Ron Wood – Der Puffer zwischen Jagger und Richards

Sex, Drugs, Rock ’n’ Roll und eine kürzliche Lungenoperation hat er gut überstanden. Am Freitag feiert der Rolling-Stones-­Gitarrist Ron Wood seinen 70. Geburtstag.

Uli Hesse (dpa)
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Ron Wood fand dank der Musik aus der Drogensucht heraus. (Bild: Keystone (16. September 2016))

Ron Wood fand dank der Musik aus der Drogensucht heraus. (Bild: Keystone (16. September 2016))

Seit 1973 hat Wood sich kaum verändert: dunkler, fransiger Schopf, enge Röhrenjeans, verschmitztes Grinsen. Nur seinem zerfurchten, holzschnittartigen Gesicht sieht man das halbe Jahrhundert Rockgeschichte an. Das erste Mal sah er die Stones 1964 beim Richmond Jazz and Blues Festival. Damals dachte er: «Eines Tages werde ich in der Band sein.»

Vom Roma-Kind zum Rockstar

Seit mehr als 40 Jahren ist Wood inzwischen Mitglied der Stones. Erst war er Angestellter mit Monatslohn und nicht selten pleite, weil er nur bezahlt wurde, wenn sie tourten. Seit 1993 ist er vollwertiges Mitglied mit Gewinnbeteiligung. Trotzdem gilt er immer noch als der «Neue».

Geboren am 1. Juni 1947 in der Nähe Londons, wuchs er in einer Roma-Familie auf – auf Schleppkähnen und in Sozialwohnungen. Mit neun spielte er Waschbrett in der Skiffleband seiner Brüder. Mit vierzehn fing Wood an zu trinken, in den 70er-Jahren griff er bereits zu mehreren Flaschen Guinness, Wodka und Sambuca pro Tag. Drogen kamen dazu. Entziehungskuren halfen immer nur eine Zeitlang.

Musik war seine Rettung. ­ Er spielte mit den Birds – der britischen Topband des Rhythm ’n’ Blues. Ende der 60er prägte seine Bassgitarre den Sound der Jeff Beck Group. Er spielte mit Bob Dylan und Eric Clapton, war mit Keith Moon (The Who), Bob Marley, Jimi Hendrix und Janis Jop­lin befreundet.

Künstler trotz Negativkritik

Als er bei den Stones landete, gehörte es zum Job, zwischen den Dauerstreithähnen Mick Jagger und Keith Richards zu schlichten. Am schlimmsten wurde es Ende der 80er, als es fast zum Bruch kam. Wood erinnerte sich, wie er Jagger zuredete: «Ruf Keith jetzt an und dann ruf mich in 15 Minuten zurück.» So etwas Gutes lasse er nicht einfach kaputtgehen.

Genauso wichtig wie Musik ist ihm die Kunst: Zwar verliess er vorzeitig das Ealing Art College, um bei den Birds einzusteigen. Doch seither malt und zeichnet er. Über die Qualität der Bilder sind sich selbst seine Freunde nicht einig, obwohl Werke schon für mehrere hunderttausend Pfund versteigert wurden.

Seine «sehr gute Freundin», die bekannte Künstlerin Tracey Emin, habe ihm gesagt: «Manche sind wirklich gut, und einige sind schrecklich.» Das hält ihn nicht davon ab, im Herbst einen Bildband mit seinen Werken herauszubringen. Ansonsten mag er es, für seine knapp einjährigen Zwillingstöchter Gracie und Alice aus seiner derzeitigen Ehe mit der 31 Jahre jüngeren Sally Humphreys (er hat zudem vier erwachsene Kinder aus früheren Beziehungen) zu zeichnen. Und ihnen etwas auf der Gitarre vorzuspielen.

Uli Hesse (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch