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ROMAN: Ein Gewaltausbruch, der alles verändert

Der Luzerner Beat Vogt (45) zeigt in seinem Erstling, wie das Leben von vier Menschen durch eine einzige Situation auf den Kopf gestellt wird. Bei den einen unmittelbar, bei anderen erst später so richtig.
Arno Renggli
Am Anfang das Ende: Beat Vogt hat seinen ersten Roman raffiniert aufgebaut. (Bild: PD)

Am Anfang das Ende: Beat Vogt hat seinen ersten Roman raffiniert aufgebaut. (Bild: PD)

Die Bewertung eines Buches ist ja immer auch Geschmacksache. Halbwegs objektiv kann man vielleicht die sprachliche Qualität und formale Sorgfalt beurteilen. Hier lassen gerade Newcomer öfters Mängel erkennen.

Nicht so der Luzerner Beat Vogt, der als Redaktor bei Radio DRS tätig ist. Sein Erstling ist handwerklich tadellos gemacht. Dieser ist erfreulicherweise im kleinen Hitzkircher Verlag Edition Bücherlese erschienen, der pro Halbjahr nur wenige Titel herausbringt, diese dann hochwertig gestaltet und produziert.

Beat Vogt beginnt die Handlung mit dem Ende. Die Studentin Eva beendet mit einem unwiderruflichen «Es ist aus» die Liebesbeziehung zu ihrem Professor. Mit diesem war sie an einer Forschungsarbeit, die aufzeigen sollte, dass unsere Justiz Ausländer für das gleiche Vergehen härter bestraft als Schweizer.

Das zweite Paar im Roman sind Chris und Maya. Nach einem Konzertbesuch geschieht etwas Unfassbares: Chris lässt sich von einem jungen Mann provozieren, packt eine herumliegende Eisenstange und schlägt auch dann noch auf sein Opfer ein, als dieses längst am Boden liegt. Der Mann wird sein Leben lang den Rollstuhl brauchen, Chris muss ins Gefängnis. Maya versucht, über die wöchentlichen Besuchszeiten die Beziehung aufrechtzuerhalten. Doch Chris zieht sich emotional immer mehr zurück.

Gegenüber Freunden und ihrer kleinen Tochter ziehen die zwei ein Lügengebilde auf: Chris sei auf einem längeren Selbstfindungstrip in Nepal. Aus dem Gefängnis schreibt er seiner Tochter Mails, in denen er von erfundenen Erlebnissen in Nepal erzählt.

Während der eine Handlungsstrang sich vornehmlich auf die Entfremdung von Chris und Maya konzentriert, schildert der andere rückblickend, wie die Beziehung zwischen Eva und ihrem Professor startet, sich entwickelt und kaputtgeht, als Eva im Rahmen des Projektes etwas über ihre eigene Familie herausfindet.

Gelungenes Puzzle mit kleinem Verwirrspiel

Beat Vogt hat den Aufbau des Romans mit den Wechseln der Handlungsebenen und -zeiten gut durchdacht. Die Dramaturgie passt, Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen. Wobei man irgendwann schon merkt, worauf der Gesamtzusammenhang hinausläuft. Vielleicht war es dem Autor nicht so wichtig, diese Spannung bis ganz zum Ende durchzuziehen. Dass er es aber durchaus darauf anlegt, die Auflösung hinauszuzögern, beweist ein kleines Verwirrspiel mit den Vornamen der Figuren.

Interessanterweise wird nie geklärt, wieso gerade Chris den «Aussetzer» hatte. Will Vogt andeuten, dass jedem so etwas passieren könnte? Das wäre zumindest diskutabel. Statt mit den Ursachen befasst er sich mit den Folgen. Und zeigt eindrücklich, wie schwer sich ein Einzelereignis kurz- und langfristig auf verschiedene Menschen auswirken kann.

Erzählerisch könnte man vielleicht gewisse Redundanzen bei den geschilderten Gedankengängen der Figuren kritisieren. Wobei Gedanken ja auch in der Realität meistens repetitiv sind. Nicht zu den Stärken des Romans gehören die mit der Zeit länglichen Mails von Chris an seine Tochter.

Darüber hinaus aber besticht das Buch durch Form und Inhalt. Letzterer besteht auch in der Erkenntnis, dass Schuld und ihre Sühne sich irgendwann dem Justizsystem entziehen. «Es gibt keine Gerechtigkeit», sagt Eva einmal. «Es gibt höchstens Gerechtigkeiten. Immer wieder andere, für immer wieder andere Fälle, Personen, Schicksale.»

Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Beat Vogt: Der Aussetzer. Edition Bücherlese. 253 S., Fr. 32.–.

Vernissage mit Lesung: morgen Mittwoch, 20 Uhr, Neubad Luzern.

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