SARNEN: Bravour-Stücke begeistern Publikum

Unter freiem Himmel erklangen Vivaldis Jahreszeiten zwar nicht. Das Stammpublikum des Klassik-Open-Airs kam trotzdem zu einem mitreissenden Hörgenuss.

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Sängerin Linda Campanella (mit Sologeigerin Barbara Ciannamea) und... (Bild: Romano Cuonz)

Sängerin Linda Campanella (mit Sologeigerin Barbara Ciannamea) und... (Bild: Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Wer hat sie nicht im Ohr, die paar ersten Takte zum «Frühling» in Vivaldis Meisterwerk «Die Vier Jahreszeiten»? Sie waren sozusagen das Leitmotiv im gefälligen, aber künstlerisch eben auch sehr hochstehenden Programm des nun schon 6. Klassik-Open-Air im Seefeldpark Sarnen. Der Blick in den freien Himmel war allerdings an diesem regnerischen Abend durch eine transparente Zeltwand etwas getrübt. Dass deswegen das Publikum ausbleiben könnte, darum brauchte sich der eloquente und in der Wahl seiner Worte humorvoll einfallsreiche künstlerische Leiter Daniel Moos keine Sorgen zu machen.

Ein besonderes Erlebnis

Diese «Opera Sotto le Stelle» ist im Verlauf von sechs Jahren zu einer Institution geworden. Ein treues Stammpublikum möchte sie keinesfalls mehr missen. Das Erfolgsgeheimnis dieses Anlasses lässt sich leicht beschreiben: Hier werden Bravourstücke der Klassik zusammen mit Evergreens aus der ­Film-, Volks- oder Unterhaltungs­musik – in einer locker, angenehmen Atmosphäre von hoch professionellen Musikern perfekt gesungen und gespielt. Ein ganz besonderes Erlebnis für Kenner genauso wie für reine Liebhaber.

Als Vivaldi aus der Kirche rannte

Dass Antonio Vivaldi «Die Vier Jahreszeiten» als weltweit populäres Werk komponiert hat, wissen alle. Dass der rothaarige Venezianer Vivaldi Priester war, ist schon weniger bekannt. Eines Tages habe der Mann mit dem Spitznamen «Il prete rosso» (der rote Priester) die Kirche nach seiner Predigt fluchtartig verlassen, erzählte Moderator Daniel Moos. Er sei nach Hause geeilt und habe «Die Vier Jahreszeiten» in Musiknoten aufs Blatt gebracht. Und seither erklingt das Werk in zig Interpretationen und Zusammensetzungen. Allein auf Youtube registriert man 40 Millionen Klicks!

Kunststück mit einem Kunstwerk

Wie nun Daniel Moos «Die Vier Jahreszeiten» für das Ensemble The Four Seasons arrangiert hat, ist ein Kunststück am Kunstwerk. Die Sologeigerin Barbara Ciannamea (Stradivari-Preisträgerin) und ihre profilierten Mitspieler Andrea Maschetti (Violine), Eulalia Garcia (Viola), Claude Hauri (Cello) und Daniel Moos (Klavier/Cembalo) spielten die Ausschnitte mit einer Kombination von sommerlicher Lockerheit, Musikalität und technischer Präzision, wie man sie in sterilen Konzertsälen nur selten ­erlebt. Dazu voll Tempo! Der versprochene Hörgenuss eben, mit farbig blühenden Jahreszeiten trotz nasskaltem Tag.

Koloratursopran neu entdeckt

«Die hervorragende, vielfach mit Preisen ausgezeichnete Sopranistin Linda Campanella war an zahlreichen grossen Opernhäusern Europas zu hören», kündete Daniel Moos die Hauptattraktion des 6. Klassik-Open-Air Sarnen an. Und er versprach nicht zu viel. Extreme Koloraturen sind die Spezialität dieser Sängerin. Sehr interessant, dass für einmal auch Koloraturen auf dem Programm standen, die man eher selten zu hören bekommt. Campanella brillierte in einer Melodienfolge aus «Carnevale di Venezia», «Eine Nacht in Venedig» oder dem «Frühlingsstimmen-Walzer» von Johann Strauss.

Evergreens entstaubt

Die Bravourstücke erster Güte brachten der Sängerin und dem Ensemble viel Applaus ein. Doch zur grossen Freude des Publikums war das Spektrum noch weiter: Da wurden bildhaft gesprochen – aus Ohrwürmern wie «Somewhere Over the Rainbow», «Tulpen aus Amsterdam», «Tausend rote Rosen», «Wenn der weisse Flieder wieder blüht» oder «Summertime» musikalisch prächtig kolorierte Schmetterlinge. Die Sopranistin und die Instrumentalisten verstanden es vorzüglich, den Staub von den «Evergreens» abzuwischen.

... das Ensemble The Four Seasons boten ein begeisterndes Konzert. (Bild: Romano Cuonz (Neue NZ) (Neue Obwaldner Zeitung))

... das Ensemble The Four Seasons boten ein begeisterndes Konzert. (Bild: Romano Cuonz (Neue NZ) (Neue Obwaldner Zeitung))