«Romeo und Julia» am Luzerner Theater

Am Luzerner Theater hat der Choreograph Matjash Mrozewski Sergei Prokofjevs Ballett «Romeo und Julia» erarbeitet. Das Publikum bejubelte die sehr stimmige Aufführung.

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Bert Uyttenhove (Mercutio), Rachel Lawrence (Julias Amme), Davidson Farias (Romeo) (Bild: Ida Zenna / www.zenna.de)

Bert Uyttenhove (Mercutio), Rachel Lawrence (Julias Amme), Davidson Farias (Romeo) (Bild: Ida Zenna / www.zenna.de)

Sergej Prokofjevs Shakespeare-Ballett «Romeo und Julia» gehört zu den grossen Klassikern der Tanzbühne, denen sich jeder Choreograph mindestens einmal in seinem Leben stellt. Am Luzerner Theater zeigt der junge Kanadier Matjash Mrozewski als Uraufführung seine Version des Stücks; die Musikalische Leitung hat Michael Wendeberg.

Natürlich sind in Luzern mit seiner relativ kleinen Bühne und seinen 15 Tänzern die Voraussetzungen zum grossen Ausstattungsstück nicht gegeben. Mrozewski hat aus der Not eine Tugend gemacht und ein feines Kammerspiel erarbeitet.

Massenszenen und etliche Nebenfiguren sind gestrichen, darunter auch Romeos Vater und der Herzog von Verona. Das ergibt einerseits eine wohltuende Konzentration auf die Tragödie, andererseits wird deren gesellschaftlicher Hintergrund, die Familienfehde, nicht mehr sinnfällig.

Spannende Zweikämpfe

Mrozewski bemüht sich, die Geschichte jederzeit nachvollziehbar zu erzählen. Dafür fügt er kurze Szenen aus Shakespeares Tragödie ein, zeigt, wie Pater Lorenzo daran gehindert wird, Romeo zu warnen und wie Romeo das Gift für sich kauft.

Seine Choreographie verbindet einfallsreich neoklassische Elemente, etwa beim Ball im Hause Capulet, mit dem Bewegungsrepertoire des zeitgenössischen Tanzes. Er gibt jeder Figur klares individuelles Profil und zeichnet überzeugend die Entwicklung Romeos und Julias nach.

Während die Kampfszene zu Beginn noch etwas pauschal gelöst ist, füllt er die Zweikämpfe des zweiten Akts mit grosser Spannung. Die komische Figur der (hier noch sehr jungen) Amme charakterisiert er mit groteskem, nie billigem Humor und Rachel Lawrence gibt die Figur mit viel Witz.

Bühnenbild-Skizzen

Überhaupt tanzt in Luzern ein technisch versiertes, hochmotiviertes Ensemble ohne Schwachstellen. Chiara dal Borgo wirkt als Julia zunächst noch etwas verhalten, gibt der Figur aber zunehmend fragile Intensität.

Davidson Farias ist ein verträumter, dann zunehmend verzweifelter Romeo. Cecilia de Madrazo zeigt Gräfin Capulet mit eleganten klassischen Linien und packt in ihrer geradezu archaischen Trauer um den toten Neffen Tybalt.

Dominique Drillots Bühnebild zeigt im Hintergrund die Bleistift- Skizze einer mittelalterlichen Stadt. Skizzenhaft wirken auch die Gebäude-Fragmente aus Sperrholz, die rasche Szenenwechsel erlauben. Die Kostüme von Isabelle Lhoas wecken Assoziationen quer durch die Jahrhunderte und betonen so das Zeitlose der Geschichte.

Wendeberg dirigiert die Partitur in einer reduzierten Besetzung. Da fehlte es in der Premiere oft am instrumentalen Glanz und in der Balkonszene an poetischer Klangmagie. Nach der Pause allerdings steigerten sich der Dirigent und das Luzerner Sinfonieorchester zu mitreissender Leidenschaft.

Die Zuschauer reagierten begeistert. «Romeo und Julia» dürfte zum Publikumsrenner werden.

sda