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ROCK: Songs, auf die man sich (nicht) verlassen kann

Die Musik ist schon im Herbst erschienen, gefeiert wird erst jetzt: Hanreti laden an drei Abenden zu ihren Album-Release «Deep Sea Dream» ins Neubad.
Die Luzerner Band Hanreti mit (von links) Timo Keller, Mario Hänni, Rees Coray und Jeremy Sigrist. (Bild: PD)

Die Luzerner Band Hanreti mit (von links) Timo Keller, Mario Hänni, Rees Coray und Jeremy Sigrist. (Bild: PD)

Vor einem Jahr erschien mit «Cuetrigger» das zweite Album von Hanreti, das den Ideenreichtum und die bunten Einflüsse dieser Band aufzeigte. Zugrunde lag eine Sammlung von über hundert Songskizzen, die der Produzent Timo Keller meist aus eingespielten Beats und Samples von befreundeten Schlagzeugern angefertigt hatte.

Daraus entwickelten Schlagzeuger Mario Hänni, Bassist Rees Coray, Gitarrist Jeremy Sigrist sowie Produzent Timo Keller als Gitarrist und Sänger in einem Work-in-progress-Prozess ihr Werk, das sie dann auch live über die Bühne brachten. Mario Hänni ist einer der innovativsten Schlagzeuger der jungen Schweizer (Jazz-)Generation (Trio Heinz Herbert, Rio, Pablo Nouvelle). Bassist Rees Coray spielt mit Solem und Sleepyhouse, Jeremy Sigrist war Gitarrist von Alvin Zealot und spielt neuerdings bei Yser.

Hanreti sind ebenso ein Studioprojekt wie eine Live-Band. Das und die Tatsache, dass hier alles sehr versierte und tüftelnde Musiker am Werk sind, macht Hanreti zu einer vielversprechenden Band, die immer wieder für Überraschungen gut ist. So verändern sich ihre Songs mit jedem Live-Auftritt und kommen immer wieder neue dazu. Songs sind für Hanreti Material, das geformt und entwickelt wird. Wieder ganz anders werden die Songs klingen, wenn Hanreti im April an den Stanser Musiktagen mit einem 30-köpfigen Chor auftreten.

Inzwischen liegt mit «Deep Sea Dream» bereits das dritte Album in drei Jahren vor. Eine ­beeindruckende Produktivität, die bis jetzt nicht Schaden gelitten hat. Motor des Unternehmens ist immer wieder Timo Keller, der an seinem Analogmischpult die eingespielten Songs weiterformt und auch als Gitarrist, Sänger und Songschreiber den Sound stark mitprägt. Ursprünglich im Hip-Hop beheimatet, hat Keller erst vor ein paar Jahren begonnen, den klassischen Kanon von Rock, Folk, Soul und Jazz für sich zu entdecken und sich davon inspirieren zu lassen.

Der Geist des Eigentümlichen

An der seelenvollen Bastard-Musik von Hanreti, wie sie nun auch auf «Deep Sea Dream» zu hören ist, scheint nichts genuin und neu erfunden zu sein. Dennoch ist alles eigen und schwebt der Geist des Eigentümlichen durch die Lieder. Einflüsse aus altem Rock, Folk, Country, Soul und Hip-Hop werden aus dem musikalischen Universum gezupft und zu Songs verarbeitet, bei denen man immer mal wieder an den Musiktransformator Beck denken muss. Den Songs ist bei aller Unbeschwertheit eine latente Unberechenbarkeit eigen. Das hält die Aufmerksamkeit wach.

Extreme Portion Entspanntheit

Das aktuelle Album «Deep Sea Dream» gewinnt an musikalischer Kraft und Ideen, je länger es dauert. Zu den Höhepunkten zählen der an «Masters of War» von Dylan angelehnte Track «Masters of Fear», die aufgerauten Songs «Room With A View» und «Paper Age», die Single «Songbird», die uns an den Folk-Kosmos von Devendra Banhart erinnert, oder «Marie» mit seinem coolen Groove. Die zärtlich-verschwörerische Stimme von Keller, die hintergründige Gitarrenarbeit von Sigrist, das melodische Bassspiel von Coray und Hännis Rhythmusfundamente werden mit musikalischer Übersicht und einer extremen Portion Entspanntheit auf die Songlinie gebracht.

Eine Gemeinschaftsarbeit sind auch die Texte: Die lautmalerischen Ursprungsskizzen von Timo Keller wurden von Bela Rothenbühler zu Songzeilen verschärft. Drei Figuren wandeln durch die Texte und inspirieren die Atmosphäre der Songs: Poncho, der traurige Wüterich. Rambler, der Fantast und Wanderer. Und Marie, die warme Weltumarmerin. Da wurde viel gepröbelt, verworfen, ausprobiert und geschliffen. Offenheit und Zusammenarbeit gehen bei dieser Band Hand in Hand: Es ist dieser Flow, den Hanreti hervorragend aufnehmen und zum Klingen bringen können.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Hanreti: Deep Sea Dream, Little Jig. 25./26./27. Januar, 21 Uhr: Plattentaufe im Neubad Luzern.

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