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ROCK: «Wir Männer sind oft einfach Idioten»

Heute treten Kiss im Hallenstadion auf. Wir sprachen mit Gene «Die Zunge» Simmons (65) über Groupies und Ehe, Protein und Dessert sowie späte männliche Reife.
Scheinbar alterslose Rockstars, natürlich nicht zuletzt dank der Schminke: Kiss mit Tommy Thayer, Paul Stanley, Gene Simmons und Eric Singer (v. l.). (Bild: PD)

Scheinbar alterslose Rockstars, natürlich nicht zuletzt dank der Schminke: Kiss mit Tommy Thayer, Paul Stanley, Gene Simmons und Eric Singer (v. l.). (Bild: PD)

Interview Reinhold Hönle

Gene Simmons, Sie sprechen ein wenig Deutsch. Wie kommt das?

Gene Simmons: Well, wenn man nach Deutschland oder in die Schweiz kommt und die «Fräuleins» trifft, muss man Deutsch können! (lacht) Ich habe ein wenig auf der Schule gelernt, aber ich kann auch Ungarisch, Hebräisch, ein bisschen Japanisch. Aber jetzt wechseln wir auf Englisch, okay?

Gerne. Sie waren ursprünglich Lehrer, sind aber Musiker geworden. Verbindet die beiden Berufe etwas?

Simmons: In beiden Berufen steht man quasi auf einer Bühne. Nur erhältst du als Lehrer selten Applaus und verdienst auch nicht viel Geld. Ich hingegen bekomme viel Geld, Ruhm und Mädchen. Lehrer sind selbstlos. Sie machen ihren Job, weil sie etwas zurückgeben wollen. Lehrer sind viel wichtiger als Rockstars, denn seien wir ehrlich: Wenn es uns nicht gäbe, würde sich die Welt kaum verändern. Wenn wir keine Lehrer hätten, würde die Welt im Chaos versinken.

Hat Kiss auch eine Botschaft?

Simmons: Kiss ist eine sehr einfache Sache. Es geht um Genuss. Schule ist quasi wie Gemüse, Proteine und alle die anderen Dinge, die einem gut tun. Dagegen ist ein Kiss-Konzert wie eine grosse Portion Dessert! (lacht)

Viele Bands zerbrechen an Streitigkeiten unter den Hauptpersonen. Wie funktioniert die Chemie zwischen Ihnen und Sänger Paul Stanley?

Simmons: Wir lernen aus den Fehlern anderer und haben beobachtet, wie sich die engsten Freunde Jagger und Richards manchmal streiten. Wie sich Lennon und McCartney, die zusammen aufwuchsen, gegeneinander wendeten. Wie die Gallagher-Brüder von Oasis sich hassten oder Ray und Dave Davies von den Kinks. Deshalb respektieren wir die Tatsache, dass wir beide dasselbe wollen, aber unterschiedlich sind.

Sie stehen auch privat auf Kontinuität. Aber weshalb haben Sie Ihre Frau (Schauspielerin Shannon Tweed, Anm. d. Red.) erst nach 29 Jahren Beziehung geheiratet?

Simmons: Als unsere Kinder Nick und Sophie 2011 ausgezogen sind, schauten Shannon und ich uns an. Ich sagte: «Okay, jetzt sind es nur noch du und ich. Was willst du tun?» Sie antwortete: «Ich glaube, ich habe genug davon, immer nur die Freundin zu sein. Vielleicht ist es für uns Zeit, eigene Wege zu gehen.» Da habe ich realisiert, dass wir Männer oft einfach Idioten sind und lange brauchen, bis sie merken, dass das Leben leer wäre, wenn sie der Mensch, den sie lieben, verlassen würde. Das Geld, der Ruhm, die Mädchen haben dann nicht viel Bedeutung. Hier steht die Frau, die 29 Jahre lang an meiner Seite geblieben ist, ohne mich je wegen irgendetwas unter Druck gesetzt zu haben. Da habe ich mit offenen Augen beschlossen, Shannon zu heiraten.

Wie haben Sie es geschafft, trotz Ihres Erfolgs Bodenhaftung zu bewahren?

Simmons: Ich bin in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Meine Mutter und ich kamen aus Israel in die USA, als ich acht Jahre alt war. Mein Vater hatte uns verlassen. Ich sprach kein Englisch, und wir hatten kein Geld. Der Anfang war sehr hart. Deshalb wollte ich meiner Mutter als ihr einziges Kind nie das Herz brechen und habe bis heute nie Drogen genommen, mich betrunken oder auch nur geraucht. All diese Dinge verändern den Menschen, wie in «Dr. Jekyll und Mr. Hyde». Ich weiss das, da ich von Leuten umgeben bin, die dumme Dinge tun, die sie nüchtern niemals machen würden.

Sie sind 65 und leben intensiv. Wollen Sie in dem Tempo weitermachen?

Simmons: Ich möchte sogar noch härter arbeiten! Rennt man einen Marathon, wie das Leben einer ist, will man dann auf den letzten Kilometern langsamer werden oder noch einmal richtig Gas geben?

Welche Stars haben Sie so mitgerissen, als Sie ein Teenager waren?

Simmons: Als ich die Beatles zum ersten Mal in der «Ed Sullivan Show» sah, war ich 13 Jahre alt und fand, dass sie seltsame Frisuren hätten. Doch als meine Mutter die gleiche Meinung äusserte, fand ich die Beatles cool! Als ich dann herausfand, dass alle Mädchen wegen ihnen kreischten und sie keine anderen Jobs machen mussten, dachte ich: Das will ich auch!

Haben Sie erreicht, was Sie sich gewünscht haben?

Simmons: Fast alles. Leider könnte ich niemals einen Song wie «Across the Universe» schreiben, wie das John Lennon getan hat. Nicht einmal, wenn man mir eine Pistole an den Kopf halten würde. Beatles-Kompositionen sind in einer ganz anderen Liga. Dazu stehe ich. Alles andere wäre unehrlich.

Mit den Rolling Stones verbindet Sie Ihr Markenzeichen, die Zunge. Welches ist die verrückteste Geschichte, die Sie je darüber gehört haben?

Simmons: Eines der ältesten Gerüchte war, dass meine Zunge von einer Kuh stammen würde und ich sie mir operativ habe annähen lassen. Was für ein Bullshit!

Hinweis

Gene Simmons kam 1949 als Chaim Witz zur Welt. Seine ungarisch-jüdischen Eltern waren vor dem Holocaust nach Israel geflüchtet. 1973 gründete der Bassist und Songschreiber mit Gitarrist Paul Stanley die Gruppe Kiss. Sein Künstlername ist von Hollywood-Star Jean Simmons inspiriert. Kiss verkauften über 100 Millionen Alben mit Hits wie «I Was Made For Lovin’ You». Heute treten Sie im Zürcher Hallenstadion auf: www.hallenstadion.ch

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