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ROMAN: Matthias Zschokke und die vielen Fallen des Alltags

Seine Helden sind unheilbare Melancholiker. So auch in Matthias Zschokkes neuem Buch. Glück besteht für die Hauptfigur darin, das Leben zu bewältigen, ohne sich und andere verrückt zu machen.
Beat Mazenauer, Sfd
Matthias Zschokke lässt aus der ganzen Trübsal des Lebens immer wieder auch Schalk aufblitzen. (Bild Dirk Opitz, PD)

Matthias Zschokke lässt aus der ganzen Trübsal des Lebens immer wieder auch Schalk aufblitzen. (Bild Dirk Opitz, PD)

Beat Mazenauer, SFD

«Die Wolken achtet Roman», so nannte er sich in der Hoffnung, mit dem Namen «Erfolg zu haben und glücklich zu werden», kaum. Er blickt lieber zu Boden, um überraschende Dinge zu entdecken und um den Blicken seiner Nachbarn auszuweichen. Er liebt es, unbehelligt zu bleiben, mit der Geliebten an seiner Seite.

Vielleicht gelänge das Glück auf diese Weise, stände ihm das eigene Älterwerden nicht im Weg. Zudem bedrängen ihn die eigene Mutter und der beste Freund ständig mit ihrer Lebensmüdigkeit. Er solle sie erlösen, bitten sie ihn inständig. Doch wie wäre das zu bewerkstelligen?

Schuhe drücken immer

Der Schweizer Matthias Zschokke (61) macht das gänzlich Unscheinbare und Unspektakuläre zu Literatur. Sein Held will nichts darstellen, er benötigt niemanden ausser Geliebter, Mutter und dem besten Freund. Die Schuhe halten Jahrzehnte, weil er Sorge trägt, auch wenn sie ihn drücken. Neue Schuhe täten dasselbe. Er weiss, man sollte kühn denken, doch es endete bisher immer in Skepsis und latenter Verzweiflung.

An den Menschen auf der Strasse entdeckt er Gesten und Ticks, die er aus dem Fernsehen kennt. Alle imitieren sie die Medien, weil sie glauben, das sei das Leben. So aber, weiss Roman, werden wir «zu Fälschern unserer selbst» – so lange, bis aus der Imitation vielleicht wieder ein gefälschtes Original wird.

Ein Stoiker im Alltag

Roman ärgert sich über Verhaltensweisen, die den seinen ähnlich sehen. Er trägt schwer an den Zumutungen des Alltags. «Das Schlimme ist, dass man selbst nichts ändern kann an seinem Leben.» Was sich wie ein Schatten der Tragik auf ihn legt, erhält durch die Schreibweise von Matthias Zschokke freilich schillernde Facetten.

In seiner linkischen Unbeholfenheit, die Wirklichkeit auszuhalten, erinnert Roman zuweilen an Figuren in Büchern von Janet Frame. Auch sie wälzen, einem Sisyphos gleich, mit stoischer Ruhe täglich den Stein, an dem sie sich eigentlich festhalten.

Das vergängliche Leben

Aus all der Trübsal blinzelt freilich immer wieder ein für Matthias Zschokke typischer Schalk hervor. Die Melancholie, die den Roman-Helden angesichts von Krankheiten, Altersbeschwerden und freiwilligem Aussenseitertum befällt, bewahrt unterschwellig etwas verschmitzt Befreiendes.

Zschokke versteht es, mit leichter Hand ein Minenfeld voll still explodierender Gedanken zu entwerfen. An den kleinsten Belanglosigkeiten macht sich unmerklich ein grimmiges Grübeln fest über die Vergänglichkeit, das Scheitern und das tägliche Wagnis, dennoch glücklich zu sein.

Ein Theater im Kopf

Roman verteidigt resolut sein Querdenken, gerade auch in seinen Arbeiten für den Film und das Theater. Er macht es dem Publikum nicht leicht, weil ihm jeglicher Sinn fürs Geläufige fehlt. Das neue Stück über einen Menschen namens Herzog scheitert allerdings daran, dass der hierfür vorgesehene Schauspieler mit Herzversagen von der Bühne abtritt.

So mündet Zschokkes Roman in einen theatralischen Konjunktiv, aus dem es kein Zurück gibt. Jener besagte Herzog würde ein Restaurant aufsuchen und hier eine Gruppe von gleich gesinnten Menschen treffen. Sie würden reden und einander langweilen – einzig die Temperatur veränderte sich nicht: «Es wäre kälter geworden.»

Matthias Zschokke: Die Wolken waren gross und weiss und zogen da oben hin. Wallstein, 220 Seiten, ca. Fr. 30.–.

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