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ROMAN: Celeste Ng offenbart nach und nach ein Familiendrama

Die US-Autorin Celeste Ng zeichnet in ihrem Debüt das verstörende Porträt einer Familie. Sie erzählt von Erwartungen, Ängsten und Vorurteilen, die Leben zerstören. Aber auch von Hoffnung.
Celeste Ng hat mit ihrem Erstling einen weltweiten Erfolg gelandet. (Bild: PD/Kevin Day Photography)

Celeste Ng hat mit ihrem Erstling einen weltweiten Erfolg gelandet. (Bild: PD/Kevin Day Photography)

Wolfgang Hauptmann, APA

Die 2014 auf Englisch erschienene und nun sehr behutsam ins Deutsche übertragene Geschichte wurde mehrmals, etwa als Amazon-Buch des Jahres, ausgezeichnet. Vermutlich auch deshalb, weil es Celeste Ng (ausgesprochen: Ing) gelungen ist, Klischees und Generalschuldzuweisungen zu vermeiden.

Die geschilderte Situation ist komplex, aber gut nachfühlbar und konsequent zu Ende erzählt. Man kann «Was ich euch nicht erzählte» den literarischen Thrillern zuordnen, aber das Genre Drama trifft vielleicht noch besser zu.

Ein Mädchen ertrinkt

Ohio in den 70er-Jahren: In einer Kleinstadt ertrinkt ein Mädchen aus einer amerikanisch-chinesischen Familie in einem See. Für die Polizei steht fest: Es handelt sich um Selbstmord. Aber stimmt das? Zunächst deutet wenig in der Familie auf schwelende Konflikte und Tragödien hin. Doch je mehr Ng die Leser am Leben des Vaters, der Mutter und der drei Kinder teilnehmen lässt, desto dunklere Wolken ziehen auf.

Die Autorin springt zwischen den Perspektiven der Hauptfiguren und verschiedenen Erzählzeiten hin und her, immer wieder blickt sie zurück, um den Nährboden für schwerwiegende Probleme deutlich zu machen, und rollt so die Ereignisse auf.

Verfilmung in Vorbereitung

«Die Dinge, die wir nicht sagen, nagen oft an uns. Sei es, weil wir sie nicht ausgesprochen haben oder weil der andere uns nicht angehört hat, obwohl er es wirklich sollte», sagte die Autorin, deren Buchdebüt mittlerweile in 20 Sprachen übersetzt wurde. So leben die Familienmitglieder im Roman trotz aller Liebe und Wertschätzung aneinander vorbei, drehen sich in einer Spirale von Erwartungshaltung, gescheiterten Plänen und nicht zuletzt der Ressentiments, die Menschen mit Migrationshintergrund entgegengebracht werden. Die Probleme kommen von innen und aussen, stehen in Wechselwirkung und werden über Generationen «vererbt».

Ng erzählt sehr viel auf vergleichsweise wenig Seiten; präzise und dicht. Vieles liest man zwischen den Zeilen. Die Erzählstränge sind wunderbar schlüssig ineinander verwoben, die Psychogramme der Figuren fundiert angelegt. Und die Atmosphäre berührt einen gerade wegen der nüchternen Erzählweise. Ob da die sich bereits in Arbeit befindende Verfilmung an Intensität mithalten kann, bleibt abzuwarten.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte. dtv, 288 Seiten, ca. Fr. 29.–.


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