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SATIRE: «Ich bin nicht dafür bekannt, meine Meinung zu verstecken»

Spätestens seit seinem Auftritt bei Roger Schawinski kennt jeder Andreas Thiel. Diese Woche kommt er nach Luzern und will auch über den Koran sprechen.
Interview Pascal Münger
Andreas Thiel: «Meine Auftritte sind eindeutig spannender geworden.» (Bild PD)

Andreas Thiel: «Meine Auftritte sind eindeutig spannender geworden.» (Bild PD)

Andreas Thiel, dieses Interview findet via E-Mail statt. Ein Gespräch am Telefon haben Sie abgelehnt. Hat der Satiriker Thiel Angst vor unüberlegten Antworten?

Andreas Thiel: Warum mögen Sie keine schriftlich geführten Interviews? Hat der Journalist Münger Angst, er könnte den Interviewten via Mail nicht zu unüberlegten Antworten verleiten?

Ich finde solche Interviews unpersönlich. Aber fangen wir an: Nach dem Attentat auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» – wie fühlt es sich an, ein Satiriker zu sein?

Thiel: In den 1970ern und 1980ern haben die Terroristen Politiker und Wirtschaftsmagnaten erschossen, heute töten sie Komiker. Das ist zwar nicht schlimmer, aber auf eine tragische Weise komischer.

Und wie fühlt es sich an, nach diesen islamistischen Attacken ein Korankritiker zu sein?

Thiel: Ich hätte wirklich nie gedacht, dass man in einer friedlichen und demokratischen Gesellschaft für die Redefreiheit sterben kann. Wenn Komiker und Satiriker unter starkem Polizeischutz die Leute zum Lachen bringen müssen, ist das eigentlich eher zum Weinen als zum Lachen.

Fühlen Sie sich noch sicher auf der Bühne?

Thiel: Meine Auftritte sind eindeutig spannender geworden, allerdings nicht für das Publikum, sondern für mich.

Waren Sie als Satiriker eigentlich überrascht, wie ernst man Sie nahm bei Ihrer Korankritik in der «Weltwoche»?

Thiel: Das war ja auch keine Satire.

Genau deshalb frage ich. Sie konnten Ihre Meinung nicht hinter der Satire verstecken.

Thiel: Verstecken Sie Ihre Meinung hinter dem, was Sie schreiben? Ich glaube nicht, dass ich dafür bekannt bin, meine Meinung je versteckt zu haben.

Diesen Mittwoch kommen Sie mit Ihrem Programm «Gipfeltreffen» ins Kleintheater nach Luzern. Aus Protest zu Ihrem Artikel in der «Weltwoche» hat Ihr Bühnenpartner Jess Jochimsen die Tournee abgesagt. Nehmen Sie ihm das übel?

Thiel: Nein, auch Jess Jochimsen ist ein freier Mensch.

Mich hat überrascht, dass Sie mit Jess Jochimsen bereits seit Jahren die Bühne teilen und über Politik debattieren, er aber anscheinend erst jetzt weiss, dass Sie andere politische Wertvorstellungen haben. Hat er Sie nie genügend ernst genommen, oder war ihm die Korankritik einfach ein zu heisses Eisen?

Thiel: Das müssen Sie Jess Jochimsen fragen.

Ich frage aber Sie direkt, weil Sie plötzlich alleine dastanden mit Ihrem Programm und darum sicherlich auch eine ganz eigene Meinung dazu haben.

Thiel: Sie können Ihre Absicht, mir eine negative Äusserung über meinen Kollegen zu entlocken, nicht hinter Ihrer Frage verstecken.

Nun springt der deutsche Kabarettist Thomas Kreimeyer ein. Ein Notnagel sozusagen. Das Programm wird dar­unter leiden.

Thiel: Sie kennen offensichtlich Thomas Kreimeyer nicht. Dass er frei war, ist ein wahrer Glücksfall für das Programm. Was er auf der Bühne macht, ist einmalig. Er schiesst blind aus der Hüfte und trifft den Nagel auf den Kopf. Das kann kein anderer.

Was können die Zuschauer im Kleintheater vom Duo Thiel/Kreimeyer erwarten?

Thiel: Ich werde über alles reden, was ich will, und Thomas Kreimeyer wird über alles reden, was das ­Publikum will.

Werden Sie auch über den Koran sprechen?

Thiel: Sicherlich. Dieser wird aber kaum Hauptthema sein. War er im Übrigen noch nie.

Hinweis

Andreas Thiel und Thomas Kreimeyer, Mittwoch, 4. Februar, 20.00, Kleintheater, Luzern, Infos und Tickets: www.kleintheater.ch

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