SARNEN: Die Bevölkerung feiert ihre Schwestern

Über 300 Leute besuchten den Gottesdienst im Kloster – und begingen damit eine historische Premiere in der 400-jährigen Klostergeschichte.

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Fast bis auf den letzten Platz war der Klostergarten am gestrigen Gottesdienst belegt. (Bild: Izedin Arnautovic)

Fast bis auf den letzten Platz war der Klostergarten am gestrigen Gottesdienst belegt. (Bild: Izedin Arnautovic)

Matthias Piazza

«Ich finde es eigentlich schon wahnsinnig: Es ist das erste Mal, dass wir im Klostergarten einen öffentlichen Gottesdienst feiern. Ich hoffe sehr, dass es nicht wieder 400 Jahre dauert bis zum nächsten Mal», meinte Schwester Rut-Maria Buschor am Gottesdienst gestern Vormittag bei strahlendem Sonnenschein vor der Festgemeinde, welche die Worte spontan mit einem Applaus quittierten. «Wir danken Ihnen, dass wir uns in Sarnen so wohl fühlen dürfen. Ich merke immer wieder, wenn ich nach Sarnen zurückkehre, wie schön es ist, hier mitten im Dorf zu leben», fuhr sie fort – stellvertretend für die erkrankte Äbtissin Schwester Pia Habermacher.

Dank Wetter im Freien

Mit geschätzten 350 Besuchern war die Freiluft-Kirche bis auf den letzten Platz belegt – quer durch alle Altersgruppen. «Irgendwie fehlen mir die Worte. Ich bin so beeindruckt ob der vielen Leute, die uns besuchten», meinte Schwester Rut-Maria im Anschluss an den Gottesdienst im Gespräch mit unserer Zeitung. Zufrieden waren offenbar auch die Besucher. «Alles perfekt, mit einer angenehmen Länge», habe ihr jemand gesagt. Auch das Wetter stimmte – eine Voraussetzung für den Open-Air-Gottesdienst. Ansonsten hätte der Anlass in die Klosterkirche verlegt werden müssen.

Seltene Gelegenheit genutzt

«Wir gehen immer an den Klostermauern vorbei, und heute wollten wir einmal eine der wenigen Gelegenheiten nutzen, hinter die Mauern zu schauen», meinte Helen Kiser, die mit ihrem Mann Bruno und den Kindern Leander (10) und Eliane (8) den Gottesdienst besuchte und von der feierlichen Gestaltung angetan war. Auch sie hoffe, dass die nächste Gelegenheit nicht wieder erst in 400 Jahren komme.

Dankbarkeit grossgeschrieben

Wie ein roter Faden zog sich Dankbarkeit durch den Gottesdienst, schliesslich bildete der Anlass ja auch den Schlusspunkt zum Jubiläumsjahr «400 Jahre Frauenkloster Sarnen».

«Wir sagen als Pfarrei und Gemeinde Danke für 400 Jahre ‹ora et labora› – beten und arbeiten», sprach der Sarner Pfarrer Bernhard Willi, der den Gottesdienst würdevoll leitete, zur Festgemeinde. Für Dankbarkeit gibt es Gründe genug. So wirkten die St.-Andreas-Schwestern ab 1817, als die Schulpflicht eingeführt wurde, auch als Primarlehrerinnen in Sarnen, wie man in einem geschichtlichen Abriss erfuhr.

Öffentlichkeit half nach Unwetter

Dankbar zeigten sich die Schwestern für die Unterstützung durch die Obwaldner Bevölkerung und Behörden, welche die Übersiedlung 1615 von Engelberg in den Kantonshauptort ermöglichten. Es war am 18. Februar 1615, einem eisigen Wintertag, als sieben Schwestern mit einem Fuhrwerk ankamen und damit den Grundstein für das Sarner Kloster St. Andreas legten.

1964 zerstörte ein schweres Erdbeben in Sarnen Teile der barocken Klosterkirche, welche nach drei Jahren wieder aufgebaut wurde. Nicht unerwähnt blieb gestern natürlich die grosse Unterstützung durch Behörden und Öffentlichkeit nach dem grossen Hochwasser 2005, welche mithalf, die Kulturgüter zu retten und so der Nachwelt zu erhalten.

Nach dem Gottesdienst, mitgestaltet vom Kirchenchor Sarnen, nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch mit den Schwestern – beim Apéro im Klostergarten. Oder sie bestaunten bei einer Führung die wertvollen Schätze im Kulturgüterraum. Wer mochte, konnte sogar noch dem Abendgebet (Vesper) in der Klosterkirche beiwohnen.

Kulturgüterraum interessierte

Zufrieden zeigte sich Schwester Rut-Maria auch über den Anlass tags zuvor am Samstag, wo sich die einmalige Gelegenheit bot, das Kloster zu besichtigen – inklusive den nach dem Hochwasser vor zehn Jahren neu gebaute Kulturgüterraum, wo Kultur- und Kunstgegenstände lagern. «An den drei Führungen nahmen je 40 Personen teil. Das war eine ideale Grösse. Mehr hätten wir auch nicht aufnehmen können. Man spürte, dass es für die Leute sehr speziell war, die Klosterräume zu besichtigen», zeigte sie sich zufrieden.