SAISON-PROGRAMM: Das Luzerner Sinfonieorchester erhält ein Gesicht

Das Luzerner Sinfonieorchester schreibt in der nächsten Saison den Erfolg nicht nur im Programm weiter. Dieses enthüllt auch den spektakulären Plan für ein eigenes Probehaus.

Urs Mattenberger
Merken
Drucken
Teilen
Die französische Pianistin Hélène Grimaud ist einer der Stars in der kommenden Saison des Luzerner Sinfonieorchesters. (Bild: Mat Henek)

Die französische Pianistin Hélène Grimaud ist einer der Stars in der kommenden Saison des Luzerner Sinfonieorchesters. (Bild: Mat Henek)

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Wer vom Erfolg verwöhnt ist, hat es schwer, nochmals zuzulegen und spektakuläre News zu präsentieren. Nur auf den ersten Blick bestätigt dies das Saison-Programm 2017/18, das das Luzerner Sinfonieorchester gestern publizierte.

Selbst dass die Zahl der Besucher in der zu Ende gehenden Saison wiederum – und mit einem Rekordumsatz bei den Ticket­einnahmen – die 50000-Marke überschreiten wird, ist nicht neu. Beides bestätigt den nachhaltigen Erfolg des Orchesters unter Chefdirigent James Gaffigan und Intendant Numa Bischof. Und doch wartet dieses Programm mit echten Knüllern wie dem Plan für einen orchestereigenen Neubau auf (siehe Kasten).

Selbst mit Stars sind Sonderprojekte möglich

Das Alltagsgeschäft führt das bestehende Erfolgsmodell in Variationen und mit einer eher traditionelleren Ausrichtung weiter. So rücken die über 50 Konzerte stärker das angestammte Repertoire des Orchesters ins Zentrum – also Klassik von Mozart, Haydn und Beethoven sowie Romantik von Schubert, Mendelssohn, Brahms und Schumann. James Gaffigan dirigiert ein französisches sowie russische Programme mit Strawinskys «Feuer­vogel» und Rachmaninows zweitem Klavierkonzert (mit dem Klavier-Shootingstar Behzod Abduraimov).

Auf gewohnt hohem Niveau bewegen sich die Solisten wie Vadim Gluzman, Truls Mork oder Renaud Capucon. Dass man auch mit solchen Stars dank langjähriger Zusammenarbeit besondere Akzente setzen kann, zeigt die französische Pianistin Hélène Grimaud. Sie ist Solistin in Beethovens viertem Klavierkonzert und präsentiert in einem Rezital ihr Projekt «Woodland» (mit projizierten Waldbildern ihres Lebensgefährten Mat Hennek).

Rising Stars und Gipfeltour

Der auch international erfolgreich tätige Amerikaner James Gaffigan ist zwar die prägende ­Figur am Pult. Trotzdem erlaubt das wachsende Renommee des Orchesters bei Gastdirigenten Engagements in einer höheren Liga. So dirigiert Romantik-Altmeister Marek Janowski Schumann und Mahlers Kindertotenlieder (mit der Mezzoso pranistin Elisabeth Kulmann).

Daneben vertraut das LSO verstärkt auf leitende Solisten: Mit Steven Isserlis spielt es Bach, mit Olli Mustonen und Fazil Say Klavierkonzerte von Mozart. Und es bietet weiterhin jungen Musikern und «Rising Stars» eine Plattform.

Ebenfalls mit Kernrepertoire weitergeführt werden die in dieser Saison erfolgreich gestarteten Konzerte auf dem Pilatus. Da ­erklingt in vier Konzerten die Quintessenz von Franz Schuberts späten Klaviersonaten, Klaviertrios und Streichquartetten. Das Hagen-Quartett steht dafür, dass das auf dem Hausberg auch in der Besetzung eine Gipfeltour ist.

Jubiläumsprojekt mit der Kanti Alpenquai

Ein Höhepunkt unter den «Trouvaillen» ist die Aufführung von Dieter Ammanns «Glut». Das ist zwar keine Uraufführung, aber für Komponisten ebenso wichtig ist eben, «dass ihre Werke auch nach der Uraufführung weiter ­gespielt werden», sagt Bischof: «Erst das bestätigt ihren kompositorischen Rang.»

Eine Uraufführung dagegen realisiert das LSO in Zusammenarbeit mit der Kanti Alpenquai zu deren 50-Jahr-Jubiläum am heutigen Standort: Der für seine interaktiven Projekte bekannte Amerikaner David Lang komponiert für die Schüler der Kantonsschule ein Werk «für Orchester und Publikum», das im Konzertsaal mit den Besuchern geprobt und gleich aufgeführt wird.

Luzerner in Amerika

Eingespannt ist diese Saison durch die zwei Paukenschläge am Beginn und am Ende. Auf den Neubau verweist im Schlusskonzert symbolisch das Benefizkonzert mit Beethovens Neunter Sinfonie, 20 Jahre nach der Eröffnung des Konzertsaals (durch die Berliner Philharmoniker) mit diesem Werk. Was damals noch undenkbar gewesen wäre: Die LSO-Aufführung dieses Repertoireklassikers wird für eine CD-Aufnahme für Sony mitgeschnitten – mit Top-Solisten wie dem Luzerner Tenor Mauro Peter und der Sopranistin Rahel Harnisch.

Weit über den angestammten Radius hinaus führen die neun Auslandtourneen – noch nie waren es so viele wie in der kommenden Saison. Die Spitze bildet vor Saisonbeginn, nämlich am 22. August, das erstmalige Gastspiel in den USA, am Ravinia Festival in Chicago.

«Schaut man später auf die Geschichte des 1805 gegründeten Orchesters zurück, ist klar, dass mit dem KKL eine ganz neue Ära begann», sagt Bischof dazu. «Zu dieser Ära gehören auch Auftritte wie dieser in den USA, die unauslöschbar zu einem Teil dieser Vita werden. Neben der starken regionalen Verankerung, für die die Vermittlungsangebote unseres Musikwagens stehen, gehört auch das zum künftigen Erbe des Orchesters.»

Hinweis

www.sinfonieorchester.ch