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Baby Genius hat sein Album
von 2008 sanft renoviert

Der Luzerner Baby Genius hat seine Debütplatte noch einmal neu aufgenommen. Zehn Jahre nachdem sie veröffentlicht wurde.
Michael Graber
Baby Genius alias Ivo Amarilli. Bild Guido Röösli

Baby Genius alias Ivo Amarilli. Bild Guido Röösli

Noch einmal von vorne: Baby Genius alias Ivo Amarilli veröffentlicht heute sein Debütalbum noch einmal. Vor zehn Jahren ist es erschienen, jetzt hat es der Luzerner neu aufgenommen. Der 31-Jährige wollte dabei schauen, was die zusätzliche Erfahrung der involvierten Musiker mit den Songs macht. «Es fragen mich alle, ob ich keine Ideen mehr gehabt habe», lacht Amarilli.

Neben dem Album entsteht ja zudem ein Film, der sich mit der eigenen Entwicklung beschäftigt, aber auch mit jener in der Luzerner Bandlandschaft allgemein. Die neu eingespielten Songs seien mittlerweile fast nicht mehr das Hauptprodukt, das sei der Film, der im besten Fall im Herbst fertig sein sollte.

Zeitgeist ist jener von 2008

Das Album ist eine sanfte Renovation. Die Fassade hat einen neuen Anstrich erhalten, im Dachstock wurden Löcher gestopft und die Küchengeräte sind etwas moderner – einen Neubau wollte Amarilli bewusst nicht: «Es ging mir darum, es mit den gleichen Songs besser zu machen, nicht einfach die Songs besser zu machen». Darum ist der Zeitgeist, der in diesem 2018er-Album weht, immer noch jener von 2008.

Und etwa in der gleichen Rasanz, in der sich Amarilli in diesen zehn Jahren entwickelt hat, hat sich auch die Musik entwickelt. Der Garagenrock, den Baby Genius macht, wirkt mittlerweile wieder deutlich angestaubt. Für alle jene, die damals nicht in (Achtung: noch einmal Nostalgie!) in verrauchten Clubs verschwitzt am Tanzen waren, funktioniert diese voranpreschende Energie wohl nicht.

Album mit den besten Songs

Für ihn sei sein Debütalbum im Rückblick jenes mit den besten Songs gewesen, die seien viel natürlicher entstanden als jene der Folgealben. Stören tun ihn im Rückblick vor allem zwei Dinge: Seine Stimme und seine Mitsprache. In beidem war er zu unerfahren.

2008 erlag er wohl dem Versuch das allgemeine Genöle der damaligen Dohertys zu imitieren. Der Rotz blieb an den Noten kleben. 2018 wirkt Amarilli gereifter, eigenständiger, zielgerichteter. Das hat sicherlich auch mit der Mitsprache zu tun: Während beim Debüt die Produzenten Amarilli dorthin führten, wohin sie wollten, hat er diesmal die Zügel selber in der Hand behalten.

«Damals habe ich mich nicht bei allem wohl gefühlt, heute habe ich dann jeweils aufgehört, wenn es mir nicht mehr passt. Dazu kommen viele kleine Fehlerchen, die man macht, wenn man frisch Musik macht», so Amarilli. Falsche Akkordfolgen, falsche Breaks, hörbare Schnitte. Nichts Gravierendes, aber in der Summe etwa so ärgerlich wie eine 4 in der Matura-Mathi-Prüfung. Ohne Mangelpunkt, aber auch ohne wirkliche Glanzpunkte.

Für die Korrektur des Tolggen im Reinheft hat Amarilli alles noch einmal so aufgestellt, wie damals. Gleiche Bands, gleiche Aufnahmedauer, gleiche Vorgehensweise. Der Schlagzeuger hat extra wieder mit dem Schlagzeugspielen begonnen – zuvor war das Drum bei seinen Eltern im Keller eingemottet gewesen.

Mit der Liveband von seinen letzten Auftritten hat die damalige Band praktisch keine Berührungspunkte. Zehn Jahre später heisst auch zehn Jahre beschäftigter. Der Traum vom Musikerleben ist einer gehörigen Portion Realismus gewichen. Brotjob und Familie sind näher, als Weltournee und Hitparade. «Ich wusste aber auch damals, wenn ich mehr herausholen will, muss ich aufhören zu arbeiten», sagt Amarilli, der beim SRF als Projektleiter arbeitet. Das wollte er 2008 nicht wirklich und heute nicht mehr.

So richtig brodeln tut es nicht mehr

Natürlich, gesteht er, der Musiker-Traum gärt immer noch etwas, aber so richtig brodeln tut es nicht mehr. Es bestehe auch die Möglichkeit, dass dieses Projekt gleichzeitig der Schlusspunkt unter Baby Genius ist. «Ich weiss es schlicht und einfach nicht», sagt Amarilli.

Was ihn an seinem Debüt immer am meisten fasziniert hat, sei die Energie gewesen, die damals da war. Frech, unbekümmert, direkt. Sein Projekt ist auch der Versuch diese Energie wiederherzustellen, da sie etwas abhandengekommen ist. Routine ist Teufelszeugs!

Ziemlich sicher, sagt er, mache er das Ganze in zehn Jahren noch einmal. Dann mit der Lebenserfahrung von 2028. Vielleicht wird dann aus der sanften Renovation ein kompletter Neubau.

Baby Genius «10» (Little Jig). Plattentaufe Mittwoch: 30. Mai, 20.00 Schüür; Luzern

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