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ROMAN: Liebeserklärung an britische Lebensart

Eine junge Schweizerin arbeitet als Hotelangestellte in England. Sehr authentisch wirken die Ereignisse im Buch der Innerschweizer Autorin Margrith Bohren. Kein Wunder, denn sie hat diese zum guten Teil selber erlebt.
Arno Renggli
Die heute in Küssnacht lebende Margrith Bohren (75) hat in jungen Jahren selber in England gelebt und gearbeitet. (Bild: PD)

Die heute in Küssnacht lebende Margrith Bohren (75) hat in jungen Jahren selber in England gelebt und gearbeitet. (Bild: PD)

Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

Margrith Bohren liebt Gross­britannien und insbesondere England. Schlicht und ergreifend. Eine Liebe, die schon in der Jugend begann: Als Tochter einer Hoteliersfamilie in Grindelwald kam sie mit britischen Touristen in Kontakt. Und sie vertiefte diese Liebe, als sie ein Jahr lang im ­Süden England lebte und arbeitete. Auch in einem Hotel. Wie ihre Charlotte, die junge Protagonistin ihres Romans.

Würde man dies nicht wissen, wäre es doch bei der Lektüre offensichtlich. Der heute 75-jährigen Margrith Bohren, die seit einem halben Jahrhundert in der Innerschweiz lebt, geht es nicht um spannungs­geschwängerte Fiktion. Und daher weniger um Action, um eine durchkomponierte Handlung mit einem zwingenden Spannungsbogen. Vielmehr erzählt sie verschiedene Geschichten, deren Fäden aber natürlich zusammenhängen und durch die Protagonistin verbunden sind. Anhand der Detailliebe und Glaubwürdigkeit, mit welcher sie Episoden und vor allem auch die auftretenden Figuren schildert, ist klar, dass vieles davon tatsächlich erlebt worden ist.

Eigenständigkeit paart sich mit Weltoffenheit

Margrith Bohren räumt das ein, ohne dass sie sich allzu sehr in die Karten gucken lassen will, was nun tatsächlich so passiert ist und wo doch schriftstellerische Freiheit ergänzt hat. Es spielt auch keine Rolle. Man kriegt in den total sechs Kapiteln ein gesellschaft­liches Bild Englands der 50er- und 60er-Jahre geboten.

Ein Bild, das heute nicht mehr ganz der Realität entspricht? Bohren selber findet, dass der britische Way of Life vielleicht etwas diffuser und heterogener geworden ist. Aber in seinen Grundzügen auch heute noch gilt. «Es ist diese Mischung aus Distanziertheit und Herzlichkeit, aus insularer Eigenständigkeit und Weltoffenheit, die mich auch heute noch fasziniert», sagt sie. «Hinzu kommt eine ganz ­besondere Tradition und eine Kultur, die in manchen Bereichen sogar tüchtig unterschätzt wird. Wenn ich etwa ans Essen denke.»

Eine Geschichte, die im Zweiten Weltkrieg startet

Im Zentrum der Texte stehen klar die Figuren. So etwa das Hotelfaktotum Curry, mit dem sich Charlotte einen täglichen Kleinkrieg liefert, bis sie den Mann dazu bringt, ihr seine berührende Lebensgeschichte zu offenbaren. Solche Exkurse zu einzelnen Personen gibt es im Text öfter.

Ein Highlight ist die Titel­story «Der stille Engländer» über den Vater des in England lebenden Italieners Max. Dieser Vater war im Zweiten Weltkrieg als britischer Soldat in Sizilien gelandet, half bei der Ernährung von Waisenkindern und verliebte sich in eine junge Sizilianerin. Sie konnten nicht zusammenbleiben. Und das Kind, das der Verbindung entsprang, eben besagter Max, entrang seiner Mutter erst viel später, wer sein Vater war. Auch das ist eine grösstenteils authentische Geschichte, die Bohren mit dem historischen Hintergrund versieht. Eine Art Rahmenhandlung des Buches ist Charlottes Freundschaft mit einem jüdischen Geschäftsmann, auch hier gibt es biografische Bezüge.

Immer wieder gelingt es Charlotte dank ihrer offenen Art, das Vertrauen von Menschen zu gewinnen. Was dann dazu führt, dass diese von sich erzählen. An diesem Buch, im Luzerner Pro ­Libro Verlag herausgekommen, wird Gefallen finden, wer solche Lebensgeschichten und Zeitzeugnisse mag. Und sich für die britische Kultur interessiert, die Margrit Bohren so begeistert. Hat sie eigentlich nie daran gedacht, auch länger in England zu leben. Die spitzbübisch diplomatische Antwort: «Natürlich war das auch mal ein Thema.»

Margrith Bohren: Der stille Engländer. Pro Libro, 242 S., Fr. 29.–. Nächste Lesung: 6. Juni (13 Uhr), Stadtbibliothek Zug. www.issv.ch

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