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ROMAN: Sprache der Strasse abgehört

Marlon James’ preisgekröntes Buch «Eine kurze Geschichte von sieben Morden» taucht ins Jamaika der Siebzigerjahre ab und endet in den Kriegen der Drogensyndikate in den New Yorker Ghettos.
Daniel Fuchs
1976 in Kingston: Bob Marley mit den Politikern Michael Manley (links) und Edward Seaga (dritter von links). (Bild: Redferns/Getty)

1976 in Kingston: Bob Marley mit den Politikern Michael Manley (links) und Edward Seaga (dritter von links). (Bild: Redferns/Getty)

Daniel Fuchs
kultur@luzernerzeitung.ch

Am 3. Dezember 1976 wird auf Bob Marley ein Attentat verübt. Sieben bewaffnete Männer dringen ins Haus des Sängers ein. Der erste Superstar der Dritten Welt wird angeschossen. Die Tat nie aufgeklärt. Jamaika wird zu dieser Zeit politisch durch ein Zwei-Parteien-System bestimmt. Die Anhänger der rechtsgerichteten Jamaica Labor Party (JLP) und die sozialdemokratische People’s National Party (PNP) bekämpfen sich. Das Land ist gespalten. Es herrscht Krieg in den Ghettos von Kingston. Marley kann trotzdem am geplanten Friedenskonzert «Smile Jamaica» auftreten. Es kommt auf der Bühne zum legendären Handschlag der beiden Parteileader Edward Seaga und Michael Manley. Das Attentat auf Marley ist der Ausgangspunkt des Romans von Marlon James.

Wer in Kingston siegt, gewinnt in Jamaika

So kurz, wie der Buchtitel ver­muten lässt, ist «Eine kurze Geschichte von sieben Morden» nicht. Im Vorspann des achthundertseitigen Romans ist hilfreicherweise das ganze Personal aufgelistet. Aus vielen Stimmen entsteht ein Einblick in die politische Geschichte Jamaikas – eine Menge an Verschwörungstheorien inklusive. Raymond Clark aka Papa-Lo, Don der Gang Copenhagen City, und Roland Palmer aka Shotta Sheriff, Don der Gang Eight Lines, regieren in ihren Bezirken und werden von den entsprechenden Parteien un­terstützt. Ghetto-Kids wie Bam-Bam werden unter Koks gesetzt und zu Killermaschinen ausgebildet. Denn wer in West-Kingston siegt, siegt in Kingston und gewinnt dann in Jamaika.

Auch in den Vororten von Miami und den Ghettos von New York wird später in den Neunzigerjahren um die Vorherrschaft im Drogengeschäft gekämpft. Die jamaikanische «Storm Posse» gegen die jamaikanischen «Ranking Dons». Und das kolumbianische Medellín-Kartell will ebenfalls mitmischen. Josey Wales, ehemaliger Zögling von Papa-Lo, räumt im Norden auf brutalste Weise in einem Crack-Haus auf und sitzt dafür in Auslieferungshaft. Bob Marley ist längst an Krebs gestorben und nur noch eine schattenhafte Ikone, die Rasta-Karikatur.

Jamaikanischer Gegenwartsroman

1954 schrieb Roger Mais mit «Bruder Mensch» den ersten jamaikanischen Roman. Ein Klassiker, der die Rastafari-Bewegung literarisch beschrieb. Er verfasste das Buch zwanzig Jahre vor der Zeit von Bob Marley und dem Reggae-Mainstream. Sechzig Jahre später, bei Marlon James, ist dieses Damals bereits «Old Style». Ein Kollektiv von fünf Übersetzern hat sich darangemacht, den Sound des englischen Ori­ginals von James ins Deutsche ­herüberzubringen. «Eine kurze Geschichte von sieben Morden» bietet dem Leser eine Menge an Möglichkeiten, sich in den Text einzuklinken. Die Szenerien sind lebensecht, aus einer Menge an Recherchen im Milieu gespeist. Vieles ist der Sprache der Strasse abgehört. Literarisch ist das Hardcore, gnadenloser Rap. Es verwundert nicht, dass der 47-jährige Autor sich, auch wegen seiner Homosexualität, gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt sah und Jamaika verliess. Geschrieben hat James ein Meisterwerk.

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