Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SACHSELN: Der Kunsthandwerker und die Sammlerin

Das Museum Bruder Klaus zeigt Arbeiten des Schwyzer Künstlers Hans Brändli und der deutschen Malerin Lisa Hoever. Ganz zufällig ist die Kombination nicht.
Julia Stephan
Hans Brändli, «Visor», 2016. (Bild: PD/Museum Bruder Klaus Sachseln)

Hans Brändli, «Visor», 2016. (Bild: PD/Museum Bruder Klaus Sachseln)

Die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf haben beide mal durchlaufen. Doch damit wäre der gemeinsame künstlerische Pfad des aus der Schwyzer Gemeinde Ibach stammenden Künstlers Hans Brändli und der deutschen Lisa Hoever auch schon erklärt. Urs Sibler, dem Kurator des Museums Bruder Klaus in Sachseln, ist es zu verdanken, dass die zwei nun unverhofft nochmals gemeinsame Wege beschreiten dürfen.

2015 hatte Sibler beim Besuch einer Gruppenausstellung im Kunstmuseum Winterthur entdeckt, dass Brändli und Hoever – nebeneinander präsentiert – harmonieren können. Dass die zwei in seiner Ausstellung «Aquarell Metall Malerei» gerade mal beim Aquarell Überschneidungen besitzen, ist nebensächlich. Der Berührungspunkt genügt, um beim Betrachter die Suche nach Beziehungen anzuregen.

Rahmen sprengen

Bauchig drängt sich eine blaue japanische Vase auf einer grossen Leinwand ins Blickfeld. Lisa Hoever hat sie rahmensprengend vergrössert. Urs Sibler liess das Ölgemälde in Sachseln so hängen, dass der Besucher es durch einen Türrahmen betrachten muss. Es unbeschnitten zu sehen, wird so zur Frage der Perspektive – die Rahmensprengung erfolgt also gleich doppelt: im Bild und bei der Betrachtung.

In Hoevers Atelier haben sich über die letzten Jahre viele feingliedrige Pflanzenteile angesammelt. Auf ihren Ölgemälden und Aquarellen nimmt die im deutschen Münster geborene Künstlerin, die seit Jahren an der Hochschule der Künste Bern Malerei unterrichtet, die von der Natur vorgegebenen geometrischen Knoten und Schleifen von Blättern, Halmen und Blumen zur Vorlage für ihre Arbeiten, die den Rahmen von Stillleben sprengen. Nicht nur, weil die Materialschlacht der Gegenwart – Verpackungen oder Lacktablette – zum Bildmotiv wird. Sondern auch, weil Hoever die flächigen, mit kühlen, gedeckten Farben gemalten Motive nicht erdet, sondern durch Mehrfachübermalung zum Schweben bringt.

Hoever verzichtet dabei auf jegliche Zentrierung, ordnet Blätter geometrisch an den Bildrändern an. Diese Neudefinierung des Bildraumes geht so weit, dass sich ein Blumen-Bukett in einer Vase auch mal an die Grössendimensionen der Leinwand anpassen muss: In einer Arbeit lassen die Blumen sogar die Köpfe hängen, nur so passen sie gerade noch in den Bildraum.

Gegen diesen Fokus aufs Gegenständliche haben die gold- und silber-glänzenden Metallobjekte von Hans Brändli mit ihren oft lateinischen Werkstiteln eine fast religiöse Komponente. Mit dem Museumsbau, einem Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert, gehen seine verdrahteten Objekte aus Messing, Eisen- und Kupferblech, Neusilber, geschichteten Holzplatten und Jute unentwegt Dialoge mit dem Schmiedewerk an Fenstern und Türen der Ausstellungsräume ein.

Charme des Industriezeitalters

Bis zu den Hängungsvorrichtungen schmiedet der in Düsseldorf arbeitende Künstler, der aus Ibach SZ stammt, alles von Hand. Seine Objekte beschwören den Charme des Industriezeitalters. Trotz Materialschwere wirken seine Objekte filigran. Eine Messingplatte plustert sich auf einer spiegelnden Schelllack-Platte auf wie ein Segel, Brändlis «Visor» (siehe Bild) ähnelt einem überdimensionierten Insektenflügel, und drei nicht deckungsgleich übereinander gelegte Bildrahmen aus Messing, Neusilber und Kupfer stellen Fragen nach der Betrachterperspektive. Hier wird die beschworene Gemeinsamkeit der Künstler offenbar: ihre Fähigkeit, das unbelebte Objekt in einen Schwebezustand zu versetzen.

Julia Stephan

Hinweis

«Hans Brändli und Lisa Hoever», Museum Bruder Klaus, Sachseln. Bis 21. August. Am 10. August, 19.30, Führung mit Kurator Urs Sibler. Infos: www.museumbruderklaus.ch

Lisa Hoever, «o. T.», Öl auf Leinwand, 2014. (Bild: PD/Dominique Uldry/Pro Litteris)

Lisa Hoever, «o. T.», Öl auf Leinwand, 2014. (Bild: PD/Dominique Uldry/Pro Litteris)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.