SARNEN: Engelberger Sagen erobern Sarneraatal

Spannend war der Sagenabend im Historischen Museum Obwalden. Die Engelberger Erzähler-Instanz Annie Infanger und das Trio Fidelio rissen ihr Publikum mit.

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Im breitesten Engelberger Dialekt erzählt Annie Infanger ihre Sagen im Historischen Museum Obwalden. (Bild: Marion Wannemacher)

Im breitesten Engelberger Dialekt erzählt Annie Infanger ihre Sagen im Historischen Museum Obwalden. (Bild: Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

«Ich bin total überwältigt», sagte Konservatorin Klara Spichtig zu Beginn des Abends im Historischen Museum Obwalden. Die 50 bereitgestellten Stühle reichten bei weitem nicht. Wohl noch einmal so viele mussten her. Sagen­erzählerin Annie Infanger und das Trio Fidelio erwiesen sich als Publikumsmagnet, vor allem für die ältere Generation.

Der Sagenabend war ein Anlass im Rahmen der «Dreieckgeschichte Engelberg – Nidwalden – Obwalden», die derzeit eine Ausstellung des Museums thematisiert. Um verwünschte Jungfrauen, unerlöste Seelen und helfende Geister ging es in den Engelberger Sagen der alt Kantonsrätin.

Interesse am Engelberger Dialekt

Zuschauerin Maria Kiser aus Ramersberg interessieren die verschiedenen Obwaldner Dialekte. «Den Engelberger Dialekt hört man hier ja gar nicht mehr so», sagte sie. Auch Klara Inderbitzin, die fünf Jahre in Engelberg gewohnt hatte und jetzt wieder in Sarnen lebt, wollte ihn gern mal wieder vernehmen. Beide kamen samt ihren Ehemännern bei Annie Infanger voll auf ihre Kosten.

Selbst für ungeübte Ohren tönt es einfach herrlich, wenn die gebürtige Engelbergerin in breitestem Dialekt umständlich genau die Distanz von der Alperose ins Beinhaus beschreibt, die «s Bartlis Mänz» zurücklegen muss, um seiner Angebeteten Rosi den von ihr geforderten Totenschädel zu holen, um damit ihr Herz zu erobern: «Es isch vo de Alperose is Beihuisli abbe nit emal e halbi Stund, wenn ma e chli gläitig nitzi gaaht und obsi öppis meh, je nachdem wie einer gewaahhned isch z ga.»

Man ahnt, die Geschichte kann nicht gut ausgehen. «S Bartlis Mänz» büsst seinen Einsatz mit dem Leben, aber die grausame Rosi, die hat auch nie in ihrem Leben geheiratet.

Engel sangen vom Hahnen herab

Um Engelberger Orte und Alpen ranken sich die Sagen und Mythen Annie Infangers, mit denen sie schon von klein auf aufgewachsen ist. Das Publikum erfährt, wie Engelberg zu seinem Namen kam, als sich Konrad von Sellenbüren auf Geheiss einer Stimme vom eigenen Ochsen leiten liess. Als 1124 das Kloster fertig gebaut war und es noch keinen Namen gab, hätten die Engel vom Hahnen gesungen, und der Abt habe damals den Namen gefunden. «Die Klostermatte heisst ja auch immer noch Ochsenmatte», klärt Annie Infanger auf. In weiteren Geschichten geht es um die Blackenalp, auf dem ein «Gräiss» sein Unwesen getrieben hat, um den Galtiberg, in dem heute noch ein Jümpferli verschollen ist, und um die unheimliche Begegnung vom Gerschni-Sepp mit einer Katze, die auf halbe Mannshöhe anwächst.

Annie Infanger ist eine echte Erzählerinstanz, wie sie da in Engelberger Werktagstracht vor dem Publikum steht, die Augen rollt, die Brauen hebt und alle Spannungsregister zieht. Gänsehaut gibt es nicht zu knapp, die Zuschauer hängen an ihren Lippen.

Mal lüpfig, mal melancholisch

Geradezu ideal ergänzen sich ihre Sagen mit den Eigenkompositionen des Trio Fidelio. Hans Blum an der Klarinette, Christoph Blum am Kontrabass und Peter Berchtold an Schwyzerörgeli und Akkordeon erzählen ihrerseits musikalische Geschichten, mal volkstümlich und lüpfig, mal melancholisch, gefühlvoll mit Klezmer-Elementen. Hans Blums Klarinette kann seufzen, weinen und jubeln. Die Musik von Trio Fidelio geht ans Gemüt.

Klara Spichtig spricht allen aus dem Herzen, als sie am Schluss das Fazit des Abends für Sagen und Musik zieht, man könne noch ewig weiter zuhören. «Es war im wahrsten Sinn des Wortes ein sagenhafter Abend.»