Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHAUSPIEL: Luzerner Theater: Sozi- und Jugo-Väter im Kinderzimmer

Sechs Männer haben sich im Luzerner Theater zusammengefunden, um ihr Vater- und Sohn-Sein zu reflektieren. Das Resultat ist teils freiwillig komisch, bietet aber auch Tiefgang und Einblicke in Schicksale.
Guy Studer
Im Kinderzimmer erzählen sechs Väter ihre Biografie und stossen auf Gemeinsamkeiten wie Widersprüche. (Bild: Ingo Höhn)

Im Kinderzimmer erzählen sechs Väter ihre Biografie und stossen auf Gemeinsamkeiten wie Widersprüche. (Bild: Ingo Höhn)

Guy Studer

kultur@luzernerzeitung.ch

Wie kann man sechs völlig unterschiedliche Geschichten und Charaktere in 80 Minuten zu einem einheitlichen Bühnenstück formen? Zumal die sechs Hauptdarsteller alle Laien sind. Mit dem Stück «Väter» hat sich Regisseur Max Merker am Luzerner Theater an die Herausforderung herangewagt. Zwar betritt er damit nicht absolutes Neuland. Vor einem Jahr wurde bereits mit «Mütter», ein ähnliches Konzept im selben Haus erfolgreich zur Aufführung gebracht (Wiederaufnahme am Dienstag, 1. Mai).

Bier trinken statt kochen

Wie beim weiblichen Pendant handelt «Väter» selbstredend von den verbindenden Erfahrungen und Erlebnissen von Männern in ihrer Rolle als Erzeuger und Erzieher, während gleichermassen unterschiedliche Geschichten und Ansichten aufeinanderprallen. Allerdings steht hier nicht die multikulturelle Zusammensetzung der Darsteller im Vordergrund. So handelt es sich um sechs grossmehrheitlich in der Schweiz aufgewachsene Männer zwischen 34 und 72 Jahren. Der jüngste erwartet bald das dritte Kind, der älteste ist bereits mehrfacher Grossvater und könnte ohne weiteres auch noch Urgrossvater werden. Und um den Unterschied zu akzentuieren, wird das Publikum nicht bekocht, wie bei «Mütter», sondern die Männer öffnen sich zur Feier ihres Werks ein Bier (wenn auch ein alkoholfreies).

Auch ein Stück von Vätern über ihre Väter

Sinnigerweise platziert Merker seine Protagonisten in einem Kinderzimmer. Ihre Aufgabe: ein Kinderbett zusammenbauen. Dabei öffnen sich die Männer dem Publikum. Wobei der Titel des Stücks doppeldeutig ausgelegt ist. Matthias, Otti, Markus, Michael, Selmir und Marcus hatten oder haben natürlich alle auch Väter. Tiefe gewinnen die Geschichten denn auch am meisten, wenn sie über die Beziehungen zu ihren Vätern reden und die Frage im Raum steht: Würde ich es als Vater auch so machen? Was hat mir mein Vater mitgegeben, und was möchte ich weitergeben?

Und hier offenbaren sich die Gegensätze: So stand Matthias stets unter dem Druck, wie sein Vater Arzt zu werden. Während für Michael (Kulturredaktor dieser Zeitung), schon immer feststand, dass er einst dasselbe machen würde wie sein Vater (ebenfalls Redaktor dieser Zeitung). Oder von Markus, dessen Vater seinem Sohn zwar viele Ratschläge gab, diesen damit aber nicht im Geringsten erreichte. Oder von Otti, der als Kind höhere Erwartungen an seinen Vater, einen Hilfsarbeiter, hatte, als dieser erfüllen konnte. Es sind teilweise emotionale Momente, die das Publikum miterlebt, auch intime Geständnisse, die berühren.

Unterhaltsame Dialoge

Auch wenn das Stück dem einen oder anderen Darsteller mitunter als Vergangenheitsbewältigung dienen dürfte, so ist es ebenso wenig auf Selbstinszenierung wie auf Voyeurismus ausgelegt. Die verdichtete Erzählweise lässt dies nicht zu. Die Darsteller wechseln sich in kurzen Abständen ab – was nie wirklich Schwere aufkommen lässt.

Umso unterhaltsamer sind die Dialoge, in denen es um das Vatersein geht. Das eigentliche Kernthema lässt zwischen vermeintlichen Stereotypen, die sich aneinander reiben – hier der aus einer «Sozifamilie» stammende Michi, der den Bosnier Selmir, dessen Söhne alle Fussball spielen, als Bluffer bezeichnet –, und verbindenden Gemeinsamkeiten hin- und herschwanken. Etwa das peinliche Schweigen, wenn das Kind nach Haus kommt und fragt: «Was ist ein Jugo?» Sich daran gewöhnen zu müssen, dass Durchschlafen der Vergangenheit angehört, dass Ausgang eine ganz neue Bedeutung erhält.

Auch die Nachteile, Vater zu sein, sind kein Tabu. «Im nächsten Leben habe ich dann keine Kinder», sagt Matthias im Scherz, oder doch nicht ganz? Denn sind wir doch ehrlich: Vater sein kann auch einfach mal so richtig Scheisse sein. Die Authentizität ist greifbar.

Eingeflochten in die Erlebnis­berichte wird der vierstimmige Männerchor, der mit Liedern zum Thema zwischen Schubert und «Star Wars» einen etwas arg weiten Bogen spannt. Wobei sich das Science-Fiction-Epos wie ein roter Faden durch das Stück zieht. Vom Laserschwert-schwingenden Jungen bis hin zu den Stormtrooper-Kostümen, in denen die Chorsänger auftreten. Es ist eine spielerische Anlehnung an das Kind im Mann, vor allem aber an eine der berühmtesten Vater-Sohn-Geschichten im Film, mit Bösewicht Darth Vader und seinem Sohn Luke Skywalker, der das Gute verkörpert. Ein Stoff übrigens, der sich bereits im «Hildebrandslied» aus dem 9. Jahrhundert finden lässt: Die Konfrontation zwischen Vater und Sohn, in der der eine den anderen nicht erkennt.

Nicht nur für Eltern

Vielleicht liegt es an der anderen Erwartungshaltung, die man einem Stück mit Laien entgegenbringt, vielleicht auch nicht. Die Männergruppe tritt überzeugend als kleines Ensemble auf und erzeugt gleich zu Beginn eine Bühnenpräsenz, die zum Zuhören einlädt, nicht befiehlt. Die gut platzierten Lacher wirken nicht wie Rettungsanker, um Längen zu vermeiden, sondern kommen von Herzen. Was Max Merker und das Produktionsteam in dieser Hinsicht zustande gebracht haben, ist bemerkenswert. Und spricht nicht nur Eltern oder Grosseltern, sondern eigentlich alle Menschen an.

Hinweis/Verlosung
Weitere Aufführungen: 6., 13., 18. Mai und 10. Juni, Luzerner Theater.
Für die Aufführung vom Sonntag, 13. Mai,verlosen wir 3 × 2 ­Tickets.Wählen Sie heute die Telefonnummer 0901 83 30 25 (Fr. 1.50 pro Anruf), oder nehmen Sie unterwww.luzernerzeitung.ch/wettbewerbean der Verlosung teil.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.