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Saša Stanišićs Zornesrede am Buchpreis

Die Verleihung des Deutschen Buchpreises nutzte der Gewinner Saša Stanišić für eine Zornesrede gegen Peter Handke. Dieser habe den Bosnienkrieg verfälscht beschrieben.
Hansruedi Kugler
Saša Stanišić auf dem Weg zu seiner Dankesrede. Foto: keystone-sda/Armando Babani

Saša Stanišić auf dem Weg zu seiner Dankesrede. Foto: keystone-sda/Armando Babani

Gestern um 19 Uhr wurde der «Roman des Jahres», wie der Deutsche Buchpreis offiziell heisst, gekürt. Aus noch sechs Finalisten erhielt ihn Saša Stanišić für seinen Roman «Herkunft». Seine Freude über den Gewinn des Deutschen Buchpreises sei aber vor ein paar Tagen einiges kleiner geworden, sagte Stanišić bei seiner bewegenden Dankesrede gestern Abend.

Mit seinem Roman «Herkunft» trete er selbst für eine Literatur ein, die die Leser nicht für dumm verkaufe. Aber dass mit Peter Handke ein Autor den Literaturnobelpreis erhalte, ein Autor, der den Bosnienkrieg so verfälscht habe, fände er erschütternd. «Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke nicht beschreibt», so Stanišić. Handke habe in den 90er Jahren in einem Buch über seine, Stanišićs Heimatstadt, geschrieben - die bosnische Kleinstadt Višegrad im Bürgerkrieg: «Handke hat die Täter und die Opfer nicht erwähnt. Die Verbrechen aber geschahen. Ich bin erschüttert, dass so etwas prämiert wird.»

In ihrer Begründung hatte die Jury vorweggenommen, was Stanišić beklagte. Da heisst es über seinen Roman «Herkunft», in welchem der in Bosnien geborene Stanišić seine eigene Herkunft in einer Selbstbefragung in Fragmenten ausbreitet: «Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen.

’Herkunft’ zeichnet das Bild einer Gegenwart, die sich immer wieder neu erzählt. Ein ’Selbstporträt mit Ahnen’ wird so zum Roman eines Europas der Lebenswege.» Der Roman führt nach Višegrad, ins Dorf der Grosseltern und nach Heidelberg, wo der Autor als Kriegsflüchtling landete. Die Jury: «Sein berückendes Vergnügen am Erzählen macht die bleischweren Themen federleicht.»

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2019 gehören an: Petra Hartlieb (Hartliebs Bücher, Wien), Hauke Hückstädt (Literaturhaus Frankfurt am Main), Björn Lauer (Hugendubel Frankfurt), Jörg Magenau (freier Literaturkritiker), Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk), Daniela Strigl (Literaturwissenschaftlerin) und Margarete von Schwarzkopf (Autorin und Literaturkritikerin).

Für die Auszeichnung waren ausserdem nominiert: Raphaela Edelbauer, «Das flüssige Land» (Klett-Cotta), Miku Sophie Kühmel, «Kintsugi» (S. Fischer), Tonio Schachinger, «Nicht wie ihr» (Kremayr & Scheriau), Norbert Scheuer, «Winterbienen» (C.H.Beck) und Jackie Thomae, «Brüder» (Hanser Berlin).

Mit dem Deutschen Buchpreis 2019 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

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