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Forum Neue Musik: Die sanfte Musikrebellion spinnt weiter

Vor 30 Jahren brachte das Forum Neue Musik Luzern (FNML) frischen Wind in den zeitgenössischen Kulturbetrieb. Er weht und wirbelt im Jubiläumsjahr besonders heftig.
Pirmin Bossart
Hans-Peter Pfammatter, Catherine Huth, Nicola Romanò und Urban Mäder (von links). (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 19. September 2018)

Hans-Peter Pfammatter, Catherine Huth, Nicola Romanò und Urban Mäder (von links). (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 19. September 2018)

30 Jahre hat das Forum Neue Musik Luzern auf dem Buckel, aber man spürt bei den Programmverantwortlichen die ungebrochene Lust, mit besonderen Konzert- und Performance-Situationen ein Publikum überraschen zu wollen. Das Jubiläumsprogramm 2018/2019 ist zu einer echten Wundertüte geworden.

An jedem 30. des Monats findet ein musikalischer Anlass an einem speziellen Ort in Luzern statt. Der erste Programmpunkt ging am 30. August – erstmals in der Geschichte des Forums – im Sedel über die Bühne. Die drei Pianisten und die Pianistin des Kukuruz Quartetts spielten Musik des Aussenseiterkomponisten Julius Eastman, dessen oft harsche Minimalkompositionen in letzter Zeit neu entdeckt wurden.

Der 30. Februar als heimlicher Kern

Zum Konzept des Jubiläumsprogrammes gehört, dass die interessierten Besucher erst eine Woche vor dem 30. jeweils erfahren, was gespielt oder performt wird und wo der Anlass stattfindet. Man kann das als souveränen Vertrauensbeweis dafür deuten, dass es inzwischen ein Publikum gibt, das genügend offen und auch neugierig ist, sich auf die Vielfalt und das Qualitätssiegel der Forum-Veranstaltungen einzulassen.

Der 30. Februar ist dabei so etwas wie der heimliche Kern des Programms. «Es gibt ihn nicht, also haben wir gesagt: Dann gibt es ihn immer», sagt Urban Mäder und möchte nicht mehr verraten. Erahnen lässt sich, dass dieser 30. Februar im Raum Luzern jederzeit musikalisch-performativ in Erscheinung treten kann.

Die Gründung des Forums Neue Musik Luzern war vor 30 Jahren ein sanfter Akt der Rebellion in einer «Szene», die etwas erstarrt und auf zeitgenössisch-konventionelles Komponieren eingespurt war. «Ausser sporadischen Uraufführungen im kleinen Rahmen am Lucerne Festival gab es kaum Gelegenheiten, zeitgenössische Musik zu spielen oder zu hören», sagt Urban Mäder.

Da war der Zentralschweizer Ableger der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, der jährlich eine knappe Handvoll Konzerte veranstaltete. Doch diese huldigten vor allem der Strenge und der Nüchternheit des ­seriellen Komponierens. Neue Formenformate waren nicht zu erwarten. Irgendwann sagten sich Urban Mäder und Josef Kost, die beide als Dozenten am Konservatorium Luzern wirkten und auch selber komponierten: «So, jetzt machen wir selber etwas.»

Zusammen mit Peter Siegwart, Mani Planzer und Thüring Bräm wurde ein erstes Saisonprogramm erarbeitet. Der Musiker und Dirigent Peter Siegwart (Vokalensemble Zürich) ist neben Mäder das einzig verbliebene Gründungsmitglied im heutigen Forum. Mani Planzer (1939–1997) brachte wichtige Impulse aus dem Jazz und der improvisierten Musik ein.

Auch Thüring Bräm hatte als Komponist ein Ohr für Improvisation, Urban Mäder sowieso. Er ist Dozent für Improvisation und Pädagogik an der Hochschule Luzern – Musik. Mäder: «An der Hochschule bin ich ein wenig der ‹Spinner›, der die jungen Leute abholt und in den verschiedensten Richtungen Experimente vor­antreibt.» Von dieser «Spinnerei» hat das Forum Neue Musik Luzern in den 30 Jahren ausgiebig profitieren können. Wer die Liste der über 180 Aufführungen durchgeht, entdeckt immer wieder Programmpunkte, die so humorvoll wie grenzüberschreitend das gängige Konzerterlebnis durchbrachen, auch als «grössere Kisten» wie in der multimedialen Aktion «Zone Lido» (2009) im Strandbad Lido.

Das Verschmelzen mit anderen Sparten

Es ist die Vielfalt der Formate (Konzerte, Installationen, Performances, Aktionen) und die interdisziplinäre Verschränkung mit Kunst, Tanz, Performance, Theater und Film/Video, die dem Forum Neue Musik Luzern zunehmend ein Gesicht gegeben haben. Wenn die Kunstbereiche heute stärker verschmelzen, ist das genau die Tendenz, die das Forum Neue Musik Luzern mit seinen Veranstaltungen und Aktionen zur Wahrnehmung bringt. Mit der bildenden Künstlerin Mirjam Sturzenegger sowie den Musikern Sascha Armbruster, Hans-Peter Pfammatter und Nicola Romanò hat das Forum Neue Musik Luzern auch jüngere Leute im Vorstand, die neue Ideen einbringen. Cellist Romanò ist ein typischer Vertreter für das grenzüberschreitende Denken, wie es im Forum gepflegt wird.

Verschiedene Blickwinkel kommen zusammen

«Es geht um Wahrnehmungen, Haltungen und auch darum, was zusammen mit dem Publikum entsteht», sagt Romanò. Zeitgenössische Musik sei kein Aufenthalt im Elfenbeinturm, sondern eine soziale Angelegenheit.» Das «Verkopfte», das der Neuen Musik immer mal wieder vorgeworfen wird, lässt Romanò nicht generell gelten. «Dafür sind die Formate, in der diese Musik inzwischen aufgefächert wird, zu vielseitig.»

Der Cellist schätzt in seiner Vorstandsarbeit für das FNML, dass dort verschiedene Blickwinkel und Erfahrungshorizonte zusammenkommen. Er habe auch ein Bedürfnis, diese Musik überhaupt unter die Leute zu bringen, sie möglichst spannend umzusetzen, Erlebnisse zu schaffen. «Es liegt mir am Herzen, mit Formen zu experimentieren und mich mit musikalischen und künstlerischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. So bleibt die Musik lustvoll und in Bewegung.» Es ist das, was das Forum Neue Musik Luzern nun schon über eine Generation lang am Puls gehalten hat.

Das zweite Konzert der Forum-Jubiläumssaison findet am 30. September, 17 bis 19 Uhr am Seetalplatz in Emmenbrücke statt. Unter dem Titel «Statt Lärm» betätigen sich sieben Musiker als Soundforscher und benutzen die Soundwelt dieses «wunderbar hässlichen Verkehrsknotenpunktes» als Ausgangsmaterial für die Abstraktion der Klänge. Mit Christian Zemp, Manuel Troller, Urs Müller, Jerry Siegrist und Roland Wäspe, e-git, Martina Berther und Urban Lienert, e-bass. Das Konzert findet bei jeder Witterung statt.

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