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SARNEN: Ganders Kunstobjekte und Worte beflügeln die Fantasie

Carmela Gander schafft in Sarnen Imaginationsräume von magischer Anziehungskraft. Durch alle Räume zieht sich ein neonfarbener Faden, der seine Spuren in unserer Wahrnehmung hinterlässt.
Andrea Portmannkultur@luzernerzeitung.ch
Aufgeladen, trotz Stillstand: ein leuchtend eingewickeltes Velo. (Bild: PD)

Aufgeladen, trotz Stillstand: ein leuchtend eingewickeltes Velo. (Bild: PD)

In der Sarnen Galerie Hofmatt leuchtet es mir von den Wänden entgegen. Ich entdecke filigrane, genähte Texturen, die sich über historische Schweizer Landkarten ziehen. Eine Form geht in die andere über, Fäden laufen aus, wehen im leichten Wind. Verzaubert folge ich den Formen, meine Fantasie ist geweckt: Ich sehe Blumenmuschelinselgewirk, Flecken, Schaumblasen, Waben, Wirbel, Wolken, verschlungene Wege ... Wohin sie wohl führen?

Die in Luzern lebende Künstlerin und Illustratorin Carmela Gander (44) «übernäht» in der Serie «metamorphose erinnerung» Landkarten aus der Vergangenheit und verwandelt sie so in imaginäre Landschaften. In den Titeln spiegelt sich ihre feinsinnige Auseinandersetzung mit dem Erinnern, das als Thema in der ganzen Ausstellung präsent ist: Etwa: «Bern, einen beachtlich grossen umriss in die luft malen.» Vermerkt ist der faktische Ort der Landkarte und dazu ein poetisches Zitat, das Empfindungen und Assoziationen wachruft.

Herantasten an Erinnerungsmomente

Eine ähnlich subtile Stimmungslage verspüre ich im Galeriezimmer: ein schwebendes Zusammenspiel von Wort, Zeichnung, Material, Bewegung, Denken, Fühlen, Sehen. «Nach kommen» steht in neonfarbener Schrift, eingelassen in einem Wachsquader an der Wand. Nach kommen, versuchen, aufzuschliessen, sich an Erinnerungsmomente heranzutasten, sie zu verstehen?

Ich drehe mich in die Mitte des Raumes, wo 12 weitere Quader liegen. Als Ganzes zeigen sie die kraftvolle Zeichnung eines fein verästelten Korallengewirks, das alles miteinander verbindet. Dahinter sind poetische Wortfragmente, die manchmal fast verschwinden, verblassen, wie aus weiter Ferne zu uns sprechen. Die Installation umkreisend, horche ich den Wörtern nach: «zeit auf heben», «wunder nehmen», «aus land», «zusammen gewachsen», «zu gehörig» ...

Wer hat die Punkte hervorgezaubert?

Ein Kontrast im nächsten Raum: Hier steht ein mit neonfarbenen Fäden eingewickeltes Fahrrad. Es ist immobil, gleichzeitig mit neuer Energie «aufgeladen», die mir ins Auge springt und ein Schmunzeln entlockt. Das leuchtende Vehikel entwickelt einen spannenden Dialog mit dem historischen Panoramabild von Obwalden, das vor Jahren unter Farbschichten an den Wänden entdeckt wurde.

Zum Schluss der Keller. Langsam steige ich die steile Steintreppe hinunter in die Dunkelheit. Es schimmert violett. Vom Gang her strahlen mir sechs kugelartige Gebilde entgegen, die am Boden liegen – Nester, Pilze, Steine? Einen Hinweis gibt der Titel: «Es war nass und fiel vom Himmel.» Hier, in dunkler Tiefe treibt die Fantasie besonders faszinierende Blüten. So finde ich mich im nächsten Raum in einer märchenhaften, komplett der Zeit entrückten Szene: inmitten von violettem Licht und Punkten, die von der Decke und vom Boden her leuchten. Wer hat die Punkte hervorgezaubert?

In der Ecke leuchtet die Zeichnung eines Kindes mit einer Kanne, vis-à-vis auf der anderen Seite des Raumes macht eine Kanne aus Wachs und Fäden auf sich aufmerksam. Ich stelle mir vor, wie das Kind selbstversunken die Punkte ausgiesst. Und staunend steige ich die Treppen hoch.

Andrea Portmann
kultur@luzernerzeitung.ch

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