Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Musical-Premiere: Rolf Knies Geschenk an den Zirkus

Im Knie-Musical in Dübendorf überzeugen die Zirkus-Performances mehr als der musikalische Teil. Das Programm ist aber ein Feuerwerk aus zwei Welten.
Alice Guldimann
Ein Musical als Feuerwerk aus zwei Welten. (Bild: Walter Bieri/Key)

Ein Musical als Feuerwerk aus zwei Welten. (Bild: Walter Bieri/Key)

Er hat sich Grosses vorgenommen: Innerhalb dreier Jahre ­wollte Rolf Knie die bewegte, 200-jährige Geschichte seiner Familie auf die Bühne bringen. Als Musical-Spektakel, gepaart mit Zirkus-Elementen. Am Dienstag war es nun so weit: Knie präsentierte sein Werk einem prominent besetzten Premierenpublikum. Die Leute würden ­lachen und weinen, versprach Knie im Voraus. Musical-Fans würden genauso auf ihre Kosten kommen wie Zirkus-Begeisterte. «Es werden Welten aufeinanderprallen.»

Dunkle Kapitel der Knies

Die Zuschauer auf dem Air Force Center in Dübendorf lernen als erstes Friedrich Knie kennen, den Begründer der Zirkus-Dynastie. Um Artist zu werden, sagt er sich von seinem Vater los, dem Leibarzt der Kaiserin von Österreich. Schon in dieser ersten Szene zeigt sich, was Rolf Knie mit seinen Ankündigungen meinte: Ein schwebender Flügel, der sich mitsamt dem Pianisten kopfüber dreht, gehört nicht zum klassischen Musical-Repertoire. Das ist Zirkus pur. Darsteller und Artisten liefern eine Show ab, die sich sehen lässt. Spektakuläre Zaubertricks, Hochseil-Artisten, Jonglier-Nummern über das Publikum hinweg. Dazu kommen eindrückliche Kostüme und rassige Tanz-Nummern.

Auf der Musical-Bühne ist viel Betrieb. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Auf der Musical-Bühne ist viel Betrieb. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Eine Gruppe von Artisten begleitet die Knie-Familie durch ihre ganze Geschichte: Der kleinwüchsige Pipo und das Showgirl Nina führen durch die Generationen. Vom Gründerpaar Friedrich Knie und Antonia Stauffer über Marie Knie und ihre Söhne, die sich im Jahr 1900 in der Schweiz niederliessen und auf Pump das erste Zirkuszelt kauften. Bis hin zu Fredy Knie Senior, der dafür sorgte, dass der Circus Knie nach einigen schwierigen Jahren in der Schweiz wieder einen Namen bekam. Die Stationen der musikalischen Reise sind überraschend gewählt und lassen auch die dunklen Kapitel der Familiengeschichte nicht aus.

Nicht alles ganz rund

Während die Inszenierung an Showeinlagen und Effekten vieles bietet, lässt sie musikalisch teilweise etwas vermissen. So wirken manche Texte wie zusammengewürfelte Sätze und Satzfragmente, die am Ende nicht ganz rund sein wollen. Auch die Figuren von Alexander Klaws (Friedrich Knie) und Judith Jandl (Antonia Stauffer) werden so ­wenig greifbar, und die beiden Künstler vermögen – obwohl sie sauber performen – nur wenig zu berühren. Positiv aufgefallen sind hingegen Opernsänger Florian Schneider als trauernder ­Vater Knie sowie die St. Gallerin Brigitte Oelke als die kämpferische Mutter Marie Knie, deren emotionale Auftritte im Gedächtnis bleiben. Ebenfalls beeindruckend war die Leistung von Nadja Scheiwiller als Showgirl Nina.

Viel Akrobatik im Air Force Center in Dübendorf. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Viel Akrobatik im Air Force Center in Dübendorf. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Zirkus überstrahlt Musical

Am Ende gibt es Standing Ovations. Bis auf einige kleine Pannen und ärgerliche Versprecher lief alles glatt. Rolf Knie hat etwas Neues gewagt und zwei Kunstformen miteinander verbunden. Entstanden ist ein unterhaltsames Programm aus zwei Welten, ein Feuerwerk auf der Bühne, das manchmal an Reizüberflutung grenzt. Und vielleicht spricht es auch für die Familie Knie, dass der Zirkus in diesem Fall heller strahlt als das Musical.

Air Force Center in Dübendorf, noch bis zum 3. Mai. Danach in Bern und Basel.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.