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ROMAN: Alex Capus über den sesshaften Odysseus

Mit «Das Leben ist gut» gelingt dem Oltener Alex Capus das wunderbar stimmige Porträt einer Liebe, die sich bescheiden gibt, aber gross ist.
Rolf App
Alex Capus (55) packt gewichtige Themen des Lebens in leichtfüssige Szenen. (Bild: Ayse Yavas, PD)

Alex Capus (55) packt gewichtige Themen des Lebens in leichtfüssige Szenen. (Bild: Ayse Yavas, PD)

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Es sind nur drei Zugstunden, und es sind nur ein paar Tage in der Woche, die Tina von Solothurn weg sein wird für ihren Lehrauftrag in Paris. Doch ihre vier Männer haben Mühe, diese Veränderung zu verkraften.

Die vier Männer, das sind ihre drei Söhne und Max, ihr Mann, der im Prinzip Schriftsteller ist, in Tat und Wahrheit aber eine Bar führt. Er hat diese Sevilla-Bar gerettet vor dem Abgerissenwerden, jetzt öffnet er sie jeden Tag für Freunde, Bekannte und Unbekannte. Weit oben hängt der Kopf eines beim Stierkampf zu Tode gekommenen Stieres, der Miguel gehört und in diesem Buch eine wichtige Rolle spielen wird, in dem sich vieles um Freundschaft und um die Liebe dreht.

Es ist ein leichtfüssiges, charmantes Werk von Alex Capus. Es tritt bescheiden auf, die wichtigen Themen des Lebens finden sich verpackt in kleine, locker hingeworfene Szenen aus dem Alltag dieses Barbesitzers, der sich seine Gedanken macht über sich, die Menschen und die Welt. Es liegt wohl nahe, in Max den Schriftsteller selber zu erkennen.

Tina ist weg

Am Beginn steht ein Gefühl der Leere. Tina ist weg, Max begleitet seine Söhne an die Tür, fährt das Altglas zur Sammelstelle und fragt sich, wo Tina gerade ist. Er fährt durch seine Stadt, sieht all die Veränderungen und mustert das kleine Häuschen seiner Bar. Er mag Dinge, die bleiben. Und auch er bleibt gerne, was und wo er ist. Ein kleiner Mensch mit grossen Träumen hat die Sevilla-Bar gebaut. Beim zweiten Stockwerk ist ihm das Geld ausgegangen, die spanischen Immigranten haben sie entdeckt und zu ihrem Treffpunkt gemacht. Bis sie, alt geworden, zurück in ihre Heimat gingen und das Haus an verkehrsreicher Lage zum Verkauf stand.

Max, überzeugt davon, dass man seine Freunde nicht nur bei Facebook haben sollte, hat zugegriffen. Jetzt kommen alte Freunde vorbei, oder er lernt neue kennen. Alte wie Miguel, der ihm den Stierkopf verkaufen will, allerdings zu einem weit übersetzten Preis. Denn Miguel braucht Geld, um sein Haus zu sanieren. Neue wie Tom Stark, der im Schlepptau seines alten Chemielehrers auftaucht. Tom lebt in Florida bei den Alligatoren und war in Vietnam.

Max, der Rudelhund

Nach Florida, in die Everglades, würde sogar Max gerne einmal reisen, dieser sesshafte Odysseus. Doch vorher fährt er nach Mannheim, dort wartet ein neuer, express angelieferter Stierkopf auf ihn. Den alten hat er bei Miguels Frau abgeliefert, die ihn dafür beschimpft hat. Später versteht er, warum. Er hätte warten und Miguel Zeit geben sollen. Das hätten die Gesetze der Freundschaft verlangt.

Bald wird Tina zurückkehren aus Paris. Soll er sie am Bahnhof empfangen? Mit Blumen gar? Aber nein, sie mag das Pompöse nicht. Ausserdem, sie würde es als versteckten Vorwurf empfinden. Lieber als über die Liebe reden sie am Telefon über den Hund, den der kleinste der Söhne gerne will.

Max aber will nicht, obwohl er Tiere sehr gern hat. Da sagt Tina zu ihm: «Du bist ein Rudelhund, dessen Lebenszweck darin besteht, mit Welpen zu balgen und mit Kumpels zu blödeln.» Noch etwas fügt sie hinzu: Dass er keinen Hund will, weil der vor ihm sterben würde. Dass er sich deswegen Kinder zugelegt hat und eine Frau, die zehn Jahre jünger ist. «Du fürchtest dich vor dem Verlassensein.»

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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