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SCHAU: Ein grossformatiger Fotograf

Das umfassende Werk des Schweizer Fotografen Balthasar Burkhard schien fast vergessen. Eine grosse Ausstellung im Fotomuseum Winterthur und der Fotostiftung Schweiz würdigt nun den bedeutenden Künstler.
Brigitte Elsner-Heller
Teil einer raumfüllenden Serie eines männlichen Beines aus dem Jahr 1980. (Bilder: Estate Balthasar Burkhard)

Teil einer raumfüllenden Serie eines männlichen Beines aus dem Jahr 1980. (Bilder: Estate Balthasar Burkhard)

Brigitte Elsner-Heller

«Er ist unser verlorener Künstler, er schuf ein Werk, das abhandenkam», schrieb die NZZ Ende letzten Jahres über den Schweizer Fotografen Balthasar Burkhard. Zu früh sei er geboren (1944), zu früh gestorben (2010) und viel zu leise sei er gewesen. Nun, mit der Stille um ihn ist es nun endgültig vorbei. Dass sich das Foto­museum und die Fotostiftung Schweiz zu einer Ausstellung ­zusammenschliessen, geschieht nicht alle Tage. Doch mit diesem gemeinsamen Schritt würdigen die beiden Institutionen einen der bedeutendsten Schweizer Fotografen der Gegenwart. 900 Quadratmeter sind in Winterthur für die Arbeiten Balthasar Burkhards reserviert.

Die Ausstellung ist zweigeteilt: In einem ersten Teil, der chronologisch angeordnet ist und in der Fotostiftung zu sehen ist, geht es um die Entwicklung der Kunst Balthasar Burkhards und das Umfeld, in dem er sich bewegte. Schon früh nämlich kam Burkhard mit der Berner Kunstszene in Berührung und dokumentierte diese bereits in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Der zweite Teil bespielt gleich gegenüber die grosszügigen Hallen des Fotomuseums und zeigt dabei auf, dass es dem Künstler Burkhard um die räumliche Wirkung seiner Fotografie ging. Hier werden auch die Themenfelder ausgebreitet, die er mit dem etwas anderen Blick – und oft grossformatig – zu ­er­forschen suchte: Körper als Plastiken, Architekturfotografie, ­Landschaften einschliesslich Städteansichten aus der Vogelperspektive. Abgesehen von vergleichsweise wenigen späten Natur- und Pflanzenaufnahmen, denen er auch Farbe zubilligte, ist seine Fotografie in Schwarz-Weiss gehalten, in einer düsteren Tönung.

Bei den Grossen hat er das Handwerk gelernt

Man könnte ihn beneiden um einen Vater, der dem Achtjährigen eine Kamera mit auf den Schulausflug gibt und dann auch die Lehre bei Kurt Blum vorschlägt, der mit Paul Senn, Jakob Tuggener und Gotthard Schuh zu den bedeutendsten Schweizer Fotografen zählt. Bei ihm lernt Burkhard das Handwerk der Fotografie, vor allem auch den Umgang mit Grossformaten, auf die er immer wieder zurückkommen wird. Ausgestellt ist in Winterthur eine frühe Serie von Impressionen auf der Alp, schon hier zeigt sich die dunkle Tönung, die wohl dem Abzug geschuldet ist. Über Blum kommt der junge Burkhard auch mit dem Berner Künstlerkreis in Berührung und beginnt, für Harald Szeemann zu fotografieren, der die Kunsthalle leitet. Es entstehen zahlreiche dokumentarische Arbeiten über Ausstellungen und Aktionen. Mit der Freundschaft zu Markus Raetz entstehen erstmals Fotoarbeiten, die vom Objekt abstrahieren. Zunächst sind es in den ausgehenden 1960er-Jahren Landschaften, dann, nach dem Umzug nach Amsterdam, Aufnahmen karger Interieurs, die quasi in Originalgrösse auf Leinwand gebracht wurden. Auch heute ist noch nachvollziehbar, dass diese riesigen «Tücher» mit ihrer Nähe zum Tafelbild und ihrem Faltenwurf 1970 im Kunstraum Luzern für Furore sorgten (die Ausstellung besorgte Jean-Christophe Ammann).

Die Verschmelzung von Fotografie und Kunst

Immer stärker stellt sich für Burkhard die Frage, ob er Künstler oder Fotograf sei. 1972 ist Balthasar Burkhard als Fotograf auf der Documenta 5, danach kommt eine Krise, die er mit einem Sprung über den grossen Teich nach Amerika beendet. Hier entstehen überlebensgrosse Selbstporträts, hier kommt auch die Idee zur Schauspielerei auf. ­Konkret ist ein Lehrauftrag in Chi­cago. Als Burkhard Ende der 1970er-Jahre aus den USA zurückkommt, verschmelzen seine Fotoarbeiten zusehends auch noch mit der Architektur und Plastik. Er experimentiert mit dem Motiv des Körpers, etwa in der neunteiligen Fotoinstallation «Das Knie». Das Sujet der Architekturfotografie kommt in der Arbeit für Herzog & de Meuron ins Spiel, eine Serie, die 1991 auf der Architekturbiennale in Venedig zu sehen war. Wunderbar skurril nimmt sich der Ausstellungsraum aus, der unter dem Titel «Porträts: Typen und Individuen» läuft. Die Eyecatcher sind hier die Tiere. Das den Raum prägende Kamel vor Leinwand. Oder, wieder in passender Höhe gehängt, der Esel. Bekannt wurden die Motive durch das Kinderbuch «Klick!, sagte die Kamera», das 2017 in zweiter Auflage erschien. Ebenfalls von beeindruckender Grösse und struktureller Dichte sind die Luftbilder von Metropolen – ebenfalls düster getont und in Schwarz-Weiss. Erst in reiferen Jahren wendete sich Balthasar Burkhard vermehrt der Natur zu, oft auf Reisen. Und da konnte dann sogar auch die Farbe punkten. In Winterthur zu sehen in einem Tulpenarrangement.

Hinweis

Ausstellung im Fotomuseum und der Fotostiftung in Winterthur bis 21. Mai 2018.

Fotografischer Perfektionist, der keinen Aufwand scheute: Burkhard 1995 in seinem Atelier. (Bild: Estate Balthasar Burkhard)

Fotografischer Perfektionist, der keinen Aufwand scheute: Burkhard 1995 in seinem Atelier. (Bild: Estate Balthasar Burkhard)

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