ROMAN: Als Christen in Japan brutal verfolgt wurden

Starregisseur Martin Scorsese war von diesem Buch so fasziniert, dass er es gerade verfilmt hat. Nun erscheint «Schweigen» in einer neuen deutschen Übersetzung.

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Szene aus der Romanverfilmung «Schweigen», die nächstes Jahr in die Kinos kommt (links Andrew Garfield als Pater Rodrigues). (Bild: PD)

Szene aus der Romanverfilmung «Schweigen», die nächstes Jahr in die Kinos kommt (links Andrew Garfield als Pater Rodrigues). (Bild: PD)

Arno Renggli

Der japanische Autor Shusako Endo (1923–1996), selber ein Christ, hat «Schweigen» bereits 1969 verfasst. Es ist ein Roman, der einfährt, bewegt, irritiert und lange nachhallt.

Es ist das Jahr 1638: Eigentlich hat die katholische Kirche in Japan erfolgreiche Jahrzehnte hinter sich, Hunderttausende Japaner sind zum Christentum übergetreten, die Missionare willkommene Gäste bis in die obersten Kreise. Bis jetzt. Doch der Wind hat sich gedreht, ein neues Regime hat beschlossen, den katholischen Glauben aus Japan zu vertreiben, und tut dies mit brutalsten Mitteln. So werden Christen unter Folter zur Abkehr vom Glauben gezwungen.

Härte und Tiefe

Der junge portugiesische Pater Rodrigues bricht mit einem Ordensgefährten nach Japan auf. Sein berühmter Lehrmeister soll dort nach langer Folter dem Christentum abgeschworen haben, was Rodrigues nicht glauben will. In Japan angekommen, erleben die Missionare die unmenschliche Verfolgung unmittelbar. Verzweifelt versuchen sie, japanischen Katholiken spirituellen Halt zu geben, müssen sich aber verstecken. Und die schwerste Prüfung steht Rodrigues noch bevor: nach seiner Verhaftung.

Shusako Endo erzählt die Geschichte mit schonungsloser Härte, gleichzeitig mit psychologischem Tiefgang. Neben der körperlichen wird auch die spirituelle Not von Pater Rodrigues immer grösser, mehr und mehr stellt er sich die klassische Frage der Theodizee: Wie kann Gott dieses Elend, diese Grausamkeit gegenüber den Seinen zulassen. Und dazu schweigen, wie es Rodrigues in tiefster Not und Einsamkeit erlebt und worauf sich der Buchtitel bezieht.

Der Anspruch des Christentums

Der Roman schlägt Brücken zu Jesus, der dieses Schweigen auch erlebte. Und mittels einer stets auftauchenden Figur wird auch die Judas-Thematik angesprochen. Trotz aller Grausamkeit der Verfolger stellt der Autor auch die Frage: Kann das Christentum einfach für sich in Anspruch nehmen, die alleinige Wahrheit zu besitzen und diese um jeden Preis in einer ganz anderen Kultur durchsetzen zu dürften? Die Religiosität der Hauptfigur etwa hat zwar etwas tief Berührendes, aber in ihrer Unbedingtheit auch etwas Irritierendes.

Es ist ein grosser Roman, von weltliterarischem Format. Kein Wunder, hat sich Martin Scorsese jahrelang für eine Verfilmung dieses nicht gerade kommerziellen Stoffes eingesetzt. Dieses Jahr konnten die schwierigen Dreharbeiten, bei denen es auch einen tödlichen Unfall gab, abgeschlossen werden.

Shusaku Endo: Schweigen. Septime, 310 Seiten, Fr. 31.90.