 80er-/Anfang der 90er-Jahre zurückgehen, als Bands wie The Cure, Teenage Fanclub und andere Brit Pop Bands die Heranwachsenden bezirzten. «Natürlich sind wir von dieser Zeit geprägt. Was du mit 12 oder 13 Jahren an Musik hörst, wird dich auf seine Art und Weise wohl ewig begleiten», sagt Kusi. Trotzdem hätten sie nie versucht, irgendetwas nachzuahmen oder zu klingen wie diese oder jene Band, die sie gut finden würden. «Wir haben nie über den Sound diskutiert oder wohin wir genau wollen. Wir hatten ein bestimmtes Instrumentarium und waren interessiert, aus dem Bauch heraus damit etwas Eigenes zu kreieren.»

Phantom Weekend ist eine Band vom Land, die in die Stadt gezogen ist. Es ist, wie unzählige Beispiele zeigen, noch immer die beste Ausgangslage für viel versprechende Musik. Wer nur die Stadt kennt, dem fehlen wesentliche Erfahrungen, die den musikalischen Prozess befruchten – und umgekehrt. Die Mischung erzeugt diese bestimmte Dynamik. Aregger stammt aus Willisau, ebenso der Bassist, der Schlagzeuger ist ein Ruswiler. Sie sind zwischen 24 und 26 Jahre alt und leben mittlerweile alle in Luzern.

Die drei haben sich an der Kanti Willisau kennen gelernt, wo sie die Matura mit dem Schwerpunktfach Musik wählten. Einzig die Aussicht, in den Chorunterricht zu müssen, bereitete ihnen Bauchweh. Kusi grinst: «Da brachte uns Pit Furrer auf die Idee, eine Band zu gründen und uns als Schulband zu verankern. Er hat uns die Instrumente besorgt und auch einen Proberaum zur Verfügung gestellt.»

Daraus wurde die Band Fast Forest, die einige Jahre bestand und mehrere Band-Contests gewann. Als der Schlagzeuger die Band verliess, machte man zu dritt weiter, der bisherige Sänger wurde Schlagzeuger, und Gitarrist Kusi übernahm den Gesang. So entstand Weekend Phantom. Der Schlagzeuger baute in Sursee ein Tonstudio auf, das mittlerweile auch als Proberaum dient.

«Zunächst wollten wir die Aufnahmen mit einem Produzenten machen. Aber dann merkten wir, dass wir noch nicht am Punkt waren. Wir brauchten mehr Zeit, um unsere Songs nochmals richtig auseinanderzunehmen und sie neu zusammenzusetzen.» Das klingt nach viel Arbeit, aber auch nach Ernsthaftigkeit, ihre eigene Musik wirklich von Grund auf mit allen Nuancen, die ihnen wichtig waren, zu entwickeln.

Surf-Vibe

Was schnell auffällt, ist der besondere Sound mit seinem dunklen Surf-Vibe, der hier und dort die Songs grundiert. Das hat nicht zuletzt mit der Gitarre zu tun, die Kusi spielt, einer Fender Jazzmaster. «Schon mit dem ersten Schlag auf dem Instrument wurde sogleich der Surfrocker Dick Dale gegenwärtig. Die Gitarre evoziert ganz bestimmte Soundrichtungen und hat von daher sicher auch mein Songwriting beeinflusst.»

Zum zweiten fällt der transparente Bandklang auf, der ohne Firlefanz, Synthies und Effekte auskommt. Im Hinblick auf spätere Konzerte wurde lediglich eine Rhythmusgitarre zusätzlich aufgenommen, die live vom Alvin-Zealot-Gitarristen Jeremy gespielt werden wird. «Wir wollten wirklich auf dem Trio aufbauen und haben das Ganze deshalb so reduziert wie möglich gehalten.»

Realistisch

Vor allem aber: «Uns war wichtig, das Album so aufzunehmen, dass wir es live noch würden toppen können.» Ein weiser Entscheid eingedenk all jener Bands, die sich im Studio voll plustern lassen und dann live kläglich wirken. Der schlanke Sound von Weekend Phantom generiert nicht die fetten Hymnen, die den Indie-Pop oft so dröge machen, entwickelt aber dennoch einen guten Schub und gefällt mit schönen Gitarrenlicks.

Weekend Phantom sind realistisch genug, um den früher stärker gehegten Traum, vielleicht einmal von der Musik leben zu können, auf Sparflamme zu halten. «Die Musikindustrie ist extrem eingebrochen. Zudem bewegen wir uns in einem randständigen Genre.» So zugänglich und melodisch ihre Songs sind, in die normale Rotation von DRS 3 schaffen sie es trotzdem nicht. Er ist halt trotzdem zu «indie».

So besinnt sich die Band auf das, was sie am Leben hält: die Lust am Spielen. Jetzt freuen sie sich, ihr erstes Album vorzustellen, an dem sie zwei Jahre gearbeitet haben. Mehrere Gigs sind bereits geplant, weitere folgen. Kusi: «Wir werden alles daransetzen, mit guten Konzerten zu überzeugen. Schliesslich haben wir nichts dagegen, uns zumindest in der Schweiz einen guten Namen zu machen.»