Satire
Nach einem Jahr wie diesem hilft nur noch Humor – ein Rückblick in Karikaturen

2021 begann mit dem Sturm aufs Kapitol und endet mit dem Omikron-Tsunami. Die vielen Schreckensnachrichten wirkten wie ein Booster für die Satire. Elf Karikaturen, die dieses Jahr zusammenfassen.

Patrik Müller
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Vom Sturm aufs Kapitol bis zum «Glockdown»: Der Jahresrückblick in Karikaturen

Einer der verrücktesten Momente der Trump-Ära, festgehalten von Gabriel Giger im «Walliser Boten»: Am 6. Januar 2021 stürmten Anhänger des abgewählten Präsidenten das Kapitol:

Trump musste das Oval Office räumen: In der «New York Times», für die der Genfer Patrick Chappatte früher zeichnete, sind Karikaturen nicht mehr erwünscht. Dabei wäre dieses Werk auch für amerikanische Leser erhellend gewesen. Es erschien in der NZZaS:

Im letzten Winter diskutierte die Schweiz wochenlang über die Skiterrassen. Caro Rutz brachte zu Papier, was sich der eine oder andere Wintersportler gewünscht hat:

Selbstironie im «Nebelspalter»: Andreas (Oger) Ackermann hält den Moment fest, in dem der neue Verleger Markus Somm sein Büro bezieht:

Wenn Gewissheiten zerbrechen: Stephan (cic) Lütolf zeichnet für «SRF 3 online»:

Ein Weinbauer auf der Weltbühne: Bundespräsident Guy Parmelin empfing in Genf Putin und Biden. Peter Gut hielt den entscheidenden Moment für die NZZ fest:

Schalldichte Masken? Ein frommer Wunsch. Tom Werner in den CH-Media-Zeitungen:

Loriot reloaded: Marco (Karma) Ratschiller im «Badener Tagblatt». In Baden wurde das neue Thermalbad eröffnet, und es gab einen Karikaturenwettbewerb («Heiss gebadet»):

Das nennt sich wohl «niederschwelliges Angebot». Tom Künzli im «KMU-Magazin»:

Silvan (Swen) Wegmann interpretiert für die CH-Media-Zeitungen das Abstimmungsergebnis vom 28. November, bei dem die Gegner des Covid-Gesetzes eine deutliche Abfuhr erhielten:

Karikaturen Schwerpunkt Silvester 2021: Silvan Wegmann, CH Media Zeitungen

Karikaturen Schwerpunkt Silvester 2021: Silvan Wegmann, CH Media Zeitungen

Silvan Wegmann

Angela Merkel hat noch die eine oder andere Rechnung offen. Felix Schaad zeigt im «Tages-Anzeiger», wer auf ihrer Liste stehen könnte:


Warum schlimme Zeiten gut für die Satire sind

Die «New York Times» fragte diese Woche: «War 2021 das schlimmste Jahr überhaupt?» Das amerikanische Leitmedium zählt auf, was die Menschheit kollektiv seufzen lässt: die Pandemie, die Klimaerwärmung, schwankende Demokratien, aufstrebende Autokraten...

Die Zeiten sind schlimm, gewiss, aber solche Zeiten sind immer auch gut – für die Satire, sei sie gesprochen, geschrieben oder gezeichnet.

Die Autorin und Bühnenkünstlerin Patti Basler, die wegen Corona auf viele Auftritte verzichten musste, formulierte es so:

«Je schlimmer es ist, desto besser kann man Witze darüber machen, und umso nötiger ist das auch.»

Dass ein Bedürfnis nach Humor besteht, bewies eben das Humorfestival Arosa, das mit 17'000 Besuchern ein grosser Publikumserfolg war, trotz coronabedingter Restriktionen. Ohne jegliche Einschränkungen können die zeichnenden Satiriker wirken. Der Hauskarikaturist von CH Media, Silvan Wegmann, sagt:

«Wenn es der Welt schlecht geht, blühen die Karikaturistinnen und Karikaturisten auf.»
Silvan Wegmann

Silvan Wegmann

Severin Bigler

Wegmann gehört nicht nur zu den profiliertesten Cartoonisten im Land, er ist auch so etwas wie deren inoffizieller «Verbandspräsident». Vor kurzem führte er in Baden mit Mitstreitern das Satire-Festival «Bissfest» durch.

Als die Ideen auszugehen drohten, halfen die Trychler

Bei der Ausstellung «Gezeichnet», die zurzeit im Museum für Kommunikation in Bern läuft, ist Wegmann mit dem früheren «Nebelspalter»-Chef Marco Ratschiller ebenfalls Mitinitiant. Dieser Jahresrückblick in Cartoons findet zum 14. Mal statt.

Zeigen sich im zweiten Coronajahr Ermüdungserscheinungen? Wegmann sagt: «Kurz bevor uns die letzten Ideen zum Virus ausgingen, boosterten die ‹Glöggler› mit ihren Umzügen unsere Kreativität in neue Höhen.» In der Satirebranche seien inzwischen fast alle kurz vor der Dissertation in den Bereichen Virologie, Epidemiologie, Psychologie, Politologie und Schweizer Brauchtum.

Allerdings, stellt Wegmann fest, sei Corona in den Karikaturen weniger dominant als noch 2020. Zumindest hier zeigt sich eine gewisse Normalität.

Es gab andere grosse Themen: Nach seiner Abwahl im November 2020 konnten sich die Karikaturisten auch Anfang 2021 an ihrem langjährigen Lieblingssujet Donald Trump (allein die Frisur!) abarbeiten, weil der Ex-Präsident seine Niederlage nicht anerkannte und die Schlagzeilen bis weit über Joe Bidens Amtsantritt hinaus dominierte. Bereits wird über eine Kandidatur 2024 spekuliert.

Rahmenabkommen und das Gendersternchen

Wesentlich gesitteter ging der Abgang der mächtigsten Frau der Welt, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, über die Bühne. Auch dazu erschienen in den Schweizer Zeitungen auffällig viele Karikaturen.

Innenpolitisch waren laut Silvan Wegmann die Genderstern-Debatte und das Rahmenabkommen häufige Themen – Letzteres nicht immer zum Vorteil von Aussenminister Ignazio Cassis. Der bewies jüngst seinerseits Humor, als er in dieser Zeitung sagte: «Immerhin bin ich immer noch in den Top Ten der beliebtesten Bundesräte.»

Gezeichnet – die besten Pressezeichnungen des Jahres – Museum für Kommunikation, Bern. Noch bis 13. Februar. Öffnungszeiten: www.mfk.ch

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