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SACHSELN: Als Napoleons Soldaten einfielen

Am 9.September blickten Obwaldner auf den Franzosenüberfall auf Nidwalden zurück – 217 Jahre nach dem Schreckenstag.
Ausstellungsmacher Jürg Spichiger im Gespräch mit Museumsbesucherin Renata Zulian. (Bild: Romano Cuonz)

Ausstellungsmacher Jürg Spichiger im Gespräch mit Museumsbesucherin Renata Zulian. (Bild: Romano Cuonz)

«Holiho diahu! Der Seppli jodelte aus voller Kehle und schnitt sich eine Schierlingsflöte zurecht.» So beginnt eine Geschichte der Nidwaldner Schriftstellerin Isabelle Kaiser. Als der «Kniri-Seppli» – am 9. September 1798 – von der Kuh­alp ins Tal hinunter blickte, sah er Soldaten von Napoleon auf sich zukommen. Der Hüterbub führte die Feinde zu einer Felswand, wo es nicht mehr weiterging und büsste diese List mit seinem Leben. Als kleiner Held!

Von dieser Geschichte, die früher in Nidwaldner und Obwaldner Schulbüchern stand, war im Museum Bruder Klaus genauso die Rede wie von historischen Tatsachen: Etwa, dass damals 1600 Nidwaldner gegen General Schauenburgs 10 000 Franzosen auf dem Allweg einen Verblutungskampf ausgefochten hatten.

Bei einer Museumsführung – genau am Jahrestag des «Franzosenüberfalls» – bot Ausstellungsmacher Jürg Spichiger den Besuchern einen fundierten Einblick in die Zeit, als das Ancien Régime fiel und Napoleon den Eidgenossen seine zentralistisch gesteuerte Helvetik aufdrängte. «Napoleon wollte zusammenbringen, was nicht zusammen- gehörte, dabei setzte er die Schweizer Stände unter Druck», urteilte Spichiger. Im Mittelpunkt des Zuhörerinteresses stand aber vor allem eine Frage: Warum hatte Nidwalden damals keine Unterstützung von Obwalden erhalten?

Schwerthiebe gegen Bruder Klaus

«Die Obwaldner haben eben», so Jürg Spichiger, «bald erkannt, dass eine Ablehnung der Helvetik Krieg bedeutete.» Und sie hätten die Übermacht erkannt. In Nidwalden hingegen habe es fanatisierte, stockkonservative Geistliche gegeben, die aus religiösen Gründen zu wahren Kriegshetzern wurden.

Es gab kein Zurück mehr

Ein Brief, in dem die Obwaldner Regierung die Nidwaldner «brüderlich Anteil nehmend» vor dem Unheil warnen wollte, blieb unbeachtet. Es gab einfach kein Zurück mehr! So kam es denn vor genau 217 Jahren zu einer leidvollen Schlacht. Nur ein paar Stunden dauerte es, bis die Franzosen die Nidwaldner besiegt hatten. Rund 100 Nidwaldner und ebenso viele Franzosen fielen im Kampf, weitere 300 Nidwaldner kamen bei anschliessenden Massakern der wutentbrannten Franzosen, die Ennetmoos, Stansstad, Buochs und Stans verwüsteten, ums Leben.

Grosse Betroffenheit, als Jürg Spichiger den Besuchern im Museum ein beschädigtes Porträt von Bruder Klaus (Öl auf Holz) zeigte. Dieses befand sich am 9. September 1798 im Hause «Pünt» in Stans/Oberdorf. Französische Soldaten hatten es damals mit Säbelhieben und Flintenkugeln traktiert und dabei ihre blinde Wut am heiligmässigen Mann ausgelassen.

Von Hitzköpfigen und Bedächtigen

In der an die Führung anschliessenden lebhaften Diskussion ging es auch darum, den Unterschied zwischen Ob- und Nidwaldnern zu ergründen. Für Spichiger gibt es da ein Bild, das alles sagt. «Nidwalden hat als Held den Kämpfer Winkelried und Obwalden den Heiligen Bruder Klaus», pointierte er. Sehr farbig und präzise aber fasst der frühere Nidwaldner Staatsarchivar Hansjakob Achermann den Unterschied zwischen zwei ungleichen Brüdern in der Stanser Ausstellung zusammen. Er sagt: «Die Nidwaldner fragen nicht hundert Mal: ‹Bringt es etwas?› Sondern ihre Devise ist: ‹Schauen wir, dass es etwas bringt. Im Gegensatz zum bedächtigeren und diplomatischeren Obwaldner ist der Nidwaldner wagemutig und hitzköpfig, bekommt dafür auch hin und wieder eins auf den Schädel.»

Romano Cuonz

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