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SACHBUCH: Geheimnisvolles Gilberte-Lied

Vor 100 Jahren soll es entstanden und erstmals gesungen worden sein, das berühmte Lied «Gilberte de Courgenay». Und zwar von Entlebucher Soldaten. Dies belegt der Schüpfheimer Autor Franz Burgert nun sehr detailliert.
Bereits der Spielfilm «Gilberte de Courgenay» (1941 mit Annemarie Blanc) unterstützte die These, wonach Soldaten das berühmte Lied 1915 komponiert hatten. (Bild: Keystone)

Bereits der Spielfilm «Gilberte de Courgenay» (1941 mit Annemarie Blanc) unterstützte die These, wonach Soldaten das berühmte Lied 1915 komponiert hatten. (Bild: Keystone)

Arno Renggli

Es ist eines der bekanntesten Schweizer Lieder, mit einer umwerfenden Melodie und einem kongenialen Text, zweisprachig sogar: «La petite Gilberte de Courgenay», gewidmet einer charismatischen Kellnerin, die zum Soldatenidol wurde. Und die es tatsächlich gab: Sie wurde 1896 geboren, starb 1957 und erlebte somit noch den Hype um ihre Person und das Lied. Zudem war sie involviert in die schon früher ausgebrochenen Konflikte um die Urheberschaft des Liedes. Ja, sie hat sogar Einfluss genommen, um den wahren Komponisten zu ihrer Ehre zu verhelfen.

Eine Legende wird tangiert

Aber jetzt sind wir schon mitten in der spannenden Geschichte, die nun vom Schüpfheimer Autor Franz Burgert so detailreich wie nie zuvor just zum 100. Geburtstag des Liedes erzählt wird. Bereits vor einigen Jahren hatte er in einer früheren Publikation über «Gilberte de Courgenay» und die Autorenschaft des Liedes geschrieben. Nun legt er nach, mit neuen Details, Belegen und Überlegungen. Im Wissen, dass er damit auch dem Andenken eines legendären Liedersammlers nahetreten muss: des Urners Hanns In der Gand (1882–1947).

Jener galt lange als Komponist des Liedes. Das hat er zwar nicht aktiv angestrebt, aber sich auch nicht mit Händen und Füssen dagegen gewehrt. Franz Burgert tut sein Bestes, den posthumen Ruf Hanns In der Gands nicht zu beschädigen, lobt dessen Rolle als bedeutendster Liedersammler der Schweiz und fordert gar eine Biografie über ihn.

Lustenberger und Portmann

Aber er stellt auch klar, was schon früher gemunkelt worden war und seit einigen Jahren kaum mehr bestritten wird: Das Lied war vor Silvester 1915, also vor genau 100 Jahren, von zwei Entlebucher Soldaten komponiert worden. Eine Überraschung hat Burgert allerdings in petto. Dazu gleich mehr.

Zwei Soldaten also, Robert Lustenberger und Oskar Portmann, Entlebucher Militärmusiker, sollen gemäss Zeugenaussagen das Lied geschrieben haben, als Hommage an die nette Gilberte, um es ihr am Silvester 1915 vorzutragen.

Der grosse Erfolg

Hanns in der Gand wiederum stösst ein Jahr später auf das Lied und nimmt es auf in seine Sammlung ihm zugetragener Lieder. Als ihm die überragende Qualität bewusst wird, lässt er es veröffentlichen und gibt als Quelle «Unbekannt» an. So weit, so korrekt, doch der Verlag ändert die Quelle eigenmächtig in «Herausgeber»: also auf In der Gand. Was jenem kaum verborgen bleibt. Aber als offizieller Soldatensänger darf er sich nicht gegen die fremden Federn wehren. Zumal er das Lied mit grossen Erfolg selber singt, ein Theaterstück über «Gilberte» zum Renner und 1941 auch der Film ein Hit sowie zum Symbol der nationalen Einheit wird. Warum soll also In der Gand schlafende Hunde wecken und jetzt noch zugeben, das Lied sei gar nicht von ihm?

Doch viele Jahre später lässt die Sache einem Sohn des Entlebucher Soldaten Lustenberger keine Ruhe. Sein Vater hat doch immer wieder gesagt, das Lied sei von ihm. Was wiederum den Autor Franz Burgert auf den Plan ruft, der Sache minutiös nachzugehen.

Musikalische Indizien

Der liefert in seinem Buch zahlreiche Indizien, warum das Lied nicht von In der Gand stammen kann. So vergleicht er es mit dessen wenigen bekannten Eigenkompositionen und weist detailliert nach, dass es keine musikalischen Ähnlichkeiten gibt. Sondern in Sprache und Stil viel eher zu übermütigen, wobei musikalisch versierten Soldaten passt. Einen wichtigen Beweis sieht Burgert auch in der Tatsache, dass Gilberte selber auf das Filmdrehbuch Einfluss nahm, um die These der komponierenden Soldaten zu stützen. Offenbar wollte sie sogar Luzern als Herkunft der Soldaten durchsetzen, was dann aus dramaturgischen Gründen entfiel.

Burgerts Fährtensuche ist faszinierend, auch wenn sein Einsatz eines Pendels für die Bestätigung einiger Thesen befremden mag. Und einen Knüller bietet er noch: Im Lied ist von Trompeter und Tambour die Rede. Doch Robert Lustenberger und Oskar Portmann waren Tambouren. Wer also sind die Trompeter? Burgert kommt zwei weiteren Entlebucher Co-Autoren des Liedes auf die Spur.

Solche Recherchen sind genauso spannend wie die vielen Kurzbiografien, die Burgert hinzugefügt hat: von derjenigen Hanns In der Gands und den Mitgliedern der polnischen Flüchtlingsfamilie, aus der er stammte, über die Familien von Portmann und Lustenberger bis zu Gilberte selber. Für besonders Interessierte bietet das umfassende Buch auch den Entlebucher Musikspiegel sowie zahlreiche Textanhänge und Dokumente um das Mysterium der «Gilberte de Courgenay». Und um ihr Lied.

Franz Burgert: Das Lied von Courgenay. Entlebucher Medienhaus, 310 Seiten, Fr. 27.–. Bestellung: Druckerei Schüpfheim, info@dsag.ch

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